Buffett-Abschied: Greg Abel beginnt neue Berkshire-Ära
Die erste Berkshire-Hauptversammlung ohne Warren Buffett rückt Nachfolger Greg Abel in den Fokus. Entscheidend wird sein, ob er die bewährte Strategie fortführt.
Heiko Böhmer

In wenigen Wochen ist es wieder so weit: Omaha ruft. Am 2. Mai 2026 findet die Hauptversammlung von Berkshire Hathaway statt – und sie wird eine Zäsur markieren. Es ist die erste Hauptversammlung ohne Warren Buffett auf der Bühne.
Buffett ist 95 Jahre alt. Im vergangenen Jahr hat der legendäre Investor angekündigt, sich aus dem operativen Geschäft der Investmentgesellschaft zurückzuziehen. Und nun steht fest: Er wird auch keine aktive Rolle mehr bei der Hauptversammlung spielen. Das offizielle Programm liegt vor. Sein Name steht nicht mehr auf der Agenda als Redner.
Buffetts Vermächtnis – und die Frage nach Abel
Für viele Investoren weltweit ist das mehr als nur eine formale Veränderung. Die Hauptversammlung in Omaha war jahrzehntelang das Herzstück der Value-Investmentwelt. Sie war keine gewöhnliche Aktionärsversammlung. Sie war Kapitalmarktschule, Philosophiestunde und Wirtschaftsanalyse in einem. Zehntausende Aktionäre pilgerten jedes Jahr nach Nebraska – nicht wegen der Abstimmungspunkte. Sondern wegen der Fragerunde.
Diese Fragerunde beginnt traditionell am Samstagmorgen gegen neun Uhr. Wer einen guten Platz wollte, musste früh da sein. Sehr früh. Die Türen öffnen um sieben. Wer dann erst kommt, steht bereits in einer Schlange, die sich um die Arena windet. Ab halb sechs morgens wird es richtig voll. Amerikanische Geduld trifft Investmentbegeisterung.
Ich war in den vergangenen Jahren oft vor Ort. Und eines kann ich sagen: Diese Stimmung lässt sich nicht mit einer deutschen Hauptversammlung vergleichen. Natürlich gibt es eine Tagesordnung. Natürlich ist es ein formeller Akt. Aber der formelle Teil steht im Hintergrund. Im Vordergrund stehen die Fragen – und die Antworten. Die große Frage in diesem Jahr lautet: Werden die Menschen auch für Greg Abel so früh aufstehen?
Greg Abel ist der designierte Nachfolger. Er sitzt seit Jahren mit auf der Bühne, ist aber kein Showman. Keine schillernde Figur wie Buffett. Aber er ist operativ tief im Unternehmen verankert. Im vergangenen Jahr hat man bereits gesehen, dass er zunehmend souveräner auftritt. Mehr Persönlichkeit, mehr Klarheit, mehr eigene Akzente.
Auf dem Titelblatt des Programms stehen in diesem Jahr beide Gesichter nebeneinander: Buffett und Abel. Das Signal ist klar: Kontinuität. Stabilität. Kein Bruch in der Geschäftspolitik. Und genau das wird der zentrale Punkt auch für den Aktienmarkt sein, wenn es um die Berkshire-Aktie geht.
Was bedeutet der Führungswechsel für die Berkshire-Aktie?
Berkshire Hathaway ist kein normales Unternehmen. Es ist ein Konglomerat mit operativer Vielfalt: Versicherungen, Eisenbahnen, Energie, Industrie, Konsumgüter – und ein gigantisches Aktienportfolio. Apple bleibt eine der größten Beteiligungen. Dazu kommen zahlreiche Beteiligungen an Banken, Industriewerten und Konsumunternehmen. Der Kapitalmarkt wird sehr genau darauf schauen, wie Abel die Rolle ausfüllt. Nicht rhetorisch – sondern strategisch.
Bleibt die konservative Kapitalallokation? Wie geht Abel mit dem enormen Cashbestand um? Kommt es zu größeren Akquisitionen? Wie sieht die Positionierung in einem Umfeld aus, das von geopolitischen Spannungen, höheren Rohstoffpreisen und struktureller Unsicherheit geprägt ist? Buffett war immer klar: Disziplin vor Aktionismus. Diese DNA muss erhalten bleiben.
Mehr operatives Geschäft auf der Bühne
Interessant ist auch der veränderte Ablauf der Hauptversammlung. Nach der Mittagspause werden stärker als früher operative Manager eingebunden. Unter anderem Vertreter zentraler Tochtergesellschaften.
Das deutet auf eine inhaltliche Verschiebung hin: Weniger Investmentphilosophie, mehr operative Transparenz. Für langfristige Aktionäre ist das kein Nachteil. Im Gegenteil. Berkshire war immer dann besonders stark, wenn die operativen Einheiten solide und effizient geführt wurden. Versicherungsprämien, Eisenbahnvolumen, Energieprojekte – das sind die realen Cashflow-Treiber.
Gerade in einem Umfeld, in dem viele Technologie- und Wachstumswerte zuletzt unter Druck standen, wirkt Berkshire mit seinem breit diversifizierten Geschäftsmodell wie ein Stabilitätsanker.
Für mich persönlich bleibt Omaha ein Fixpunkt im Kalender. Ich werde wieder vor Ort sein. Ich werde mir anhören, wie Greg Abel die Rolle ausfüllt. Ich werde beobachten, wie die Aktionäre reagieren. Und ich werde berichten – auch an dieser Stelle. Denn diese Hauptversammlung ist ein Stimmungsbarometer für die Value-Welt. Für langfristiges Denken. Für disziplinierte Kapitalallokation.
Wenn du eine bestimmte Aktie oder anderes Wertpapier im Auge behalten willst: Füge sie zu deiner Watchlist hinzu und du kannst in der onvista-App automatisch Alarme erhalten, wenn sich der Kurs stark bewegt.








