Maximilian Nagel

Satte 10,7 Prozent hat der S&P 500 in nur elf Tagen aufgeholt - und am Mittwochabend sogar noch ein neues Allzeithoch markiert. Bis auf 7.026 Punkte ging es nach oben. Eine solche Erholungsrally nach einem Schock sehen die Märkte selten.
Tatsächlich gab es bislang erst 15 solcher 11-Tages-Bewegungen in diesem Jahrhundert, wenn Überlappungen ausgeklammert werden. Während des Platzen der Dotcom-Blase beispielsweise stieg der S&P 500 sowohl im März 2000 als auch im April 2001 in zwei Fällen dicht aufeinanderfolgend derart stark. Auch während der Großen Finanzkrise und zu Beginn der Coronavirus-Pandemie gab es mehrere solcher Bewegungen.
Die aktuell laufende Erholung sei "nichts anderes als erstaunlich", sagt Jim Reid, Makrostratege bei der Deutschen Bank, mit Blick auf die Daten. Das Tempo sei sogar schneller als beim Aufschwung nach den "Liberation Day"-Zöllen von US-Präsident Donald Trump. Die Ankündigung harscher Einfuhrgebühren ließ die Märkte im April 2025 massiv einbrechen, ehe Trump die Zölle vorerst aufs Eis legte und so eine Erholungsbewegung auslöste.
2022 folgte auf die Erholung ein Bärenmarkt
Einen vergleichbaren Aufschwung habe es zuletzt im März 2022, erklärt Reid weiter, gut einen Monat nach der russischen Invasion der Ukraine. "Der nachfolgende Bärenmarkt überschattete diese Zeit, in der Hoffnungen auf eine Verhandlungslöse und robuste Wirtschaftsdaten eine kurze Rally anfachten", merkt der Stratege an.
Es gebe Parallelen zur aktuellen Lage, sagt Reid. "Risikoanlagen [wie Aktien, Anm. d. Red.] haussierten nach der Ankündigung des Waffenstillstands und der Friedensgespräche, welche Hoffnungen auf sinkende Ölpreise und ein mögliches Vermeiden eine stagflationären Schocks schürten." Zusätzlich wären Konjunkturdaten zuletzt unerwartet stark ausgefallen, wie etwa der größte Jobaufbau in den USA seit 15 Monaten.
Zudem habe sich der Markt genau so entwickelt, wie es das "geopolitische Playbook" vorschreibe, mit einer vollständigen Erholung sechs bis sieben Wochen nach einem geopolitischen Schock. Die Stimmung am Markt signalisiere weiter die Erwartung einer schnellen Lösung des Konflikts, wie Reid unter Verweis auf Wahrscheinlichkeiten bei Polymarket ergänzt.
Zugleich erinnert Reid daran, dass es auch historische Fälle gebe, in denen solche Hoffnungen enttäuscht wurden. "Die gescheiterten Friedensverhandlungen zwischen der Ukraine und Russland im März und April 2022 fungieren, trotz eines anfänglichen Optimismus, als Mahnung für die etwaigen Abwärtsrisiken."
Die Erholung deutscher Kurse wiederum ist auch noch nicht vollständig abgeschlossen. Nach Beginn der Kampfhandlungen Ende Februar sank der Dax bis auf zwischenzeitlich 21.864 Punkte ab. Von dort hat er ebenfalls wieder 10,7 Prozent hinzugewonnen, dennoch fehlen noch rund 1.000 Punkte bis zum Niveau von vor dem Krieg.




