Lufthansa reagiert mit hartem Schnitt auf Streiks

Reuters · Uhr
Artikel teilen:

- von Ilona ⁠Wissenbach - Frankfurt, 16. Apr (Reuters) - Die Lufthansa nimmt harte Einschnitte in den Flugbetrieb ihrer von Streiks überzogenen Kernmarke und der Tochter Cityline vor. Letztere soll ab Samstag den Betrieb mit ihren verbliebenen 27 Flugzeugen einstellen, "um weitere Verluste der defizitären Fluggesellschaft zu reduzieren". Angesichts rasant gestiegener Spritkosten kündigte die Lufthansa am Donnerstag zugleich an, die Flotte der Kernmarke schneller ‌umzubauen als geplant. Personalchef Michael Niggemann hatte die Gewerkschaften der Piloten (VC) und der Flugbegleiter (UFO) gewarnt: "Jeder Streik verkleinert die betroffenen Fluggesellschaften."

Die Gewerkschaften weiteten die Streiks auf die gesamte laufende Woche bis Freitag aus. Der ⁠festgefahrene Tarifstreit über ⁠betriebliche Altersvorsorge für die Cockpit-Beschäftigten und bessere Arbeitsbedingungen für das Kabinenpersonal eskaliert damit. Erst am Mittwoch hatten Proteste von Crew-Mitgliedern vor der Lufthansa-Zentrale in Frankfurt die 100-Jahr-Feier des Unternehmens mit Kanzler Friedrich Merz überschattet. UFO hatte den Festakt zum Anlass genommen, den Druck auf den Arbeitgeber in der Öffentlichkeit zu erhöhen.

UFO-Tarifexperte Harry Jaeger erklärte, die Gewerkschaft sei erschüttert und schockiert und sprach von Skrupellosigkeit. "Das ist offener Krieg gegen die eigenen ‌Leute", sagte Jaeger der Nachrichtenagentur Reuters.

SOZIALPLAN UND ANDERE JOBS

Finanzchef Till Streichert ‌begründete die beschleunigten Schritte nicht nur mit "Mehrbelastungen aus Arbeitskämpfen", sondern auch mit gestiegenen Kerosinkosten und der unsicheren Weltlage durch den Iran-Krieg. Obwohl die Lufthansa mit 80 Prozent für einen großen Teil ihres Kerosinbedarfs nicht die mehr als verdoppelten ⁠Preise zahlen muss, belastet demnach der verteuerte Rest.

Cityline sollte zuletzt Ende dieses Jahres eingestellt werden. Jetzt soll mit ‌den Betriebspartnern über einen Sozialplan für die rund 500 Piloten ⁠und 800 Flugbegleiter gesprochen werden. Mit UFO, die einen tariflichen Sozialplan gefordert hatte, will die Lufthansa demnach nicht sprechen. Für den Abschluss eines Sozialplans muss der Betrieb formell geschlossen werden.

"Die aktuelle Krise zwingt uns, diese Maßnahme nun früher umzusetzen", sagte Streichert. "Das ist insbesondere mit Blick auf die ‌Kolleginnen und Kollegen von Lufthansa CityLine ein schmerzhafter Schritt." ⁠Es sollen auch Möglichkeiten zur Weiterbeschäftigung im Konzern ⁠gefunden werden. "Das Ziel bleibt bestehen, Crews der Lufthansa CityLine Optionen für eine berufliche Perspektive in der Lufthansa-Gruppe ermöglichen zu können." Frühere Wechselangebote zu City Airlines, die extra für niedrigere Kosten gegründet wurde, hatten viele Beschäftigte abgelehnt.

Auch das fliegende Personal der Lufthansa-Kerngesellschaft hat bald weniger Einsatzmöglichkeiten. Zum Ende des Sommerflugplanes werden im Oktober vier ältere Langstreckenflugzeuge vom Typ Airbus A340-600 ausgeflottet sowie zwei Boeing 747-400 stillgelegt. Diese vierstrahligen Maschinen vebrennen vergleichsweise viel Kerosin. Im Winterflugprogramm wird das Angebot auf der Kurz- und Mittelstrecke um fünf Flugzeuge reduziert. Zugleich soll die günstiger arbeitende Tochter Discover schneller mit neuen Jets vom Typ Airbus A350 ⁠expandieren. Auch damit reagiert die Lufthansa auf die zurzeit unlösbaren Tarifkonflikte mit VC und UFO. Ziel des Unternehmens ist es, die vergleichsweise hohen Personalkosten zu drücken - daher lehnt die Lufthansa jede Lösung, die nicht kostenneutral ist, ab.

(Redigiert von ‌Thomas Seythal)

Plus-Analysen
Trading-Impuls
Befreiungsschlag bei Lanxess? Diese Marken sind entscheidendheute, 14:33 Uhr · onvista
Warnung vor Crash-Gefahr
Wo Michael Burry Recht hatheute, 12:30 Uhr · onvista
Minimum Volatility
Ist dieser Index besser als der MSCI World?08. Mai · onvista