
(Reuters) - Der Nahost-Krieg birgt laut EZB-Chefin Christine Lagarde Inflationsgefahren und trübt den Konjunkturausblick. "Er wird sich kurzfristig durch höhere Energiepreise erheblich auf die Inflation auswirken", warnte die Französin am Freitag im Internationalen Währungs- und Finanzausschuss des Internationalen Währungsfonds (IWF). Die mittelfristigen Folgen hingen sowohl von der Intensität und Dauer des Konflikts als auch davon ab, wie sich die Energiepreise auf die Verbraucherpreise und die Wirtschaft auswirkten.
"Wir beobachten die Lage genau, und die in der kommenden Zeit eingehenden Informationen werden uns helfen, die Auswirkungen des Krieges auf die Inflationsaussichten und die damit verbundenen Risiken einzuschätzen", erklärte Lagarde. Die EZB lege sich nicht im Voraus auf einen bestimmten Zinspfad fest.
IWF rechnet mit 0,5 Prozentpunkten höherem Zins Ende 2026
Die Europäische Zentralbank steht nach Einschätzung des IWF weniger unter Druck, die Zinsen wegen der höheren Inflation schnell anheben zu müssen. Die Teuerungsrate habe bisher nahe am Ziel von zwei Prozent gelegen, hieß es am Freitag in einem IWF-Blog. Die EZB habe daher etwas mehr Spielraum, die Situation erst einmal zu beobachten und zu bewerten. Der IWF rechnet bis zum Ende des Jahres mit Zinserhöhungen um zusammen 0,5 Prozentpunkte.
Infolge der Ölkrise im Zuge des Iran-Krieges war die Inflationsrate im Euroraum im März auf 2,6 Prozent gestiegen. Noch im Februar und damit vor Ausbruch des Militärkonflikts hatte die Teuerungsrate mit 1,9 Prozent unter dem Ziel der EZB von 2,0 Prozent gelegen. Laut EZB-Chefin Lagarde ist die Notenbank bereit zu handeln, wenn es die Daten erfordern. Die Finanzmärkte sehen derzeit nur eine geringe Wahrscheinlichkeit für einen solchen Schritt auf der Sitzung Ende des Monats. Eine Straffung könnte aus deren Sicht eher im Juni beschlossen werden. Derzeit liegt der Leitzins bei 2,0 Prozent.
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