
Der Dax hat sich am Freitag trotz der vagen Hoffnung auf eine Entspannung am Ölmarkt nicht nachhaltig stabilisiert. Die USA wollen zeitweise ihre Russland-Sanktionen lockern, sodass Länder vorerst russisches Öl kaufen dürfen, das sich bereits auf Schiffen befindet. Der Preis für ein Fass der Nordsee-Ölsorte Brent fiel zuletzt etwas unter die Marke von 100 US-Dollar.
Der Iran drohte derweil allerdings mit weiteren Attacken auf die Öl- und Gas-Infrastruktur der Golfregion. Medienberichte über Gespräche von Frankreich und Italien mit dem Iran zu einer möglichen sicheren Passage durch die Straße von Hormus dementierte die italienische Regierung inzwischen.
Rund zwei Wochen nach Kriegsausbruch im Iran ging der Dax letztlich 0,6 Prozent tiefer mit 23.447 Punkten ins Wochenende. Zwischenzeitliche Gewinne von mehr als 0,7 Prozent konnte der deutsche Leitindex also nicht halten. Vom Tief seit Mai bei 22.927 Punkten, auf das der Dax am Montag gestürzt war, konnte er sich jüngst aber merklich absetzen. Auf Wochensicht steht ein Minus von gut einem halben Prozent zu Buche. Der MDax der mittelgroßen Unternehmen büßte am Freitag 1,45 Prozent auf 28.819 Zähler ein.
"Die Nachrichtenlage in der Geopolitik ändert sich zu schnell, als dass Anleger bereit wären, größere spekulative Positionen ins Wochenende mitzunehmen", kommentierte Marktanalyst Andreas Lipkow vom Broker CMC Markets. Das grundsätzliche Motto an den Börsen laute weiterhin "Risk-off". Angesichts der hohen Ölpreise fürchten die Investoren eine Stagflation - also zumindest stagnierendes Wirtschaftswachstum bei gleichzeitig anziehender Inflation. Vor diesem Hintergrund rücken die Zinsentscheidungen von US-Notenbank Fed und Europäischer Zentralbank (EZB) in den Fokus, die beide kommende Woche anstehen.
Zalando heimst Lob ein
Auf Einzelwert-Ebene hat eine optimistischere Einstufung der Investmentbank Bernstein Freitag die Aktien von Zalando zurück in Richtung ihrer 200-Tage-Linien getrieben. Die Aktien des Onlinehändlers gewannen in der Spitze fast zehn Prozent auf 24,20 Euro. Schließlich ging die Aktie mit einem Plus von knapp sieben Prozent auf 23,54 Euro aus dem Handel und war bester Dax-Titel.
Die 200-Tage-Linien als langfristige Trendbarometer liegt bei 24,70 Euro. Bernstein-Experte William Woods setzte ein Kursziel von 25 Euro an und gab sein "Underperform"-Votum auf. "Zalando ist zwar nur ein Kaufhaus, aber ein Kaufhaus, das Geld verdient", schrieb Woods.
Er lobte den verbesserten Barmittelzufluss und den Start von Ausschüttungen an die Anleger. Konkurrenz durch Künstliche Intelligenz sieht er gelassen und befürchtet keine existenzgefährdende Verdrängung.Zalando-Aktien hatten sich zwischen Ende Februar 2025 und Anfang März in gut einem Jahr mehr als halbiert auf 18,79 Euro. Seit acht Tagen sind sie allerdings klar auf Erholungskurs.
Siltronic nach positivem Analysten-Votum an SDax-Spitze
Eine positive Analystenstimme hat auch die Aktien von Chipzulieferer Siltronic am Freitag kräftig angetrieben. Sie knüpften an ihren jüngsten Aufwärtstrend an und stiegen in der Spitze um rund zwölf Prozent. Zum Handelsschluss betrug das Plus noch gut acht Prozent auf 58,35 Euro, womit die Aktien Spitzenreiter im Kleinwerte-Index SDax waren.
Außerdem konnten sich die Siltronic-Aktien deutlich von den 21- und 50-Tage-Chartlinien als Indikatoren für den kurz- und mittelfristigen Trend nach oben absetzen. Seit Jahresbeginn steht ein Kursplus von fast einem Fünftel zu Buche.
Die Investmentbank Oddo BHF bekräftigte vor dem Wochenende ihr "Outperform"-Votum für Siltronic und erhöhte das Kursziel auf 65 Euro. Die Analysten sprachen von einer schrittweisen Verbesserung der Marktaussichten. Demnach stehe der Chipzulieferer kurz vor einem neuen Bullenzyklus.
(mit Material von dpa-AFX)
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