Bayerns Sparkassen verhalten optimistisch - Kredite und Wertpapierhandel legen zu
München, 04. Mrz (Reuters) - Die bayerischen Sparkassen sehen trotz stark wachsender Kreditvolumina kein ungetrübtes Bild bei Investitionen der Unternehmen und im Wohnungsbau. Bei Unternehmenskrediten wuchs das Neugeschäft 2025 um 17 Prozent auf 16,4 Milliarden Euro, wie der Sparkassenverband Bayern am Mittwoch zur Jahresbilanz mitteilte. "Die Pipeline für 2026 ist jetzt wieder gut gefüllt", sagte Vizepräsident Stefan Proßer. Die Kredite würden jedoch meist für Ersatzinvestitionen oder Betriebsmittelkredite verwendet und nicht für Zukunftsinvestitionen. Bei Unternehmen herrsche "eher Unsicherheit und Vorsicht". Die Sparkassen bereiteten sich unterdessen auf steigende Kreditausfälle vor.
Das Volumen der zugesagten privaten Immobiliendarlehen kletterte um 28,3 Prozent auf 10,7 Milliarden Euro, wie der Verband mitteilte. "Es geht Schritt für Schritt aufwärts, trotz weiterhin stark steigender Baupreise", sagte Proßer. "Aber es ist eben keine umfassende Erholung." Denn der Vorteil durch gesunkene Zinsen werde durch hohe Bau- und Baunebenkosten vielfach zunichtegemacht. Die Darlehenszusagen für den Kauf bestehender Immobilien seien erneut dreieinhalbmal so hoch wie jene für Neubaufinanzierungen. "Für eine wirksame Entlastung des Wohnungsmarkts reicht das noch nicht", erklärte Verbandspräsident Matthias Dießl.
Der Zinsüberschuss der 55 bayerischen Sparkassen legte im vergangenen Jahr um 2,5 Prozent auf 4,58 Milliarden Euro zu. Hintergrund waren zum einen steigende Zinserträge, weil niedrig verzinste ältere Kredite ausliefen. Zum anderen sank der Zinsaufwand, weil viele Kunden Geld aus Spareinlagen in täglich fällige, niedrig verzinste Sichteinlagen umschichteten. Zugleich legte der Umsatz im Wertpapiergeschäft mit privaten Kunden erneut stark zu. Er stieg um 19,8 Prozent und trieb den Provisionsüberschuss um 5,5 Prozent auf 1,85 Milliarden Euro. Dem stand ein gestiegener Verwaltungsaufwand gegenüber, da viele Sparkassen in Filialen und IT investierten - sowie in die Nachwuchsgewinnung, um sich auf die bevorstehende Ruhestandswelle älterer Mitarbeiter vorzubereiten.
Trotz steigender Risikovorsorge für Kreditausfälle sieht Dießl für die bayerischen Sparkassen keinen Grund zur Beunruhigung. Die Risikovorsorge stieg nach vorläufigen Zahlen gegenüber 2024 um 20,7 Prozent auf nunmehr 315 Millionen Euro. "Wir bereiten uns natürlich vor, doch Kreditausfälle größeren Ausmaßes beobachteten wir bei unseren Kunden auch 2025 nicht", sagte der Sparkassenpräsident. "Kreditvergabewunsch und Risikobewusstsein stehen in einem ausgewogenen Verhältnis." Das Betriebsergebnis lag sowohl vor als auch nach Bewertung mit 2,97 Milliarden beziehungsweise 1,37 Milliarden Euro jeweils annähernd auf Vorjahresniveau.
2026 erwarten die bayerischen Sparkassen ein stabiles operatives Geschäft. "Grundsätzlich, von der jetzigen Erwartungshaltung, gehen wir von einem soliden, leicht steigenden Ergebnis für 2026 aus", sagte Dießl.
(Bericht von Jörn Poltz, redigiert von Myria Mildenberger. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)

