Kolumne von Alexander Mayer

Macht die US-Notenbank den nächsten geldpolitischen Fehler?

decentralist.de · Uhr
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Ein Bitcoin neben Dollar-Noten.
Quelle: Adobe.com/MaxFrost

Seit dem Beginn des Iran-Krieges hat sich die Kryptowährung Bitcoin überraschend robust präsentiert, während der Gesamtmarkt deutlich unter Druck geraten ist. Eine Interpretation der Kursentwicklung lag darin, dass Bitcoin eine gestiegene Erwartungshaltung an die Notwendigkeit geldpolitischer Interventionen widerspiegelt, während Abverkäufe bei Gold, Aktien und Anleihen und ein steigender Dollar-Kurs-Index eine entsprechende Positionierung in Cash darstellen, da Anleger Liquidität sichern wollen.

Die stark gestiegenen Ölpreise stellen zwar eine Gefahr für steigende Inflation in Aussicht, ein ernsthafter Schock in der Ölversorgung ruft jedoch auch Rezessionsängste und die Gefahr einer neuen Liquiditätskrise durch ausfallende Kredite im Finanzsystem hervor.

Die Fed bleibt eisern

Die US-Notenbank Federal Reserve schätzt die Lage bisher jedoch anders ein und gewichtet die Gefahr einer weiter anziehenden Inflation höher. Das hat Fed-Chef Jerome Powell während der Pressekonferenz nach dem Zinsentscheid in dieser Woche klar gemacht. Die Fed hat den US-Leitzins unverändert bei 3,5 bis 3,75 Prozent belassen.

Für 2026 wird nun nur noch eine einzige Zinssenkung prognostiziert. Sieben von 19 FOMC-Mitgliedern rechnen jetzt mit gar keinen Zinssenkungen mehr in diesem Jahr. Auch die Inflationsprognose wurde von 2,4 auf 2,7 Prozent angehoben. Die Tendenz innerhalb des Fed-Boards wird damit wieder klar restriktiver.

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Die steigenden Ölpreise fließen laut Powell sichtbar in die Prognosen ein. Eine Abkühlung im Arbeitsmarkt sei zwar erkennbar, doch die hohe Unsicherheit durch die verschärften geopolitischen Spannungen lässt die Fed weiter vorsichtig agieren.

Das hat für Enttäuschung am Markt gesorgt und auch der aktuellen Erholungsrally bei Bitcoin den Wind aus den Segeln genommen. Die Marke von 76.000 Dollar bleibt ein klarer charttechnischer Widerstand.

Der Bitcoin-Chart
Quelle: Tradingview

Die Federal Reserve ist der entscheidende Hebel für die Liquiditätsentwicklung am Markt, da die Dollar-Geldpolitik globale Bedeutung hat. Bitcoin bleibt primär liquiditätsgetrieben und reagiert daher besonders sensibel auf die geldpolitischen Impulse aus den USA. Die jüngste Pressekonferenz hat deutlich gemacht, dass weiterhin keine schnelle Lockerung in Sicht ist und die Fed abwartend bleibt. Das restriktive Umfeld für Bitcoin bleibt damit bestehen – die Kursentwicklung steht übergeordnet weiterhin im Zeichen eines Bärenmarktes.

Nur ein Faktor kann zu einer schnellen Trendwende führen

Die Federal Reserve blickt aktuell auf eines der schwierigsten geldpolitischen Umfelder seit Jahrzehnten. Das Dilemma aus einem abkühlenden Arbeitsmarkt und einer anhaltend hohen Inflation hält die Fed in einer Sackgasse, aus der sie ihr Doppelmandat der Inflationsbekämpfung und Stabilisierung des Arbeitsmarktes immer schlechter ausführen kann.

Im Grunde ist die Fed im derzeitigen Marktumfeld handlungsunfähig. Zinserhöhungen wären nicht nur eine größere Belastung für den Arbeitsmarkt, sondern könnten auch die Stabilität der Finanzmärkte ernsthaft gefährden, da die privaten Kreditmärkte aktuell ohnehin bereits deutlich unter Druck stehen und die Schuldenkrise der US-Regierung ein großes Problem im Hintergrund darstellt, dass mittelfristig einer neuen Antwort bedarf, um die Refinanzierung weiter zu gewährleisten.

Zinssenkungen wären jedoch ebenfalls kontraproduktiv, da die Inflation sich hartnäckig oberhalb des Zielkorridors von zwei Prozent hält und die aktuelle Ölpreis-Entwicklung als Brandbeschleuniger für die Inflationsentwicklung wirkt.

Macht die Fed den nächsten großen geldpolitischen Fehler?

Nachdem die Fed im Zuge der Corona-Krise zu lange und zu extrem auf geldpolitische Lockerung gesetzt hat, könnte nun jedoch das Gegenteil der Fall sein und der anhaltend restriktive Kurs zum entscheidenden Stolperstein für die Märkte werden.

Die privaten Kreditmärkte in den USA standen bereits vor dem Ausbruch des Krieges unter Druck. Die stark anziehenden Benzinpreise verschärfen die Situation weiter, da die meisten Amerikaner auf Mobilität angewiesen sind und die Preise zahlen müssen. Das dürfte sich auf Kreditkartenschulden, Autokredite, Konsumkredite und Immobilienkredite auswirken, da viele Kreditnehmer es nun noch schwerer haben, ihre Raten zu bezahlen.

Auch gesamtwirtschaftlich kann ein langfristiger Öl-Versorgungsengpass zu einer Kettenreaktion führen, wenn die Industrieproduktion gedrosselt werden muss oder ganz zum Erliegen kommt. Im schlimmsten Fall kann das zu einer Austrocknung der Liquidität am Markt führen, wenn Rechnungen nicht mehr beglichen werden und Aufträge ausfallen.

Die Liquidität ist bereits seit Ende des letzten Jahres dünn, was eine vermehrte Nutzung der Repo-Facility der Fed durch den Bankensektor zeigt. Wenn zu wenig Liquidität am Markt verfügbar ist, weichen Banken auf diese Notfall-Liquiditätsquelle der Fed aus. Das hohe Volumen an kurzfristigen Staatsanleihen, das durch das US-Finanzministerium auf den Markt geleitet wird, trägt ebenfalls zu einer Knappheit der Liquidität bei, da diese die vorhandene Liquidität aufsaugen und nur verzögert über Staatsausgaben wieder in den Markt zurückleiten.

Sollte es zu einer Liquiditätskrise kommen, wird die Fed gezwungen sein, geldpolitisch zu intervenieren. Der Schweregrad eines solchen Szenarios ist schwer zu prognostizieren und hängt von den weiteren Entwicklungen des Iran-Kriegs und der Ölversorgung ab. Die Finanzmärkte sind jedoch im Kern fragil und es reicht bereits der Ausfall einer relativ kleinen Teilmenge an Krediten im Gesamtmarkt, um einen systemischen Schock auszulösen. Das haben vergangene Krisen gezeigt. Im schlimmsten Fall steht uns ein ähnliches Szenario bevor wie zuletzt durch den Ausbruch der Coronakrise. In Zeiten wie diesen kommen die negativen Effekte eines ungedeckten Kreditgeldsystems zum Vorschein.

Für die Asset-Märkte würde ein solches Szenario die Karten neu mischen. Extreme Volatilität wäre gewiss und eine temporäre drastische Neubewertung vieler Unternehmen am Aktienmarkt wäre gewiss. Für Bitcoin könnte ein solches Szenario jedoch interessant werden, da die Kryptowährung sehr stark auf eine Veränderung der Liquidität reagiert. Die letzte extreme geldpolitische Intervention der Fed hat eine monatelange Rally ausgelöst, die Bitcoin von 3.000 auf knapp 70.000 Dollar gehoben hat.

Die Fed hofft noch, dass die Märkte alleine klar kommen

Derzeit scheint die Fed noch zu hoffen, dass die Märkte die Energiekrise von allein absorbieren können. Man kann argumentieren, dass präventive Maßnahmen die Wirkung deutlich verringern würden, sollte es doch zu einem Krisenszenario kommen. Aktuell hätte die Fed im Fall einer Krise recht viel Handlungsspielraum. Sie könnte die Zinsen von einem hohen Niveau senken und die bisher nur auf kleiner Flamme laufenden Liquiditätsschleusen in Form von Anleihekäufen massiv nach oben drehen.

Doch eine einmal ausgebrochene Krise hinterlässt immer langfristige Schäden, selbst wenn schnell reagiert wird. Seit der Finanzkrise 2008 operieren die Märkte im Grunde immer noch unter der stützenden Hand der Geldpolitik – eine Normalisierung in Form eines kompletten Abbaus des Balancesheets der Fed hat in all den Jahren nicht funktioniert und wurde durch die letzte Krise ad absurdum geführt.

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Eine weitere Krise dürfte das Problem der Abhängigkeit des Marktes nach künstlicher Liquidität nur noch weiter vergrößern. Dieser Umstand qualifiziert Assets wie Bitcoin und Gold für einen Platz in einem Portfolio, da beide Assets von dieser Dynamik profitieren, besonders jedoch Bitcoin.

Denken Sie langfristig!

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