Waffenstillstand in Nahost

So schätzen Anlageprofis die Iran-Einigung ein

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Der Iran und die USA haben sich auf eine Feuerpause verständigt, alle großen Anlageklassen notieren heute im Plus. Wir stellen dir zusammen, wie Anlageprofis die Lage jetzt bewerten.

Georg Buschmann

Redaktionsleiter
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Ein Börsenhändler analysiert Daten.
Quelle: Adobe.com/insta_photos

Es ist vollbracht. Nach zahlreichen Drohungen und Ultimaten haben sich die USA und der Iran heute Nacht auf eine zweiwöchige Feuerpause geeinigt. Bedingung dafür ist die Wiederöffnung der für den internationalen Energiemarkt so wichtigen Straße von Hormus. Der Wasserweg war seit Beginn des Krieges am 28. Februar kaum noch passierbar gewesen. Der Engpass hatte die Ölpreise stark steigen lassen und Angst vor höherer Inflation geschürt. 

Die ist nun am Markt deutlich gewichen. Die Ölpreise fielen in der Nacht zweistellig. Im Gegenzug stiegen die Kurse von Wertpapieren wie Aktien und Anleihen stark an. Der deutsche Leitindex Dax notierte im frühen Handel zeitweise über fünf Prozent im Plus. Auch die Kurse von Bundesanleihen, gemessen am Terminkontrakt Bund-Future, zogen mit anderthalb Prozent – relativ für den trägen Anleihemarkt – stark an. 

Wie aber sehen die längerfristigen Auswirkungen aus? Wir stellen dir hier die Reaktionen von Anlagestrategen und Profi-Anlegern zusammen. 

Kurzfristige Auswirkungen: Erleichterungs-Rally 

Stephen Dover, Chef-Marktstratege beim US-Vermögensverwalter Franklin Templeton, sieht die kurzfristig positiven Reaktionen als gerechtfertigt an: "Niedrigere Energiekosten entlasten Verbraucher und Unternehmensmargen, wovon insbesondere Transportunternehmen, Fluggesellschaften, Industrieunternehmen und zinssensitive Wachstumsaktien profitieren", sagt er. Der Markt baue gerade eine Kriegsprämie – also einen Bewertungsabschlag aufgrund des Konflikts – ab. 

Gleichzeitig gibt er zu bedenken: "Der Waffenstillstand ist vorübergehend und hängt davon ab, dass die Straße von Hormus wieder geöffnet wird und offen bleibt." Der Iran habe die erzielte Einigung als Verhandlungspause und nicht als Lösung dargestellt. Die Botschaft laute "weniger schlimm" und nicht: "Problem gelöst". 

Wie es mit der Straße von Hormus weitergeht, hält auch Jim Reid, der Chef des Makro-Research bei der Deutschen Bank, für essenziell. "Die wichtigste Frage für die Märkte wird sein, in welchem Ausmaß der Schiffsverkehr in der Straße in den kommenden Tagen wieder anläuft", so Reid in einer ersten Einschätzung. 

Langfristige Auswirkungen: Inflation könnte erhöht bleiben

Gleichwohl ist nach mehr als einem Monat Krieg im Iran auch ein Schaden entstanden, der durch den Waffenstillstand nicht sofort zu beheben ist. "Die Energieinfrastruktur im gesamten Golf ist getroffen worden, und die Wiederherstellung der vollen Produktionskapazität wird Zeit brauchen", so Franklin-Templeton-Experte Dover. 

Eine Normalisierung des Angebots werde nicht sofort erfolgen. "Das bedeutet, dass die Preise für Öl, Erdgas und Düngemittel wahrscheinlich nicht schnell auf das Vorkriegsniveau zurückfallen werden." Die Inflation dürfte also zumindest erhöht bleiben – und damit eine Belastung für die Anlagemärkte.

Was im Depot zu tun ist

Auch beim Kölner Vermögensverwalter Flossbach von Storch sind die Auswirkungen des Irankriegs natürlich großes Thema. Im heute veröffentlichen (und noch vor der Iran-Einigung geschriebenen) Kapitalmarktbericht des Unternehmens äußern sich die Anlagestrategen Bert Flossbach und Tobias Schafföner auch dazu, welchen Anlagen sie im aktuellen Umfeld Chancen zutrauen. 

Vor allem bei Aktien seien die Bewertungen inzwischen attraktiv. "In den vergangenen Monaten haben nicht wenige Aktien von Unternehmen mit nachhaltiger Ertragsstärke erheblich gelitten, weil kurzfristige Enttäuschung fortgeschrieben und das Kind mit dem Bade ausgeschüttet wurde." Die daraus resultierenden niedrigen Bewertungen reduzierten die Fallhöhe und böten Potenzial für eine Erholung.

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Gold habe zuletzt unter seiner Funktion als Liquiditätsgarant gelitten. Anleger hätten also in der Krise auch Gold verkauft, um sich Liquidität zu beschaffen. Aber: "Die geopolitischen Unsicherheiten, die steigende Staatsverschuldung und eine schwächere Wirtschaft bei moderat steigender Inflation machen Gold zu einem langfristigen Stabilitätsanker und sinnvollen Baustein für ein gut diversifiziertes Vermögen." Alles Punkte also, die auch nach dem Waffenstillstand im Iran Gültigkeit besitzen. 

Mit Blick auf die jetzt erreichte Einigung zwischen Iran und den USA resümiert Dover von Franklin Templeton: "Noch ist es zu früh, um einen Sieg zu verkünden." Die richtige Sichtweise laute: "Zunächst eine Erholungsrally, später möglicherweise eine Neubewertung." Anleger sollten sich auf Echtzeit-Indikatoren konzentrieren. "Unserer Ansicht nach werden die Rohölpreise, der Tankerverkehr und die Transportbedingungen mehr Aufschluss geben als politische Schlagzeilen."

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