Regierung plant 12 Gigawatt zusätzliche Windkraft mit neuen Regeln
- von Holger Hansen
Berlin, 25. Mrz (Reuters) - Die Bundesregierung will den Ausbau der Windkraft an Land um zusätzliche zwölf Gigawatt beschleunigen, die Vergabe aber an neue Regeln für den Netzanschluss knüpfen. Die zusätzlichen Mengen sollen über die anstehenden Gebotstermine verteilt und im Rahmen der EEG-Novelle 2027 auf die Ausschreibungsmengen aufgeschlagen werden. Dies geht aus dem Reuters vorliegenden Klimaschutzprogramm der Bundesregierung hervor, das am Mittwoch vom Kabinett beschlossen wurde.
Die Vergabe soll demnach an neue netz- und systemdienliche Vorgaben geknüpft sein. Genannt werden ein Netzanschlusspaket, neue Anschlussverfahren sowie eine stärkere regionale Steuerung, um Windkraft- und Netzausbau besser zu synchronisieren und einen Anstieg der Redispatchkosten zu begrenzen. "Ziel der Bundesregierung ist es damit, die eingespeiste Menge erneuerbarer Energien zu steigern und einen Anstieg der Redispatchkosten zu reduzieren", heißt es in dem Programm. Dazu sei die "Ausweisung von befristeten Engpassgebieten" geplant.
Bislang hat sich die Bundesregierung nicht auf neue Regeln für den Netzanschluss verständigt. Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) hatte vorige Woche ihren Entwurf für ein Netzpaket an das Kanzleramt zur Abstimmung geschickt. In der Windbranche stoßen ihre Überlegungen auf scharfe Kritik.
Reiche zufolge sollen neue Anlagen in Engpassbereichen das finanzielle Risiko tragen, wenn sie ihren Strom wegen einer Überlastung der Netze nicht einspeisen können. Bisher werden sie dafür über die Redispatchkosten entschädigt. Im Entwurf des Klimaprogramms wird der Punkt nicht explizit genannt. Die genaue Ausgestaltung solle erst im Netzpaket erfolgen, heißt es dort.
Mit der zusätzlichen Ausschreibung von Windrädern will die Regierung das im Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) verankerte Ziel von 115 Gigawatt Leistung an Land bis 2030 absichern. Die zusätzlichen Windmengen sollen so verteilt werden, dass die neuen Anlagen noch rechtzeitig bis 2030 ans Netz gehen. Zudem soll das sogenannte Referenzertragsmodell weiterentwickelt werden, damit der Ausbau regional ausgewogener erfolgt und insbesondere Süddeutschland stärker zum Zuge kommt.
Die Regierung geht davon aus, dass wegen der hohen Zahl an Genehmigungen genügend Projekte für die zusätzlichen Ausschreibungen zur Verfügung stehen.
(Bericht von Holger Hansen, redigiert von Sabine Ehrhardt. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)



