Deutscher Leitindex verliert wieder – Infineon über 50 Euro

Die fortdauernde Unsicherheit über den Nahost-Konflikt und steigende Energiepreise strapaziert zunehmend die Geduld der Anleger. Mit dem Dax ging es am Donnerstag den vierten Handelstag in Folge nach unten. Der deutsche Leitindex schloss 0,2 Prozent im Minus bei 24.155 Punkten. Der MDax mit den mittelgroßen Werten verlor am Ende 1,0 Prozent auf 30.851 Zähler.
Angesichts der politischen und militärischen Hängepartie zwischen den Vereinigten Staaten und dem Iran stieg der Preis für Öl der Nordseesorte Brent weiter und hält sich damit klar über der Marke von 100 US-Dollar. Inflationäre und konjunkturelle Risiken nehmen zu, Aktien werden in diesem Umfeld gemieden.
Die allgemeine Verunsicherung manifestiert sich nun auch in den Konjunkturdaten. So verschlechterte sich die Stimmung in den Unternehmen der Eurozone im April wegen der Folgen des Irankriegs weiter. Vor allem hohe Öl- und Gaspreise sowie die Sorge vor möglichen Lieferengpässen lassen die Firmen pessimistischer in die Zukunft schauen. Der von S&P Global ermittelte Einkaufsmanagerindex fiel auf den tiefsten Stand seit 17 Monaten.
"Die Unternehmen haben Sorge vor einer schwindenden Kauflaune der Verbraucher und steigenden Kosten als Folge der höheren Energiepreise", schrieb Michael Herzum, Chefökonom von Union Investment. Mögliche Störungen der Lieferketten belasteten die Stimmung zunehmend, je länger die wichtige Straße von Hormus geschlossen bleibe.
SAP-Aktie schwach – Fokus auf Quartalszahlen
In der allmählich Fahrt aufnehmenden Saison der Quartalsberichte veröffentlicht an diesem Donnerstagabend Europas größter Software-Entwickler SAP Geschäftszahlen. Anleger sind vorsichtig, die SAP-Aktie verlor am Dax-Ende sechs Prozent.
Vor zwei Wochen hatten die Aktie mit 137,54 Euro den tiefsten Stand seit Anfang 2024 ausgelotet. Seit Jahresbeginn beträgt der Verlust gut 30 Prozent. "Die SAP-Aktie stand in den vergangenen Monaten unter Druck, vor allem weil Anleger an der Geschwindigkeit des Cloud-Wachstums zweifelten und die disruptive Kraft der KI für das klassische Softwaregeschäft fürchteten", schrieb Analyst Maximilian Wienke vom Broker Etoro. Entsprechend befinde sich der Markt aktuell in einer Wartephase. Entscheidend sei nun der Beweis, dass KI die Margen steigert und nicht nur die Kosten erhöht.
Infineon führt Dax an – Sartorius rutscht ab
An der Spitze des Dax setzte die Aktie von Infineon ihre Rally fort mit Kursen erstmals seit 2000 wieder über der 50-Euro-Marke.
Treiber sind starke Geschäftsprognosen der Halbleiterkonzerne STMicro und Texas Instruments. Infineon-Aktien stiegen bis zum Handelsschluss um gut 8,2 Prozent.
Sartorius-Aktie mit klarem Minus
Die jüngste Erholung beim Labor- und Pharmazulieferer Sartorius hat sich auch zum Jahresbeginn fortgesetzt. Der Göttinger Konzern profitierte erneut von einer starken Nachfrage nach Verbrauchsmaterialien. Konzernchef Michael Grosse sprach von einer guten Entwicklung in den ersten drei Monaten und hält deshalb an seinen Jahreszielen fest.
Sartorius rutschte nach dem Quartalsbericht des Pharma- und Laborzulieferers aber um neun Prozent ab. Die Zahlen lägen unter den Erwartungen und die Aktie sei zuletzt gut gelaufen, sagte ein Händler.
(mit Material von dpa-AFX)
Bleib auf dem Laufenden: Immer freitags um acht Uhr bekommst du von onvista-Redaktionsleiter Georg Buschmann das Börsenthema der Woche direkt ins Postfach, erfährst, welche Aktien die Community besonders interessieren und welche Termine an der Börse in der nächsten Woche wichtig werden.

