Heftige Angriffe auf Teheran - Trauerfeier für Chamenei verschoben

Reuters · Uhr (aktualisiert: Uhr)
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(Durchgehend neu)

- von Parisa Hafezi ⁠und Steven Scheer

Dubai/Jerusalem, 05. Mrz (Reuters) - Die US-israelischen Angriffe auf den Iran sind am Donnerstag in den sechsten Tag gegangen und werden zunehmend stärker auf Teheran ausgerichtet.

Einwohner der Hauptstadt berichteten von massiven Explosionen und einer verzweifelten Lage. "Heute ist es schlimmer als gestern. Sie greifen den Norden Teherans an", sagte der 36-jährige Mohammadreza der Nachrichtenagentur Reuters am Telefon. "Wir können nirgendwohin. Es ist wie in einem Kriegsgebiet. Helft uns." Israel bezeichnete die Angriffe als weitere Welle gegen Regierungsziele. Ein Militärsprecher erklärte, man verzeichne zwar einen Rückgang der täglichen Raketenstarts aus dem Iran, die Bedrohung bestehe jedoch weiter. "Je mehr wir den Schaden intensivieren und die Abschussrampen ‌ausschalten, desto mehr wird die Bedrohung mit der Zeit abnehmen", sagte er. Die Trauerfeierlichkeiten für den getöteten Revolutionsführer Ajatollah Ali Chamenei wurden im Iran derweil um unbestimmte Zeit verschoben, was Spekulationen über die Nachfolgeregelung und die Sicherheitslage im Inneren anheizte.

Der Konflikt weitete sich auch auf See aus. Der Iran kündigte Vergeltung für einen US-Torpedoangriff auf ein iranisches Kriegsschiff vor ⁠der Küste Sri Lankas an, ⁠bei dem mehr als 80 Seeleute getötet worden seien. Der iranische Außenminister Abbas Araghtschi erklärte, das Schiff sei ohne Vorwarnung in internationalen Gewässern getroffen worden, die USA würden diesen Präzedenzfall "bitter bereuen". Die Revolutionsgarden meldeten ihrerseits, sie hätten einen US-Tanker im nördlichen Teil des Golfs getroffen und in Brand gesetzt. Sie betonten, die Kontrolle über die Straße von Hormus zu haben. Durch das Nadelöhr fließt ein Fünftel der weltweiten Öl- und Flüssiggaslieferungen.

Im Iran selbst sorgt die Nachfolge des bei den ersten Luftangriffen am Samstag getöteten Staatsoberhaupts für Unsicherheit. Die geplante dreitägige Staatstrauer wurde kurz vor Beginn abgesagt. Insidern zufolge geschah dies teilweise aus Angst vor Angriffen auf die Trauergäste durch US-amerikanische oder israelische Kampfflugzeuge. Als ein aussichtsreicher Nachfolger gilt Chameneis Sohn Modschtaba, ein Hardliner. Israel hat bereits gedroht, ‌jeden Nachfolger, der die feindselige Politik fortsetze, als legitimes Ziel zu betrachten.

WADEPHUL: DEUTSCHLAND BETEILIGT SICH NICHT AN REGIME-CHANGE

Auch der ‌innenpolitische Druck auf die iranische Spitze wächst. Das staatliche Fernsehen wurde am Donnerstag gehackt und strahlte eine Videobotschaft von Reza Pahlavi aus, dem im Exil in den USA lebenden Sohn des letzten Schahs. "Eine schwere Schicksalslast ruht auf unser aller Schultern. Und wir werden diesen Weg gemeinsam bis zum endgültigen Sieg gehen", sagte Pahlavi. Viele Iraner hatten den Tod Chameneis in sozialen Medien, aber auch auf den Straßen vor allem in ⁠der Provinz gefeiert.

In Washington stärkten die Republikaner im Senat US-Präsident Donald Trump den Rücken und blockierten einen Vorstoß, der die militärische Autorisierung durch den Kongress gefordert hätte. Die US-Regierung signalisierte Israel uneingeschränkte ‌Unterstützung. Verteidigungsminister Pete Hegseth habe seinem israelischen Kollegen Israel Katz telefonisch mitgeteilt: "Macht weiter bis zum Ende – ⁠wir stehen an eurer Seite", teilte die Regierung in Jerusalem mit.

Die Türkei zeigte sich besorgt über die Aktivitäten der kurdisch-iranischen Miliz PJAK. Die Gruppe bedrohe die Sicherheit des Iran und die Stabilität der Region, erklärte das Verteidigungsministerium in Ankara. Hintergrund sind Berichte über Gespräche zwischen iranisch-kurdischen Milizen und den USA über einen möglichen Vorstoß gegen staatliche Kräfte im Westen der Islamischen Republik.

Bundesaußenminister Johann Wadephul äußerte sich zurückhaltend zu einer möglichen kurdischen Beteiligung an einem Sturz der Führung in Teheran. Deutschland beteilige sich "nicht an konkreten ‌Maßnahmen des Regime-Changes in irgendeinem Land und auch nicht im Iran", sagte Wadephul in Berlin. "Wir halten Kontakte zu ⁠einigen oppositionellen Gruppen. Das ist richtig, das ist notwendig", fügte er hinzu. "Wir ⁠sind an der Seite der Menschen im Iran, dazu gehören insbesondere die Kurdinnen und Kurden, die ja unter diesem ruchlosen Regime in besonderer Art und Weise leiden."

STEIGENDER ÖLPREIS SORGT WEITER FÜR NERVOSITÄT

Zugleich kündigte Wadephul zwei weitere von der Bundesregierung gecharterte Flüge zur Evakuierung hilfsbedürftiger Deutscher aus den Golfstaaten an. Die Flüge seien für Donnerstag und Freitag geplant. Am Morgen war ein erster solcher Lufthansa-Flug in Frankfurt gelandet. Aus dem Auswärtigen Amt hieß es, die Passagiere müssten für den Flug einen Eigenanteil von 500 Euro übernehmen.

Ob es noch mehr Charterflüge der Bundesregierung geben wird, ist unklar. Wadephul verwies darauf, dass der kommerzielle Flugverkehr seinen Betrieb zunehmend wieder aufnehme. Allein am Donnerstag seien aus Dubai und Abu Dhabi 60 kommerzielle Flüge nach Europa geplant gewesen, einige davon nach Deutschland.

Der Krieg im Nahen Osten schickte den deutschen Aktien-Leitindex Dax auf eine Berg- und Talfahrt. "Die Schwankungen an den Börsen bleiben hoch, und das wird wohl auch noch für einige Zeit so bleiben", prognostizierte Thomas Altmann von QC Partners. Für Nervosität sorgt weiter vor allem der steigende Ölpreis. Seit Wochenbeginn haben Versorgungsängste die Preise für das Nordseeöl Brent und ⁠WTI um jeweils mehr als 16 Prozent nach oben getrieben, was sich auch an den Tankstellen in Deutschland bemerkbar macht.

Die vom Iran blockierte Straße von Hormus ist eine wichtige Transportader für rund ein Fünftel der weltweiten Öl- und LNG-Versorgung. Wegen des Kriegs ist der Schiffsverkehr hier nahezu zum Erliegen gekommen.

(Mit weiteren Reuters-Büros; Bearbeitet von Alexander Ratz; Redigiert von Christian Rüttger; Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere ‌Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com)

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