Öl, Krieg und KI-Angst: Die Märkte im ersten Quartal 2026
Der Irankrieg hat die Märkte durcheinandergewirbelt – allen voran den Ölpreis. Gleichzeitig erleben Anleger einen Mix aus Rekorden bei Edelmetallen, Schwäche bei Kryptowährungen und wachsender KI-Angst. Warum Prognosen aktuell kaum möglich sind und worauf Investoren jetzt achten sollten.
Heiko Böhmer

Ein denkwürdiges Quartal geht zu Ende. Zuletzt fühlte es sich einmal mehr so an, wie es wohl Lenin so passend umschrieben hatte: „Es gibt Jahrzehnte, in denen nichts passiert und dann wieder Wochen, in denen Jahrzehnte passieren.“ Vor allem US-Präsident Trump hat auch 2026 die Märkte wieder in Atem gehalten – vielleicht aber auch nicht so stark wie zwischenzeitlich zu erwarten war. Der Beginn des Iran-Kriegs hat massive Verschiebungen gebracht. Der Ölpreis rückte über Nacht in den Fokus. Jeder von uns konnte die Fieberkurve des Krieges an den Tankstellen ablesen.
Das ist auch der wichtigste Punkt beim Blick auf die weitere Entwicklung in diesem Jahr. Wohin geht’s mit dem Ölpreis? Tatsächlich trauen sich die Experten keine Prognosen mehr zu. Die Lage ist dafür einfach viel zu dynamisch. Vielmehr geht es jetzt um Szenarien im Angesicht des Krieges.
Folgen des Irankriegs: Nicht nur der Ölpreis betroffen
Sollte eine rasche Entspannung kommen, dann halten es die Experten von Bloomberg Economics für möglich, dass bis zum Jahresende der Ölpreis wieder in den Bereich um 70 Dollar pro Barrel fällt. Für das zweite Quartal sind dann Durchschnittspreise von 80 Dollar zu erwarten. Das hieße eine klare Entspannung an der Zapfsäule.
Genau das möchte vor allem auch US-Präsident Trump. Ihm sitzen die Midterm-Wahlen im Nacken. Da kann er keine schlechte Stimmung der US-Autofahrer gebrauchen. Dass er mit dem Iran-Krieg erst den deutlichen Preisanstieg ausgelöst hat, ist fast schon eine schöne Pointe der Story. Vielleicht können wir alle im Jahresverlauf darüber lachen – sollte es tatsächlich zu einem Ende des Krieges kommen.
Sollte durch die Straße von Hormus der Schiffsverkehr aber weiterhin stark eingeschränkt bleiben, dürfte das den Ölpreis weiter über die Marke von 100 Dollar treiben. Dieser Preisdruck wäre auf Sicht der kommenden Quartale negativ für die Wirtschaftsentwicklung - sowohl in den USA aber ganz besonders natürlich auch für uns in Deutschland.
Nun hatte das erste Quartal noch sehr viel mehr zu bieten: Gold und Silber erlebten im Januar einen wahren Rausch mit neuen Rekordständen: Zwischenzeitlich kostete die Feinunze Gold mehr als 5.000 Dollar und Silber schoss bis auf 120 Dollar pro Feinunze nach oben.
Gleichzeitig rauschten die Kryptowährungen massiv nach unten: Bitcoin beendet das erste Quartal mir einem Verlust von -22 Prozent. Immerhin brachten die vergangenen Wochen eine gewisse Beruhigung im Bereich um 70.000 Dollar.
FOBO drückte Softwareaktien nach unten
Und dann war da noch der Absturz der Software-Aktien – ausgelöst durch das KI-Narrativ, dass die immer leistungsfähigeren Anwendungen der KI-Tools schon bald viele etablierte Softwarelösungen obsolet machen würde. Die Abkürzung FOBO machte in diesem Zusammenhang die Runde – „The Fear of being obsolet“. Als die Angst nicht mehr benötigt zu werden.
Meiner Einschätzung nach sind hier viele Prognosen schon massiv über das Ziel hinausgeschossen. KI mag die Antwort auf viele Fragen sein. Aber sicherlich werden nicht nahezu alle maßgeblichen Softwareanwendungen in den kommenden Jahren verschwinden und von KI einfach aufgefressen werden.
Wie so oft gilt auch hier: Investoren sollten jetzt genau prüfen, welche Geschäftsmodelle leicht zu kopieren sind und welche Geschäftsmodelle auch noch in fünf oder zehn Jahren ihren wirtschaftlichen Wettbewerbsvorteil verteidigen können. Vielleicht ist es aktuell gar keine so schlechte Idee, eher Werte ins Portfolio zu nehmen, bei denen wenig KI-Angst herrscht. Da kann man auch ein weiteres turbulentes Quartal ein wenig entspannter überstehen.



