Dax rutscht nach Erholungsrally deutlich ab – SAP büßt deutlich ein

Nach der Erholungsrally zur Wochenmitte ist der Dax am Donnerstag erneut unter Druck geraten. Für Verunsicherung sorgten die wieder gestiegenen Ölpreise, denn die gerade erst zwischen den USA und dem Iran vereinbarte Waffenruhe erscheint brüchig.
Der deutsche Leitindex rutschte um 1,14 Prozent auf 23.806 Punkte ab. Tags zuvor hatte das Börsenbarometer nach der vereinbarten Waffenruhe im Iran-Krieg den größten prozentualen Tagesgewinn seit 2022 eingefahren. Nach dem Handel am Donnerstag rangiert der Leitindex damit aber immer noch rund 900 Punkte über dem Niveau vor der am Dienstag verkündeten Waffenruhe. Der MDax mit den mittelgroßen deutschen Werten verlor am Donnerstag 0,8 Prozent auf 30.052 Zähler.
Geopolitische Spannungen – Märkte etwas stabiler
Die USA müssten sich entscheiden - "entweder Waffenruhe oder Fortsetzung des Krieges via Israel. Sie können nicht beides haben", schrieb Irans Außenminister Abbas Araghtschi auf der Plattform X mit Verweis auf Israels verheerende Luftangriffe im Libanon. US-Präsident Donald Trump drohte dem Iran ebenfalls mit einer neuen militärischen Eskalation, falls es nicht zu einem umfassenden Abkommen kommen sollte.
Jim Reid von der Deutschen Bank zeigte sich gleichwohl verhalten optimistisch: "Im Vergleich zu vor 24 Stunden hat der Stress an den Finanzmärkten deutlich nachgelassen", hatte der Stratege am Morgen konstatiert. Unter dem Strich hätten die Sorgen über einen "stagflationären Schock" - eine schwächere Konjunktur bei gleichzeitig steigenden Preisen - nachgelassen.
KI-Wandel drückt auf SAP-Aktie
Am Dax-Ende sackte die Aktie von SAP um etwa 7,3 Prozent ab. Damit erwies sich der Kurssprung am Vortag als Strohfeuer. Die Softwarebranche leidet besonders unter den Anlegersorgen vor einer Verdrängung durch den Einsatz Künstlicher Intelligenz.
Konzernchef Christian Klein habe den Markt in einem Interview in der "Financial Times" auf "kurzfristige Schmerzen" eingestellt, schrieb Analyst Toby Ogg am Donnerstag. KI ersetze Unternehmenssoftware zwar nicht, zwinge die Unternehmen aber, deutlich mehr zu tun. Klein habe einen Vergleich gezogen zwischen dem aktuellen Wandel durch KI und der Wanderung in die Cloud vor sechs Jahren. Auch damals habe man zunächst geringere Margen hinnehmen müssen.
Ogg sieht Kleins Aussagen als weiteren Beleg für die Veränderungen am Geschäftsmodell der Walldorfer, die zunächst mit größeren Schwankungen einhergehen dürften. Ogg hält dies aber für den richtigen Weg, um langfristig relevant zu bleiben.
Ölpreis und Streik belasten Lufthansa-Aktie
Im MDax bekamen die Papiere von Lufthansa wieder die geopolitische Unsicherheit und den höheren Ölpreis zu spüren, der das Kerosin teurer macht. Die Anteilscheine büßten 3,2 Prozent ein.
Als Belastung hinzukam, dass die Flugbegleiter des Konzerns für Freitag zu einem Streik aufgerufen sind. In dem Konflikt geht es um die Tarifverhandlungen zum Manteltarif bei der Lufthansa und nach Angaben der Gewerkschaft Ufo um eine fehlende Bereitschaft des Unternehmens, bei der Regionaltochter Cityline über einen Sozialtarifvertrag zu verhandeln. Die Lufthansa will mit zahlreichen Maßnahmen dem geplanten Flugbegleiter-Streik entgegenwirken.
(mit Material von dpa-AFX)
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