
Der Dax hat sich auch am Donnerstag stabil gezeigt. Anleger hoffen weiterhin auf eine neue Verhandlungsrunde zwischen den USA und dem Iran. Außerdem stützte der Rekordlauf in Japan und die gute Stimmung an den US-Börsen.
Nachdem der deutsche Leitindex am Dienstag die Marke von 24.000 Punkten zurückerobert hatte, beendete er den Tag mit plus 0,36 Prozent auf 24.154 Zählern. Dabei gelang es ihm auch, die viel beachte 200-Tage-Durchschnittslinie zu überwinden, die den längerfristigen Trend signalisiert. Für den MDax, den Index der mittelgroßen Börsenunternehmen, ging es um 0,17 Prozent auf 30.938 Punkte hoch.
"Während der Dax noch zögert, lässt wachsender Optimismus im Irankonflikt weltweite Aktien neue Rekordkurse erklimmen", kommentierte Marktanalyst Jochen Stanzl von der Consorsbank und sprach von einem typischen Börsengeschehen. Die Haltung der Anleger wandele sich von Angst in eine neutrale Haltung bis hin zu Gier. "Im Moment kaufen viele, um erst später Fragen zu stellen." Denn noch gibt es weder Fortschritte in den Verhandlungen noch irgendwelche greifbaren Ergebnisse. Die Ölpreise steigen zudem wieder leicht, wobei ein Fass der Sorte Brent aber immer noch etwas weniger als 100 US-Dollar kostet.
Rekordstände im US-Markt trotz ungelöstem Konflikt
"Die Hoffnung auf eine Verlängerung des Waffenstillstandes (zwischen dem Iran und den USA) treibt Anlegerinnen und Anleger in Aktien", kommentierte Portfoliomanager Thomas Altmann vom Vermögensverwalter QC Partners. Die Bestmarke des marktbreiten S&P 500 vom Vortag wertet er als Beleg, dass "der US-Aktienmarkt den Iran-Krieg hinter sich gelassen hat, bevor er wirklich vorbei ist". Auch das Tech-Barometer Nasdaq 100 stellte einen Rekord auf, ebenso am Donnerstag der japanische Nikkei 225.
Die aktuellen Bewertungen in New York beinhalteten allerdings "eine gehörige Portion Optimismus", was die negativen wirtschaftlichen Auswirkungen des Iran-Kriegs angehe, gab Altmann zu bedenken. Denn ein Friedensschluss wäre erst der "Startschuss für einen langen und steinigen Weg zurück zu geordneten und kalkulierbaren Energiemärkten".
Zudem bestätigte Vermittler Pakistan Spekulationen über schnelle weitere Verhandlungen zwischen dem Iran und den USA bislang nicht. Das Land habe "offene Gesprächskanäle mit den betroffenen Parteien aufrechterhalten", sagte ein Außenamtssprecher in Islamabad. Aus Diplomatenkreisen erfuhr die Deutsche Presse-Agentur, ein neuer Gesprächstermin zwischen den Kriegsparteien werde erst nach der Rückkehr des pakistanischen Premierministers Shehbaz Sharif von einer Reise zu mehreren anderen muslimischen Vermittlerstaaten am Samstag festgelegt.
Chipwerte schwächer – Online-Apotheken gefragt
Bei Aixtron stand nach dem gestrigen 20-prozentigen Kurssprung Gewinnmitnahmen von 3,12 Prozent zu Buche. Der Chipindustrie-Ausrüster, der die Anleger zur Wochenmitte mit einer Prognoseanhebung euphorisiert hatte, beschaffte sich mit Wandelschuldverschreibungen frisches Geld. Das Volumen liege wie zuvor angekündigt bei 450 Millionen Euro, teilte das Unternehmen mit. Zudem trennten sich einige Käufer der Wandelanleihe im Rahmen einer Platzierung der Aixtron-Aktie.
Im Nebenwerte-Index SDax fiel der Titel von Heidelberger Druck nach einer zweitägigen, von Rüstungsfantasie getriebenen Rally um 11,2 Prozent zurück. Der Druckmaschinenhersteller blieb laut vorläufigen Zahlen im abgelaufenen Geschäftsjahr mit der bereinigten operativen Marge hinter der eigenen Zielsetzung zurück. Die Margenschwäche ohne nennenswerte Umsatzeinbußen spreche für ein negativeres Preisumfeld, kommentierte Warburg-Analyst Stefan Augustin.
Derweil gaben klare Kursgewinne von DocMorris nach einem starken Umsatzwachstum der Schweizer Online-Apotheke im ersten Quartal auch deren deutscher Konkurrentin Redcare Pharmacy Auftrieb: Die Aktie gewannen an der MDax-Spitze 9,5 Prozent.
Die Online-Apotheke Redcare hatte bereits in der vergangenen Woche über ihre vorläufige Umsatzentwicklung berichtet und war ebenfalls für die solide Entwicklung von Analysten gelobt worden. So hatte Alexander Zienkowicz von MWB Research betont, dass die vorgelegten Zahlen zwar insgesamt ein strukturell wettbewerbsintensiveres Umfeld widergespiegelt hätten, aber "ohne den befürchteten Quantensprung durch neue Marktteilnehmer wie etwa die Drogeriekette DM".
(mit Material von dpa-AFX)
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