Verkorkster Jahresbeginn für deutsche Wirtschaft: Auch Exporte sinken

Reuters · Uhr
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Berlin, 10. Mrz (Reuters) - Die ⁠Exporteure haben den Fehlstart der deutschen Wirtschaft ins Jahr 2026 komplett gemacht: Nach Industrieaufträgen, Produktion und Einzelhandelsumsatz schrumpften im Januar auch die Ausfuhren. Die Warenexporte fielen wegen der sinkenden Nachfrage aus China und Europa um 2,3 Prozent zum Vormonat auf 130,5 Milliarden Euro, wie das Statistische Bundesamt am Dienstag mitteilte. Das ist der stärkste Rückgang seit Mai 2024. Im Dezember hatte es noch ein kräftiges Plus von 3,9 Prozent gegeben. Die Importe brachen ‌sogar um 5,9 Prozent auf 109,2 Milliarden Euro ein - das größte Minus seit April 2020, als die Corona-Pandemie den Welthandel lahmlegte.

"Die Daten bestätigen den sehr schwachen Jahresauftakt für die deutsche Wirtschaft", sagte ING-Chefvolkswirt Carsten Brzeski. Die Industrieaufträge waren im Januar um mehr als ⁠elf Prozent eingebrochen, die ⁠Produktion um 0,5 Prozent geschrumpft und die Umsätze im Einzelhandel um 0,9 Prozent gefallen. Hinzu kommt mit dem seit mehr als einer Woche währenden Iran-Krieg ein neuer Belastungsfaktor für die Weltwirtschaft.

Dennoch rechnen viele Ökonomen für 2026 nach drei Jahren Rezession und Flaute mit einem Wachstum von Europas größter Volkswirtschaft. "Vorerst halten wir an unserer optimistischen Einschätzung fest, dass fiskalische Impulse von rund 200 Milliarden Euro für Verteidigung und Infrastruktur zu einer ordentlichen Erholung führen werden", sagte Brzeski. Das sehen andere Experten ebenso. "Der verkorkste Jahresstart sollte nicht fehlinterpretiert werden", sagte der Chefvolkswirt der ‌VP Bank, Thomas Gitzel. "Noch immer sind die Vorzeichen günstig für höhere gesamtwirtschaftliche Wachstumsraten." Wegen ‌der öffentlichen Mittel für Rüstung und Infrastruktur dürften sich die Auftragsbücher in den kommenden Monaten füllen.

DREIFACHER CHINA-SCHOCK

Die meisten Ausfuhren gingen im Januar erneut in die USA. Dorthin wurden deutsche Waren im Wert von 13,2 Milliarden Euro geliefert. Das waren 11,7 Prozent mehr als im Dezember, obwohl die von Präsident Donald Trump ⁠eingeführten hohen Zölle die Nachfrage nach Waren "Made in Germany" belasten. Das US-Geschäft bleibe ein Risikofaktor für deutsche Unternehmen, warnte die Deutsche Industrie- und ‌Handelskammer (DIHK). "Die anhaltende Unsicherheit aufgrund der volatilen US-Handelspolitik ist für das US-Geschäft deutscher ⁠Firmen Gift und erschwert langfristige Investitions- und Planungsentscheidungen", sagte DIHK-Außenwirtschaftschef Volker Treier.

Die Exporte in die EU-Staaten sanken um 4,8 Prozent auf 71,6 Milliarden Euro. Das deutsche China-Geschäft brach noch stärker ein: Die Ausfuhren in die Volksrepublik nahmen um 13,2 Prozent auf 6,3 Milliarden Euro ab. ING-Chefökonom Brzeski sprach von einem dreifachen China-Schock für die deutschen Exporteure: "Einer schwächeren Nachfrage nach deutschen Produkten ‌in China, einem zunehmenden Wettbewerb durch chinesische Hersteller auf Drittmärkten und in der ⁠EU und schließlich der Abhängigkeit von chinesischen Seltenen Erden."

NEUES ⁠RISIKO: IRAN-KRIEG

Exportweltmeister China ist dagegen überraschend gut ins Jahr gestartet. Angetrieben von einer starken Nachfrage nach elektronischen Produkten wuchsen die Ausfuhren in den Monaten Januar und Februar um 21,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum, wie die Zollbehörde in Peking mitteilte. Von der Nachrichtenagentur Reuters befragte Volkswirte hatten nur mit einem Plus von 7,1 Prozent gerechnet.

Die Stimmung unter den deutschen Exporteuren ist im Februar ins Positive gedreht. Das Barometer für die Exporterwartungen stieg auf plus 2,6 Punkte, von minus 0,8 Punkten im Januar, wie das Münchner Ifo-Institut zu seiner Unternehmensumfrage mitteilte. Höher lag der Wert zuletzt im September 2025, zuvor war er seit Mai 2023 durchgängig negativ. "Die Exportwirtschaft startet mit etwas Rückenwind ins neue Jahr", sagte Ifo-Konjunkturchef Timo Wollmershäuser. "Von einer breit angelegten und dynamischen Erholung kann jedoch noch keine Rede sein."

Mit dem Iran-Krieg und ⁠den dadurch gestiegenen Energiepreisen gibt es inzwischen ein neues Risiko. "Höhere Energiekosten wären für das globale verarbeitende Gewerbe eine schwerwiegende Belastung", sagte VP-Experte Gitzel. "Eine daraus resultierende geringe Investitionsneigung würde gerade die deutsche Industrie deutlich treffen."

(Bericht von Rene Wagner, redigiert von Kerstin Dörr - Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere ‌Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com)

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