So reagieren die Märkte
Die Verhandlungen über einen Frieden zwischen den USA und dem Iran sind am Wochenende vorerst gescheitert. Die Marktreaktionen fallen am Montag relativ verhalten aus – mit einer Ausnahme.
Georg Buschmann

US-Vizepräsident James David Vance machte es am Sonntag in einem Presse-Statement offiziell: Die USA und der Iran haben bei Verhandlungen in Pakistan keine Vereinbarung erreicht. "Das sind für den Iran viel mehr schlechte Nachrichten als für die USA", so Vance in seinem Statement.
Die Mitte der vergangenen Woche vereinbarte zweiwöchige Waffenruhe zwischen dem Iran auf der einen und den USA und Israel auf der anderen Seite hat damit noch nicht zu einem stabilen Frieden geführt. An den Kapitalmärkten hatte die Waffenruhe dennoch für starke Kursanstiege gesorgt; der deutsche Leitindex Dax beispielsweise war am Mittwoch mit einem Plus von gut fünf Prozent aus dem Handel gegangen und über die Marke von 24.000 Punkten gestiegen.
Zu Beginn der neuen Woche macht sich nun Enttäuschung breit – allerdings eher verhalten. Der Dax eröffnete Montag rund ein Prozent unter seinem Freitags-Schlusskurs. Etwa die Hälfte der Erholungsgewinne nach der Verkündung der Waffenruhe hat der Index damit wieder abgegeben. Dennoch steht der Index noch gut 600 Punkte oberhalb des Standes von vor der Waffenruhe.
Anleihen zurück auf Niveau von vor Beginn der Waffenruhe
Anders ist es bei Anleihen. Hier waren die Renditen bei zehnjährigen Bundesanleihen bis zur Verkündung der Waffenruhe auf 3,1 Prozent gestiegen. Hintergrund ist, dass der Irankrieg die Inflation treibt und Anleihen dann mehr Rendite abwerfen müssen, damit Marktteilnehmer noch investieren.
Im Gegenzug müssen die Kurse von Anleihen fallen. Abzulesen ist das etwa am Terminkontrakt Bund-Future, der die Wertentwicklung einer fiktiven Bundesanleihe mit zehn Jahren Laufzeit abbildet. Er stieg nach Bekanntgabe der Waffenruhe um zwei Prozentpunkte von 124,7 auf 126,7.
Dieser Zugewinn war heute Morgen, nach dem vorläufigen Scheitern der Verhandlungen, zumindest kurzzeitig wieder komplett weg (siehe Chart oben), die Renditen zurück bei 3,1 Prozent. Die Teilnehmer am Anleihemarkt scheinen den Fortgang der Friedensverhandlungen also zumindest skeptischer zu sehen als jene am Aktienmarkt – oder anderen Märkten.
Gold und Bitcoin verlieren nur moderat
Denn auch Gold und Bitcoin haben die Erholungsgewinne der vergangenen Woche nur teilweise abgegeben. Der Kurs von Bitcoin verlor am Wochenende unmittelbar nach dem Statement von US-Vizepräsident Vance zwei Prozent, hält sich mit mehr als 70.000 Dollar je Bitcoin aber weiterhin deutlich über dem Tief der vergangenen Woche von 67.706 Dollar.
Ähnlich sieht es beim Goldpreis aus. Der Kurs des Edelmetalls gab nach dem Scheitern der Verhandlungen zwar ein halbes Prozent nach; grenzte die Verluste aber danach ein und notiert mit mehr als 4.700 Dollar weiterhin oberhalb einer wichtigen Chartmarke.
Ölpreise wieder über 100 Dollar je Barrel
Klar im Plus notieren am Montag natürlich die Ölpreise. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent kostete mit 102,30 Dollar acht Prozent mehr als vor dem Wochenende und erstmals seit der angekündigten Waffenruhe wieder mehr als 100 Dollar.
Die Ölpreise sind zusätzlich betroffen, weil US-Präsident Donald Trump am Sonntag eine Blockade der für den weltweiten Öltransport wichtigen Straße von Hormus angekündigt hat. Schiffe, die iranische Häfen ansteuern oder verlassen wollen, sollen von der US-Marine blockiert werden.
"Das hat Ängste vor einem stagflationären Schock wiederbelebt", kommentierte Jim Reid von der Deutschen Bank in einer ersten Reaktion. "Stagflation" meint die Kombination aus einer stagnierenden Wirtschaft bei gleichzeitig hoher Inflation. Käme es tatsächlich zu einer länger anhaltenden Blockade der Straße von Hormus mit dauerhaft hohen Ölpreisen, wären wohl alle Anlageklassen negativ betroffen – und die moderaten Kursverluste am Montag noch nicht das Ende der Geschichte.



