Dax arbeitet sich nur mühsam nach oben - Iran-Sorgen bleiben

Reuters · Uhr
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Frankfurt, 16. Apr (Reuters) - Trotz ⁠möglicher Fortschritte bei den Bemühungen um eine Beendigung des Iran-Krieges bleiben die Dax-Anleger vorsichtig. Der deutsche Leitindex notierte am Donnerstag mit 24.141 Punkten nur leicht im Plus, der EuroStoxx50 rückte um 0,4 Prozent vor. "Die Märkte befinden sich aktuell im 'Standby-Modus'", resümierte Timo Emden von Emden Research. "Investoren warten ab, ob sich die Lage im Nahen Osten weiter beruhigt oder erneut eskaliert."

Nach mehr als der Hälfte einer zweiwöchigen Waffenruhe gibt es einem hochrangigen iranischen Vertreter zufolge weiterhin ‌große Meinungsverschiedenheiten zwischen den USA und dem Iran. Ein Besuch des pakistanischen Armeechefs Asim Munir in Teheran habe jedoch dazu beigetragen, die Differenzen in einigen Bereichen zu verringern. Weiterhin unklar ist allerdings, ob und wann eine zweite Verhandlungsrunde zwischen den USA und dem Iran ⁠stattfindet. Pakistan hatte am ⁠vergangenen Wochenende die ersten Friedensgespräche ausgerichtet. Diese waren jedoch gescheitert.

Anleger hofften nun auf eine Verlängerung der Waffenruhe und einen dauerhaften Frieden, sagte Thomas Altmann von QC Partners. Doch selbst ein Friedensschluss bedeute nicht die unmittelbare Rückkehr zum Vorkriegsstatus, warnte der Experte. "Hier werden gestörte Lieferketten, beschädigte und heruntergefahrene Förderanlagen und hohe Energiekosten noch lange für Belastungen sorgen."

WANN WIRD DIE STRAßE von HORMUS WIEDER GEÖFFNET?

Der Krieg in Nahost hat zu der bislang größten Unterbrechung der weltweiten Öl- und Erdgasversorgung geführt, die Energiepreise zogen rasant an. Im Fokus steht vor allem die Straße von Hormus, eine ‌Meerenge, über die etwa 20 Prozent der weltweiten Öl- und Flüssiggasexporte abgewickelt werden. Der Schiffsverkehr ‌wird vom Iran blockiert, Hunderte Tanker und andere Schiffe sitzen im Golf fest. Nach den gescheiterten Friedensgesprächen hatten die USA zudem eine Blockade gegen Öltanker verhängt, die iranische Häfen verlassen. Am Donnerstag verteuerten sich das Nordseeöl Brent und das US-Öl WTI in der Spitze um knapp zwei Prozent auf 96,85 beziehungsweise ⁠93 Dollar je Fass. Nachrichten, wonach der Iran laut Insidern eine teilweise Öffnung der Straße von Hormus in Erwägung setzt, ließen die Anleger kalt. "Obwohl ‌Hoffnungen auf eine Deeskalation bestehen, bleiben viele Investoren skeptisch, da die Gespräche ⁠zwischen den USA und dem Iran immer wieder gescheitert sind, selbst nachdem sie scheinbar Fortschritte erzielt hatten", sagte Toshitaka Tazawa, Analyst bei Fujitomi Securities.

Auch bei den Industriemetallen hinterließ die angespannte Lage in Nahost ihre Spuren. In Erwartung eines deutlichen Angebotsdefizits stieg der Aluminiumpreis mit 3672 Dollar je Tonne auf den höchsten Stand seit März 2022. Der Preis ist seit Beginn des Krieges Ende ‌Februar um fast 17 Prozent nach oben geschnellt. Einige lokale Aluminiumhütten im ⁠Nahen Osten mussten ihre Produktion entweder reduzieren oder sind durch ⁠Angriffe beschädigt worden. Aus der Golfregion wurden im vergangenen Jahr rund neun Prozent des weltweiten Aluminiumbedarfs geliefert.

GERRESHEIMER ZÜNDEN KURSFEUERWERK

Auf der Unternehmensseite konnten im Dax die Aktien von Zalando mit einem Plus von mehr als drei Prozent punkten. Im Nebenwerte-Index MDax legten die Aktien der Online-Apotheke Redcare Pharmacy in der Spitze um 8,9 Prozent zu. Die Schweizer Online-Apotheke DocMorris sorgte nach einem deutlichen Umsatzanstieg im ersten Quartal für eine gute Branchenstimmung. Die DocMorris-Titel gewannen 9,4 Prozent.

Im Kleinwerte-Index SDax zündete Gerresheimer ein Kursfeuerwerk, die Titel gewannen bis zu 20,8 Prozent. Der angeschlagene Verpackungskonzern hat von seinen Banken und Schuldschein-Gläubigern mehr Zeit für die Lösung seiner Bilanzierungsprobleme bekommen. Die Papiere von Heidelberger Druck rutschten nach ihrer jüngsten Rally dagegen um mehr als neun Prozent ab. Der Druckmaschinenhersteller verfehlte im abgelaufenen Geschäftsjahr 2025/26 sein Ergebnisziel.

An der Londoner Börse musste ⁠EasyJet Federn lassen, die Aktien fielen zeitweise um 8,7 Prozent. Der britische Billigflieger rechnet wegen der stark gestiegenen Treibstoffkosten infolge des Nahost-Kriegs mit einem deutlich höheren Verlust.

(Bericht von: Daniela Pegna, redigiert von Christian Götz. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für ‌Unternehmen und Märkte).)

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