Wacker Chemie: Zehn Mrd Euro Umsatz rücken in weite Ferne
München, 11. Mrz (Reuters) - Der bayerische Spezialchemiekonzern Wacker erwartet auch im laufenden Jahr keine durchgreifende Besserung in der Branche und bleibt deshalb auf Sparkurs. "Wir sehen weiterhin keine Trendwende im Markt", sagte Vorstandschef Christian Hartel am Mittwoch in München. Deshalb steht zunächst das Sparprogramm im Vordergrund, mit dem 1500 Stellen - vor allem in Deutschland - abgebaut und die Kosten um 300 Millionen Euro gesenkt werden sollen. Das Geschäft in Deutschland sei - auch wegen der hohen Energiepreise - in den roten Zahlen. "Wachstum ist mittel- bis langfristig wieder ein Thema, aber jetzt sind erstmal Hausaufgaben angesagt", sagte Hartel. Die zehn Milliarden Euro Umsatz, die Wacker für 2030 anvisiert hatte, seien "aus heutiger Sicht unrealistisch".
Er drängte auf eine schnelle Einigung mit den Gewerkschaften auf die Modalitäten des Stellenabbaus. "Je länger wir warten, desto umfangreicher müssen die Einschnitte sein." Ob Wacker Chemie nach einem Verlust von 805 Millionen Euro im vergangenen Jahr 2026 wieder schwarze Zahlen schreiben werde, sei offen.
Die Branchenkrise sei nicht nur eine vorübergehende Delle, betonte Hartel. "Die Spielregeln haben sich grundlegend geändert." Neue Wettbewerber, vor allem aus Asien, drängten in den Markt. Das führe zu Überkapazitäten und Preisverfall, nicht nur bei Silizium für die Solarindustrie, die von chinesischen Herstellern überschwemmt würden, auch bei Siloxan, einem Grundstoff für Silikone. Wacker zieht daraus Konsequenzen und will sich aus solchen Geschäften nach und nach zurückziehen. "In unseren Chemiebereichen fokussieren wir uns auf Spezialitäten, im Polysilizium-Geschäft auf den Halbleitermarkt und in unserer Life-Science-Sparte Biosolutions auf innovative Biotech-Anwendungen", sagte der Vorstandschef.
Für das laufende Jahr rechnet Hartel nur mit einem niedrigen einstelligen Wachstum des Umsatzes, der 2025 um vier Prozent auf 5,49 Milliarden Euro geschrumpft war. Zuwächse seien dabei nur bei Halbleiter-Silizium und im Biotech-Geschäft zu erwarten. Die Mengenzuwächse würden von Währungseffekten teilweise aufgezehrt, sagte Finanzvorstand Tobias Ohler. Wenn der Iran-Krieg länger dauere und die Konjunktur dämpfe, könne das die Lage noch verschärfen. Das operative Ergebnis (Ebitda) soll sich dank der Sparmaßnahmen auf 550 bis 700 (2025: 427) Millionen Euro verbessern. Ob das auch unter dem Strich wieder zu einem Gewinn führe, sei offen. "In der Mitte der Spanne reicht es noch nicht ganz", sagte Ohler.
Für die Börsianer waren die Aussichten gut genug. Das für das erste Quartal prognostizierte Ebitda liege deutlich über den Erwartungen, schrieben die Analysten von Jefferies. Die Aktie stieg um bis zu zehn Prozent auf 75,65 Euro.
2025 hatten die schwache Chemiekonjunktur, die Kosten für das Sparprogramm "Pace", aber auch Abschreibungen von insgesamt fast 600 Millionen Euro Wacker einen Verlust von 805 Millionen Euro eingebrockt. Die Dividende soll deshalb ausfallen - zum ersten Mal überhaupt. Der größte Teil der Abschreibungen entfiel mit 308 Millionen Euro auf den Wert der Beteiligung am Chip-Zulieferer Siltronic, dessen Aktie sich nicht erholt.
(Bericht von Alexander Hübner, redigiert von Ralf Banser. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)



