Merz: Weniger Fliegen ist für Wirtschaftsstandort Deutschland keine Option
Berlin, 15. Apr (Reuters) - Deutschland soll sich nach Angaben von Bundeskanzler Friedrich Merz auf einen wachsenden Flugverkehr einstellen. "Weniger fliegen ... ist keine Option für den Wirtschaftsstandort Deutschland", sagte der CDU-Vorsitzende am Mittwoch auf der Feier zum 100. Geburtstag der Lufthansa. Die Luftfahrtbranche sei eine Wachstumsbranche und werde dies auch in Zukunft bleiben. "Seriöse Prognosen gehen davon aus, dass sich der Luftverkehr weltweit bis 2050 erneut verdoppelt. Darauf müssen wir uns einstellen und dafür müssen wir Bedingungen schaffen, um an diesem Wachstum teilzunehmen", sagte der Kanzler.
Merz fügte in Anspielung auf den Ausstoß an Treibhausgas durch den Flugverkehr hinzu, dass man angesichts des Wachstums "nachhaltige, klimaschonende Technologien" brauche. Zudem seien Reformen, niedrigere Kosten und höhere Wettbewerbsfähigkeit nötig. Dies betreffe die Energie-, Sozial-, Steuer- und Arbeitsmarktpolitik. Auf die derzeit laufenden Streiks bei der Lufthansa ging er nicht ein.
Der Kanzler warnte zudem vor populistischen oder gar autoritären politischen Tendenzen. "Das Wichtigste für uns alle ist, dass wir auch in Zukunft in einer offenen, freiheitlichen, demokratischen Gesellschaft leben. Das ist die größte Herausforderung, vor der wir gegenwärtig stehen", sagte er. "Illiberale Demokratie ist ebenfalls keine Option." Er verwies auf die Parlamentswahlen in Ungarn, bei denen der autoritär regierende Ministerpräsident Viktor Orban nach 16 Jahren Amtszeit abgewählt worden war. "Den Verlockungen des politischen Populismus zu folgen, ist die schlechteste Variante unter allen diskutierten wirtschaftspolitischen und standortpolitischen Alternativen für unser Land."
(Bericht von Andreas Rinke; redigiert von Kerstin Dörr. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)
