Kolumne von Alexander Mayer

Diesem Ausbruch bei Bitcoin ist nicht zu trauen

decentralist.de · Uhr

Der Bitcoin-Kurs hat sich berappelt - doch wer genauer hinschaut, merkt, dass die Schwäche im Markt längst nicht überwunden ist. Mehrere Faktoren sprechen gegen eine weitere Aufwärtsbewegung, während der Bärenmarkt insgesamt weiter eine Chance für Investoren bleibt.

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Eine Bitcoin-Münze ist zu sehen.
Quelle: Adobe.com/Michael Nivelet

Bitcoin hat in dieser Woche eine deutliche Erholung hingelegt und konnte wieder bis über die runde Marke von 70.000 Dollar klettern. Ein Treiber war die jüngste Maßregelung von US-Präsident Donald Trump gegen den Bankensektor, der sich im aktuellen Streit um das Krypto-Marktstrukturgesetz in den USA quer stellt.

Der Fokus des Konflikts liegt auf der Streitfrage, ob Zinsen auf Stablecoin-Bestände durch Krypto-Börsen wie Coinbase an Kunden ausgezahlt werden dürfen. Dies ist aus Sicht der Bankenlobby ein direkter Angriff auf das Bankeinlagengeschäft, da Krypto-Anbieter deutlich höhere Zinsen an Kunden weitergeben, als es bei klassischen Bankeinlagen der Fall ist.

Auf seiner Plattform Truth Social hat Trump der Bankenbranche vorgeworfen, mit ihren Rekordgewinnen und der Weigerung eines Entgegenkommens die Krypto-Agenda der Regierung zu untergraben. Der Bitcoin-Kurs ist daraufhin deutlich angezogen.

Wie nachhaltig ist dieser Ausbruch?

Der Bitcoin-Kurs hat in den letzten Wochen mehrmals eine Unterstützung bei dem langfristigen Aufwärtstrend seit dem Bärenmarkt-Boden aus dem Jahr 2018 gefunden. Die aktuelle Gegenbewegung hat den Kurs zwischenzeitlich bis an die Marke von 73.000 Dollar gebracht, doch diese Marke hat sich als klarer charttechnischer Widerstand erwiesen. Diese Zone hat seit dem initialen Ausbruch Anfang 2024 über das letzte Zyklus-Hoch einen strukturellen Support in diesem Bullenlauf dargestellt, fungiert seit dem Einbruch darunter jedoch als entscheidender Widerstand.

Der Bitcoin-Chart
Quelle: Tradingview

Erst ein maßgeblicher Ausbruch darüber auf Wochen- oder Monatssicht würde die Chancen auf eine Rückkehr in anhaltend bullisches Momentum für den Bitcoin-Kurs auf ein realistisches Maß erhöhen. Übergeordnet bleibt Bitcoin in einem Bärenmarkt-Trend und fügt sich weiterhin in seine zyklische Dynamik ein, die 2026 als zweites Jahr nach dem letzten stattgefundenen Halving-Jahr anhand historischer Daten als Bärenmarkt-Periode deklariert.

Drohendes Death Cross sendet zusätzliche bärische Signale

Ausgehend von einer weiterhin bärischen Struktur bleibt die Frage nach einer möglichen Bodenbildung. Der langfristige Aufwärtstrend seit 2018, sowie die Supportzone rund um das Doppel-Zyklus-Top aus 2021 auf Wochensicht bleiben weiterhin starke Unterstützungszonen.

Saisonal betrachtet zeigt Bitcoin in Bärenmarktjahren in der Regel eine Schwächephase zu Jahresbeginn in den Monaten Januar und Februar, gefolgt von einer zwischenzeitlichen Erholung im März. Allerdings folgte darauf in der Vergangenheit stets eine weitere Schwächephase in den Monaten April bis Mai, die oft zu neuen Tiefs geführt hat.

Hinzu kommt ein im langfristigen Zeithorizont drohendes "Todeskreuz" zwischen dem 21-Wochen- und dem 100-Wochen-Trend, welches in den vergangenen Zyklen den Auftakt für die finale Phase des Bärenmarkts angekündigt hat, in der Bitcoin seine Tiefs erreicht hat, gefolgt von einer mehrmonatigen Konsolidierungsphase bis zum nächsten strukturellen Ausbruch.

Der Bitcoin-Chart
Quelle: Tradingview

Anhand historischer zeitlicher Vergleiche der zyklischen Dynamik könnte ein entsprechender Ausbruch daher frühestens am Ende des dritten oder Anfang des vierten Quartals 2026 erfolgen.

Der Blick auf die fundamentale Lage

Aktuell liefert das Makro-Bild wenig Rückenwind, um den Bitcoin-Kurs zurück in bullisches Momentum zu befördern. Für eine Rückkehr in einen Aufwärtstrend bedarf es besserer Liquiditätsbedingungen, mehr Nachfrage durch eine gesteigerte Risikofreude der Investoren, sowie weiterer regulatorischer Fortschritte in den USA, um die Migration des Kapitals von der traditionellen in die digitale Finanzwelt fortzusetzen.

Eine Verbesserung der Liquiditätsbedingungen durch eine Lockerung der Geldpolitik in den USA ist im weiteren Verlauf des Jahres wahrscheinlich, da ein Regime-Wechsel der Federal Reserve durch einen Wechsel des Vorsitzes, sowie nötige Impulse zur Bearbeitung der US-Schuldenkrise in Aussicht stehen.

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Ein seit zwei Monaten deutlich anziehender US Purchasing Managers Index als aussagekräftiger vorlaufender Indikator für die wirtschaftliche Entwicklung signalisiert eine steigende wirtschaftliche Expansion und damit eine potenziell höhere Risikobereitschaft unter Investoren, da die wirtschaftlichen Bedingungen sich verbessern.

Regulatorisch werden derzeit ebenfalls entscheidende Weichen in den USA gestellt, die die Krypto-Welt der traditionellen Finanzwelt gegenüber weiter öffnen werden. Der Clarity Act als entscheidende Gesetzesinfrastruktur bleibt bis auf weiteres in der Schwebe. Doch in Sachen Tokenisierung ist in dieser Woche ein großer Meilenstein erreicht worden.

Die US-Bankenaufsichtsbehörden Federal Reserve, Federal Deposit Insurance Corporation und Office of the Comptroller of the Currency haben klargestellt, dass tokenisierte Wertpapiere regulatorisch genauso behandelt werden wie traditionelle Finanzinstrumente. Grundlage ist das Prinzip der Technologie-Neutralität, wonach die verwendete Infrastruktur – etwa eine Blockchain – keinen Einfluss auf die Kapitalanforderungen von Banken hat.

Tokenisierte Staatsanleihen, Aktien oder Unternehmensanleihen werden daher bilanziell identisch behandelt und erfordern kein zusätzliches Eigenkapital, sofern sie dieselben rechtlichen Eigentumsrechte wie klassische Wertpapiere vermitteln. Die Regeln unterscheiden zudem nicht zwischen privaten und öffentlichen Blockchains wie Ethereum. Tokenisierte Wertpapiere können außerdem als Sicherheiten, zur Risikominderung oder als Referenzwerte für Derivate genutzt werden und unterliegen dabei denselben Bewertungsabschlägen wie traditionelle Assets.

Damit wurde grundsätzlich der Weg für die Wall Street frei gemacht, sämtliche Vermögenswerte, die derzeit noch analog abgebildet werden, auf die Blockchain zu holen, was ein potenziell gigantisches Wachstumspotenzial für den Krypto-Sektor eröffnet. Unmittelbar hat dies wenig Einfluss auf den Kurs, langfristig geht es hier jedoch um Billionen von Dollar an Marktkapitalisierung.

Der Bärenmarkt bleibt eine Chance

Auch wenn Bitcoin und der Krypto-Sektor insgesamt aktuell charttechnische Schwäche zeigen, bleibt die fundamentale Entwicklung vielversprechend für die Assetklasse Kryptowährungen, da die Bereitschaft zur Nutzung der Infrastruktur steigt und Staaten wie die USA die regulatorischen Rahmenbedingungen dafür schaffen. Bärenmarktphasen können wie in vergangenen Zyklen als Chance zur günstigen Allokation betrachtet werden, wenn man als Investor die grundlegende Annahme vertritt, dass sich die Migration der analogen Finanzwelt in die digitale Finanzwelt fortsetzen wird.

Denken Sie langfristig!

Die Details zur neuen Regelung für tokenisierte Vermögenswerte in den USA und was das für den Sektor bedeutet erfahren Sie in der aktuellen Analyse auf decentralist.

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