Milliardenlast durch Glyphosat-Rechtsstreit drückt Bayer tiefer in die Verlustzone

Reuters · Uhr
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Frankfurt, 04. ⁠Mrz (Reuters) - Der Pharma- und Agrarkonzern Bayer ist wegen milliardenschwerer Belastungen aus den Glyphosat-Rechtsstreitigkeiten in den USA tiefer in die roten Zahlen gerutscht. Unter dem Strich stand 2025 ein Verlust von 3,62 Milliarden Euro nach einem Minus von 2,55 Milliarden im Vorjahr, wie das Unternehmen am Mittwoch ‌in Leverkusen mitteilte. Grund dafür waren vor allem Sonderaufwendungen für Rechtsfälle von gut sechs Milliarden Euro. Das um Sondereinflüsse bereinigte operative Ergebnis (Ebitda) sank um 4,5 Prozent auf ⁠9,67 Milliarden Euro. ⁠Analysten hatten im Schnitt 9,61 Milliarden erwartet. Der Konzernumsatz fiel um gut zwei Prozent auf 45,58 Milliarden Euro, währungsbereinigt ein Plus von 1,1 Prozent.

Für das laufende Jahr rechnet Bayer währungsbereinigt mit einem Umsatz von 45 bis 47 Milliarden Euro und einem operativen Ergebnis vor Sondereinflüssen von 9,6 bis 10,1 Milliarden Euro. Der Barmittelzufluss (Free Cash Flow) dürfte ‌jedoch wegen Auszahlungen für Rechtsstreitigkeiten mit rund fünf Milliarden ‌Euro stark belastet werden und mit minus 1,5 bis minus 2,5 Milliarden Euro negativ ausfallen. Die Aktionäre sollen für 2025 erneut nur die gesetzliche Mindestdividende von elf Cent je Aktie erhalten.

"Es ⁠gibt starke Anzeichen für Fortschritt, wir arbeiten aber noch an unserem umfassenden Turnaround", sagte Vorstandschef ‌Bill Anderson. Er hatte vor Kurzem einen neuen, ⁠bis zu 7,25 Milliarden Dollar teuren Glyphosat-Vergleich angekündigt, um die Rechtsrisiken deutlich zu reduzieren. Zudem treibt der Konzern seinen Umbau voran. Das neue Organisationsmodell soll Hierarchien abbauen und Ergebnisbeiträge von zwei Milliarden Euro bringen. Die Zahl der Beschäftigten ‌im Konzern sank im vergangenen Jahr um ⁠mehr als 4700 auf gut 88.000.

Die Klagewelle ⁠wegen der angeblich krebserregenden Wirkung des Unkrautvernichters hatte sich Bayer 2018 mit der milliardenschweren Übernahme des Glyphosat-Entwicklers Monsanto ins Haus geholt. Wegen des Vergleichs und weiterer Rechtsstreitigkeiten hatte Bayer die Rückstellungen auf 11,8 Milliarden Euro erhöht. Eine endgültige Klärung erhofft sich Bayer jedoch erst von einer Entscheidung des Obersten Gerichtshofs der USA, die noch aussteht. Dort soll geklärt werden, ob Klagen wegen angeblich fehlender Warnhinweise nach dem Recht einzelner Bundesstaaten zulässig sind, obwohl die US-Umweltbehörde EPA Glyphosat nicht als krebserregend einstuft und entsprechende ⁠Warnhinweise auf dem Produktlabel nicht erlaubt.

(Bericht von Patricia Weiß, redigiert von Myria Mildenberger. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen ‌und Märkte).)

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