Inflation und Zinsanhebung

Nahost-Krieg lässt Inflation sprunghaft steigen - EZB auf der Hut

Reuters · Uhr (aktualisiert: Uhr)
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Quelle: Eduardo Y/Shutterstock.com

Der Ölpreisanstieg infolge des Nahost-Krieges hat die Inflation in die Höhe getrieben und das Thema einer Zinsanhebung im Euroraum in den Fokus gerückt. "Der Markt preist zwei Zinserhöhungen in diesem Jahr ein. Ich halte diese Erwartungen für angemessen", sagte EZB-Ratsmitglied Martins Kazaks der Nachrichtenagentur Reuters. "Eine Erhöhung um ‌25 Basispunkte würde kaum mehr bewirken als ein Signal." Ob es bereits auf der Sitzung Ende April angemessen wäre, die Zinsen anzuheben, ließ er offen. Die Finanzmärkte sehen derzeit ⁠eine Wahrscheinlichkeit ⁠von nur 20 Prozent für einen solchen Schritt in diesem Monat. Eine Straffung bis Juni ist jedoch nahezu vollständig eingepreist. Die EZB könnte sich damit gegen einen steigenden Preisauftrieb stemmen. Waren und Dienstleistungen verteuerten sich im März um durchschnittlich 2,6 Prozent, wie das EU-Statistikamt Eurostat am Donnerstag auf Basis endgültiger Daten mitteilte. In einer vorläufigen Schätzung war von 2,5 ‌Prozent die Rede.

Noch im Februar und damit vor Ausbruch ‌des Iran-Krieges hatte die Teuerungsrate mit 1,9 Prozent unter dem Ziel der Europäischen Zentralbank (EZB) von 2,0 Prozent gelegen. Laut EZB-Chefin Christine Lagarde ist die Zentralbank bereit zu handeln, wenn es die Datenlage ⁠erfordert. Nach Ansicht des estnischen Ratsmitglieds Madis Müller verfügt die EZB Ende des Monats womöglich ‌jedoch noch nicht über ausreichende Daten, um die ⁠Notwendigkeit einer Zinserhöhung beurteilen zu können. Bundesbankchef Joachim Nagel plädiert dafür, flexibel zu bleiben. Damit habe die Zentralbank etwas Handlungsspielraum.

Wirtschaft keine "unnötigen Kosten" aufbürden

EZB-Direktoriumsmitglied Isabel Schnabel erklärte, die Zentralbank müsse vermeiden, der Wirtschaft durch eine vorzeitige Straffung der Geldpolitik "unnötige Kosten" aufzubürden. ‌Die EZB nehme derzeit eine weitgehend neutrale ⁠geldpolitische Haltung ein und könne sich die ⁠nötige Zeit nehmen, um die Folgen des aktuellen Energieschocks zu analysieren, sagte sie in Washington. Da die Wirtschaft der Euro-Zone unter den steigenden Kraftstoffpreisen leiden könnte, müsse die EZB ihre Entscheidungen sehr sorgfältig abwägen und weiter datenabhängig handeln.

Die EZB hatte die Leitzinsen im vergangenen Monat unverändert gelassen. Wie aus den Protokollen der Sitzung hervorgeht, waren sich die Währungshüter des Risikos bewusst, das mit einer voreiligen Zinserhöhung einhergeht. Sie signalisierte allerdings Bereitschaft zu einer strafferen Geldpolitik, sollten die hohen Energiepreise auf die gesamte Wirtschaft übergreifen und durch ⁠sogenannte Zweitrundeneffekte die Preise anderer Waren und Dienstleistungen beeinflussen.

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