
Nach der jüngsten Entspannung am Rohölmarkt lässt die Furcht vor Versorgungsengpässen im Nahen Osten die Ölpreise wieder leicht steigen. Die Nordseesorte Brent und die US-Sorte WTI ziehen zur Wochenmitte in der Spitze um gut ein Prozent auf bis zu 95,79 und 92,38 Dollar je Barrel an. Die Aussicht auf eine diplomatische Lösung im Konflikt zwischen den USA und dem Iran hält den Anstieg aber weiter im Zaum.
Der Markt gehe zwar davon aus, dass das Schlimmste überstanden sei, und preise weitere Gesprächsrunden zwischen den USA und dem Iran in den kommenden Tagen ein, sagte Suvro Sarkar, Energieexperte bei der DBS Bank. Zurzeit gebe es jedoch mehr Hoffnung als tatsächliche Entwicklungen. "Physisches Öl wird immer noch mit erheblichen Aufschlägen auf die Terminpreise gehandelt." Gespräche zur Beendigung des Krieges zwischen den USA, Israel und dem Iran könnten in den nächsten zwei Tagen in Pakistan wieder aufgenommen werden, sagte US-Präsident Donald Trump am Dienstag.
"Es scheint zum jetzigen Zeitpunkt ziemlich klar, dass keine der beiden Seiten eine weitere Eskalation der Situation aus militärischer Sicht anstrebt, und es wird auch immer deutlicher, dass die US-Blockade der Straße von Hormus ein Verhandlungsmanöver ist", sagte Michael Brown, Stratege beim Online-Broker Pepperstone. Die US-Streitkräfte setzten nach eigenen Angaben die Blockade iranischer Häfen mittlerweile vollständig durch.
"Die Wiederöffnung der Straße von Hormus liegt nicht allein in Trumps Hand", sagte SEB-Analyst Ole Hvalbye. "Der Iran hat seine eigenen Überlegungen, und das Regime könnte es als strategisch sinnvoll erachten, den Schiffsverkehr auch nach einem Friedensabkommen weiterhin einzuschränken – sei es, um Reparationszahlungen zu erzwingen, Sicherheit zu gewährleisten oder einfach, um den USA im Vorfeld der US-Zwischenwahlen im November politischen Schaden zuzufügen."
Das Rohöl-Angebot dürfte sich Analysten zufolge weiter verknappen. Die US-Regierung lässt eine Ausnahmeregelung für Sanktionen auf iranisches Öl im Laufe dieser Woche auslaufen, wie Reuters am Vortag von zwei mit dem Vorgang vertrauten Personen erfuhr. Eine ähnliche Ausnahmeregelung für russisches Öl sei stillschweigend bereits am Wochenende ausgelaufen. Investoren warten mit Spannung auf die offiziellen US-Lagerbestandsdaten im weiteren Tagesverlauf. Laut einer Reuters-Umfrage dürften die US-Rohölbestände in der vergangenen Woche leicht gestiegen sein, während die Lagerbestände an Destillaten und Benzin wahrscheinlich gesunken sind. Daten des Branchenverbands American Petroleum Institute (API) deuteten Händlern zufolge auf einen Anstieg der Rohölvorräte hin.




