Henry Philippson

Die Rohölpreise starteten spektakulär in die neue Handelswoche - Rohöl der Sorten WTI und Brent lag im frühen Handel zeitweise über 20 Prozent im Plus im Vergleich zum Freitag. Ein Anstieg in dieser Größenordnung wäre der größte eintägige Anstieg der Geschichte.
Marktreaktion setzt Trump unter Druck
Trump hatte zuletzt behauptet, dass die Ölpreise wieder sinken werden, „wenn die Zerstörung der iranischen nuklearen Bedrohung beendet ist“. Ein Hinweis darauf, dass ihm die anziehenden Ölpreise natürlich ein Dorn im Auge sind. Zudem passieren an den Märkten ohnehin gerade viele Dinge, die Trump überhaupt nicht ins Konzept passen dürften:
- Ein stärkerer US-Dollar bei gleichzeitiger Fortsetzung des Handelskrieges
- Höhere Anleiherenditen = höhere Zinsen
- Parabolische Bewegung im Rohölpreis zum Wochenstart
- Sinkende Wahrscheinlichkeit dass die Fed den Leitzins senkt auf Grund aufkommender Inflationsgefahr
- Aktienmärkte kräftig unter Druck
Die Frage ist nun - wieviel Druck von den Märkten kann Trump aushalten? Wann ist Zeit für den so genannten „TACO-Trade“? Im Herbst sind immerhin Kongress-Wahlen in den USA. Trump kann sich steigende Preise - vor allem an der Zapfsäule - im so Auto-fokussierten Amerika politisch nicht leisten.
Der „TACO-Trade“ ist ein in der Trading-Community verwendeter Spitzname für die Erwartung, dass Donald Trump bei wirtschaftlichem oder politischem Druck oft zurückrudert. „TACO“ bedeutet „Trump Always Chickens Out“, sinngemäß übersetzt mit „Trump gibt immer klein bei“. Anleger setzen dabei darauf, dass harte Maßnahmen oder Drohungen (z. B. Zölle, Sanktionen oder geopolitische Eskalationen) zunächst die Märkte belasten, Trump später aber nachgibt oder die Maßnahmen abschwächt. Trader kaufen deshalb häufig nach Marktrückgängen in der Erwartung einer politischen Kehrtwende und einer anschließenden Erholung der Märkte.
„If you panic - panic first!“
Der Druck von den Finanzmärkten ist mit dem recht dramatischen Anstieg der Ölpreise zu Wochenbeginn jedenfalls noch einmal deutlich gestiegen. Für Aktienkäufe im Sinne des TACO-Trade scheint es derzeit allerdings (noch) zu früh - bislang gibt Trump weiter den Hardliner und eine De-Eskalation ist derzeit noch nicht in Sicht.
Für (Panik-)Verkäufe ist es nun wiederum definitiv zu spät: Der Dax notiert bereits gut 2.000 Punkte tiefer als zum aktuellen Zeitpunkt von vor einer Woche. Hier hätten Anleger bereits vor einer Woche handeln müssen.



