Leitindex setzt Abwärtstrend fort – SAP ist Tagesverlierer

Die Unsicherheit rund um den Iran-Krieg hat dem deutschen Aktienmarkt am Dienstag weiter zu schaffen gemacht. Der Großteil der Marktteilnehmer hielt sich zurück und positionierte sich an der Seitenlinie. Der Dax schloss 0,07 Prozent tiefer bei 22.636 Punkten. In der zweiten deutschen Börsenliga verlor der MDax 0,37 Prozent auf 28.125 Zähler.
Am Montag war der Dax zunächst unter die Marke von 22.000 Punkten abgesackt, auf ein Tief seit etwa elf Monaten, bevor US-Präsident Donald Trump Hoffnung auf ein mögliches Abkommen mit dem Iran gemacht hatte. Die Nachrichtenlage bleibt seitdem aber verworren und der Preis für ein Fass der Nordsee-Ölsorte Brent verharrte klar über der Marke von 100 US-Dollar. Geprägt vom Iran-Krieg hat sich die Stimmung in den Unternehmen der Eurozone im März verschlechtert.
Nachdem Trump ein Ultimatum für Angriffe auf iranische Energieanlagen verlängert hatte, brachte Börsenbrief-Autor Hans Bernecker wieder einmal den sogenannten "TACO-Trade" ins Spiel, der für "Trump Always Chickens Out" steht und die Erwartung ausdrückt, dass der US-Präsident bei seinen Ankündigungen immer wieder Rückzieher macht. Wegen der Wankelmütigkeit Trumps stellt Bernecker aber ein großes Fragezeichen dahinter, ob ein baldiges Kriegsende im Iran realistisch ist.
SAP und Bayer gehören zu den Verlierern des Tages
Zur Belastung für den Dax wurden die vier Prozent tieferen SAP-Aktien. Nachdem die US-Bank JPMorgan ihr bisher optimistisches Votum für das Index-Schwergewicht aufgegeben hat, erreichten die Aktien ein Tief seit Januar 2024. Analyst Toby Ogg argumentierte, das Bild einer erwarteten Wachstumsbeschleunigung und Margenexpansion habe sich bei SAP geändert.
Auch die Bayer-Aktien waren mit knapp zwei Prozent unter den großen Dax-Verlierern. Wie die Nachrichtenagentur Bloomberg berichtete, hat die 2023 eingestiegene Beteiligungsgesellschaft Inclusive Capital Partners des aktivistischen Investors Jeffrey Ubben ein Aktienpaket des Pharmakonzerns verkauft. Dabei wurde ein 25-prozentiger Abschlag zu dem Preis hingenommen, der Anfang 2023 bei der Bekanntgabe der Beteiligung bezahlt wurde.
Vor dem Hintergrund der Unsicherheit im Zuge des Nahost-Konflikts sorgte die Deutsche Bank im Chemiesektor für Bewegung mit einer Reihe an Umstufungen. Dazu zählt, dass Analystin Virginie Boucher-Ferte in BASF und Brenntag letztlich Profiteure des Krieges sieht, die sie nun zum Kauf empfiehlt. Beide Aktien gehörten mit einer Erholung um vier bzw. sieben Prozent zu den Spitzenwerten im Dax.
Ohne eine Hochstufung der Deutschen Bank setzten aus dem Chemiesektor die Lanxess-Aktien ihre Erholung um 9,6 Prozent fort. Ein Börsianer verwies darauf, dass zuletzt vermehrt Anleger bei dem Spezialchemiekonzern auf fallende Kurse gesetzt hätten. Neuerdings wieder anziehende Kurse könnten auf die Schließung solcher Positionen hindeuten, hieß es.
Im Nebenwertebereich gab es am Dienstag Zahlen von Nagarro, Indus Holding und Drägerwerk auszuwerten. Auffällig waren letztere Aktien: Indus-Titel profitierten mit 1,3 Prozent Plus von einer angehobenen Dividende. Drägerwerk stiegen um 5,4 Prozent, nachdem das Analysehaus MWB wegen "starker Zahlen" eine Kaufempfehlung aussprach.
Etwa sechs Prozent große Kursgewinne gab es beim Prothesenhersteller Ottobock. Die Titel setzten ihre Erholung nach einer Kaufempfehlung der UBS fort. Analyst Graham Doyle schrieb in seiner Studie, dass er nach dem massiven Kursrutsch inzwischen ein klares Chancen-Übergewicht sieht.
Goldpreis fällt weiter
Bis zum Abend verlor der Goldpreis 0,5 Prozent an Wert. Damit kostet die Feinunze (31,1 Gramm) 4.412 Dollar. Am Morgen fielen die Verluste noch deutlicher aus, konnten im Verlauf des Tages aber wieder teilweise aufgeholt werden. Auf Monatssicht hat Gold etwa 15 Prozent an Wert eingebüßt.
Der Silberkurs konnte am Dienstag leicht zulegen. Bis zum Abend stieg der Silberpreis um etwa 0,2 Prozent auf 69,72 Dollar je Feinunze. Dennoch liegt der Kurs noch nahe dem Tief von Anfang Februar, das bei 67,10 Dollar lag.
(mit Material von dpa-AFX)
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