IGBCE schlägt Alarm - "Chaotische Deindustrialisierung droht"

Reuters · Uhr
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Düsseldorf, 13. ⁠Mrz (Reuters) - Die Gewerkschaft IGBCE warnt vor einem Kahlschlag in der chemischen Grundstoffindustrie mit unabsehbaren Folgen für den Standort Deutschland. "Es droht der Verlust kompletter Industriecluster mit Monopolisierungstendenz, mindestens aber eine chaotische Deindustrialisierung", sagte der IGBCE-Vorsitzende Michael ‌Vassiliadis. Er forderte einen politisch moderierten Prozess für eine konzertierte Konsolidierung der Grundstoffchemie: "Wir appellieren an den Bundeskanzler, sich dafür in Europa ⁠stark zu ⁠machen und ihn gleichzeitig im eigenen Land anzuschieben." Vorbilder für ein solch abgestimmtes Vorgehen gebe es bereits in Japan und Südkorea.

Ein weiteres Warnzeichen sei auch die Entscheidung des US-Konzerns Dow, mehrere chemische Großanlagen in Ostdeutschland zu schließen, darunter einen Cracker, der als Basis für ‌die Verbundproduktion in der Region gilt. Eine ‌Cracker-Schließung könne "unzählige Unternehmen und Tausende Arbeitsplätze in der direkten Nachbarschaft gefährden". Viele Grundstoffhersteller in Europa könnten dem Beispiel folgen. Hintergrund sei, dass sich durch ⁠die veränderte weltwirtschaftliche Lage in diesem Segment Überkapazitäten gebildet haben. Schätzungen gingen ‌von gut 20 Prozent aus. ⁠Die IGBCE mache sich deshalb für eine konzertierte Konsolidierung der Branche stark. Notwendige Kapazitäten und strategisch wichtige Standorte müssten identifiziert und gesichert werden. "Wir können nicht alle Jobs retten, aber wir ‌müssen einen unkontrollierten Flächenbrand vermeiden", sagte ⁠Vassiliadis.

Die unter der konjunkturellen Schwäche ⁠und mangelnder Nachfrage leidende Branche wird auch durch hohe Energiekosten belastet, die durch den Iran-Krieg befeuert werden. Auch die Lieferketten gerieten durch die Folgen des Nahost-Konflikts unter Druck, beklagte der Branchenverband VCI. Die Arbeitgeber stehen aktuell mitten in einer neuen Tarifrunde für die 585.000 Beschäftigten der chemisch-pharmazeutischen Industrie mit der IGBCE. Diese fordert Kaufkraftsteigerung und Jobsicherheit. Die Arbeitgeberseite überfordere das keinesfalls, betonte der Gewerkschaftschef.

(Bericht ⁠von Matthias Inverardi, redigiert von Ralf Banser. Bei Rückfragen wenden Sie sich bittean unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und ‌Märkte).)

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