Telekom-Chef: Europa muss mehr für digitale Souveränität tun

Reuters · Uhr
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Frankfurt, 12. ⁠Mrz (Reuters) - Europa muss seine Regulierung nach Einschätzung von Telekom-Chef Tim Höttges dringend verschlanken. Nur so könne es im weltweiten Vergleich wettbewerbsfähig sein und seine technologische Unabhängigkeit behaupten, sagte der Chef der Deutschen Telekom laut Redetext bei der ‌Internationalen Kartellkonferenz am Donnerstag. Hierzu sollten unter anderem Fusionen erleichtert werden. "In Europa gilt Marktkonsolidierung per se als gefährlich." Dabei erwirtschafte mehr als ⁠die Hälfte ⁠der hiesigen Anbieter ihre Kapitalkosten nicht. Damit fehle Geld für notwendige Investitionen. In China und den USA funktioniere der Wettbewerb, obwohl es dort nur jeweils drei Mobilfunk-Netzbetreiber gebe.

Im Bereich Künstliche Intelligenz (KI) sei Unternehmensgröße sogar noch wichtiger, betonte Höttges. Um gegen die großen US-Cloudanbieter wie Amazon Web ‌Services (AWS), Google oder Microsoft zu bestehen, brauche Europa ‌ernstzunehmende Herausforderer. Diese könnten aber nicht entstehen, wenn Beihilferegeln für Zurückhaltung sorgen und staatliche Aufträge nicht garantiert werden. "Unter diesen Bedingungen wird es keine groß angelegten ⁠Investitionen geben."

Die Europäische Union (EU) will den Bau fünf sogenannter KI-Gigafactories fördern. Eines ‌dieser besonders leistungsstarken Rechenzentren soll in ⁠Deutschland entstehen. Damit soll die heimische Wirtschaft unabhängiger von außereuropäischen Anbietern werden. Bislang gibt es aber noch keine konkreten Pläne für dieses bis zu zehn Milliarden Euro teure Projekt. Daher bauen ‌deutsche Anbieter auf eigene Initiative neue ⁠Rechenzentren, auf die die heimische Industrie ⁠zunehmend angewiesen ist.

So errichtet die Cloud-Sparte der Schwarz-Gruppe für elf Milliarden Euro eine Anlage auf dem Gelände eines ehemaligen Kraftwerks im brandenburgischen Lübbenau. Zur Schwarz-Gruppe gehören die Einzelhändler Lidl und Kaufland. Die Telekom nahm Anfang Februar in München ihre industrielle KI-Cloud in Betrieb. Das deutsche Startup Polarise plant eine weitere Anlage mit einer doppelt so starken Anschlussleistung. Polarise ist der Erbauer und Betreiber des KI-Rechenzentrums der Telekom.

(Bericht ⁠von Hakan Ersen, redigiert von Ralf Banser. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen ‌und Märkte).)

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