Merck-Ausblick enttäuscht - Patentverlust bei MS-Mittel belastet

Reuters · Uhr
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Darmstadt, 05. Mrz (Reuters) - Der ⁠Patentverlust für ein wichtiges Medikament und negative Währungseffekte trüben die Aussichten bei Merck KGaA: Der Darmstädter Pharma- und Technologiekonzern stellt sich im laufenden Jahr auf einen Ergebnisrückgang von bis zu zehn Prozent ein. "Uns steht ein herausforderndes Jahr bevor", sagte Finanzchefin Helene von Roeder am Donnerstag auf der Bilanzpressekonferenz mit Blick auf das Gesundheitsgeschäft. Belastet wird die Prognose durch den Wettbewerb für das Multiple-Sklerose-Mittel Mavenclad und negative Währungseffekte, insbesondere durch den schwachen US-Dollar.

2026 erwartet Merck ein bereinigtes ‌operatives Ergebnis (Ebitda) zwischen 5,5 und 6,0 Milliarden Euro. Vor Währungseffekten würde das Ergebnis schlimmstenfalls um bis zu vier Prozent sinken. Der Umsatz dürfte mit 20,0 bis 21,1 Milliarden Euro bestenfalls das Vorjahresniveau erreichen. Der Ausblick für das laufende Jahr enttäuschte die Anleger. Die Aktien ⁠von Merck verloren in ⁠der Spitze bis zu 2,7 Prozent und gehörten damit zu den größten Verlierern im Dax. Die Prognose für 2026 impliziere eine Kürzung der Konsensschätzungen, erklärten die Analysten von JP Morgan. Die Enttäuschung sei jedoch zumindest teilweise erwartet worden.

Ein Hauptgrund für die vorsichtige Prognose ist der Wettbewerb durch Nachahmerprodukte für Mavenclad in den USA. Der Konzern rechnet konservativ damit, dass die Umsätze dort von diesem Monat an komplett wegbrechen. "Wir haben eine Reihe von Generika-Herstellern, die in den Startlöchern stehen. Sie könnten morgen mit dem Verkauf beginnen", erklärte von Roeder. Etwa die Hälfte des Mavenclad-Umsatzes von ‌1,2 Milliarden Euro im vergangenen Jahr sei in den USA erzielt worden. Als neuen Wachstumspfeiler ‌im Gesundheitsgeschäft nannte die scheidende Konzernchefin Belén Garijo die durch die Übernahme von SpringWorks geschaffene Sparte für seltene Krankheiten.

LETZTE BILANZ FÜR "COVID-CEO" GARIJO

Im abgelaufenen Geschäftsjahr 2025 hielt Merck sein operatives Ergebnis trotz negativer Währungseffekte stabil bei 6,1 Milliarden Euro. Der Umsatz sank leicht um 0,3 Prozent auf 21,1 Milliarden Euro. Da der Konzern ⁠gut ein Viertel seines Umsatzes in Nordamerika erwirtschaftet, schmälert der schwache Dollar bei der Umrechnung in die Berichtswährung Euro die Erträge. Ohne Währungs- und ‌Portfolioeffekte wäre das operative Ergebnis um 5,6 Prozent und der Umsatz um ⁠3,1 Prozent gestiegen. Dabei profitierte Merck vor allem von starken Geschäften mit Produkten für die Arzneimittelherstellung. Unter dem Strich fiel der Gewinn binnen Jahresfrist um sechs Prozent auf 2,6 Milliarden Euro. Die Aktionäre sollen dennoch eine unveränderte Dividende von 2,20 Euro je Aktie erhalten.

Für Garijo war es die letzte Bilanzvorlage. Ihre Nachfolge tritt zum Mai der bisherige Chef der Elektroniksparte, Kai Beckmann, an. ‌Garijo, die ihr Amt 2021 mitten in der Corona-Pandemie antrat und sich selbst ⁠als "Covid-CEO" bezeichnete, steuerte den Konzern erfolgreich durch die Pandemie. ⁠Dabei kam Merck eine Sonderkonjunktur für seine Produkte für die Pharma- und Biotechbranche zugute.

Garijo verwies auf eine "volatile Welt", die von Pandemie, KI-Revolution und geopolitischer Fragmentierung geprägt sei. Merck habe sich in dieser Zeit nicht nur behauptet, sondern sei gestärkt daraus hervorgegangen. Finanzchefin von Roeder lobte, Garijo habe das Unternehmen sicher durch diese Turbulenzen gelotst. Die Strategie, mit lokaler Produktion in den jeweiligen Regionen zu agieren, mache den Konzern widerstandsfähiger gegen geopolitische Verwerfungen.

"Wir haben 2025 erneut unsere Widerstandsfähigkeit unter Beweis gestellt - trotz erheblicher geopolitischer Herausforderungen und starker Währungsgegenwinde", sagte Garijo, die bald das Ruder beim französischen Pharmakonzern Sanofi übernimmt. Gegen US-Zölle rüstete sie Merck mit einer Vereinbarung mit der US-Regierung, die das Pharmageschäft von den Abgaben befreite. Mit Blick auf eine mögliche Rückerstattung für andere Sparten, nachdem der Oberste Gerichtshof der USA Zölle von Präsident Donald Trump für ⁠rechtswidrig erklärt hatte, sagte Garijo: "Wir denken nicht über Rückerstattungen nach." Lediglich in den Sparten Life Science und Electronics seien Zölle angefallen, hatte Finanzchefin von Roeder zuvor erläutert.

(Bericht von Patricia Weiß, redigiert von Olaf Brenner. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für ‌Unternehmen und Märkte).)

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