
Der Dax hat zum Ende einer schwachen Woche einen kleinen Verlust verbucht. Ein große Stütze waren deutliche Kursgewinne des Index-Schwergewichts SAP. Der deutsche Leitindex schloss 0,11 Prozent tiefer bei 24.128 Punkten, verbuchte auf Wochensicht allerdings einen Verlust von 2,3 Prozent. Aktien aus der zweiten Reihe beendeten den Freitag deutlich schwächer. Der MDax mit den mittelgroßen Werten fiel um 1,95 Prozent auf 30.249,93 Zähler.
Meldungen, wonach sich der iranische Außenminister Abbas Araghtschi auf dem Weg in die pakistanische Hauptstadt Islamabad befinden soll, nährten Hoffnungen auf neue Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran. Araghtschi soll nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Irna mit Vertretern Pakistans, die im Konflikt zwischen den USA und dem Iran vermitteln, sprechen. Treffen mit US-Vertretern seien allerdings nicht geplant, erfuhr die Deutsche Presse-Agentur aus pakistanischen Sicherheitskreisen.
Insgesamt bleibe die Nervosität angesichts der weiterhin undurchsichtigen Lage im Nahen Osten hoch, stellte Analyst Andreas Lipkow von CMC Markets fest. Die Investoren wollten derzeit keine größeren Risiken eingehen. "Ölpreise über 100 US-Dollar stellen einen klaren Belastungsfaktor dar, da sich mit jedem weiteren Tag die Inflationsfrage für die Zukunft immer deutlicher stellt", ergänzte Lipkow.
SAP nach Zahlen: Erleichterung über Umsatzaussichten
Die Geschäftszahlen von SAP konnten Anleger etwas beruhigen. Der aus Cloudverträgen in den nächsten zwölf Monaten zu erwartende Umsatz (current cloud backlog - CCB) sei besser als erwartet gewesen, urteilten Analysten. SAP sind mit einem Abschlag von fast 29 Prozent mit Abstand schwächster Dax-Wert 2026. Am Vortag hatten sie sich mit einem Minus von mehr als sechs Prozent noch ihrem Jahrestief genähert. Am Freitag gewannen sie fünf Prozent hinzu.
Der Energietechnikkonzern Siemens Energy wird nach der positiven Entwicklung im ersten Geschäftshalbjahr und der starken Marktnachfrage optimistischer für das Gesamtjahr. Die Papiere gewannen auf Rekordniveau gut 2,8 Prozent. Siemens Energy sind im Dax im Jahr 2026 bislang der stärkste Wert mit einem Zuwachs von weit mehr als die Hälfte.
Die UBS stufte MTU auf "Sell" ab. Darauf reagierten die Anteile des Triebwerkherstellers mit einem Minus von 3,9 Prozent. Von den drei führenden Triebwerkherstellern sei bei MTU das Risiko für eine harte Landung am größten, wenn der Wind im Ersatzteil- und Servicegeschäft drehe, schrieb Analyst Ian Douglas-Pennant.
Nach vorläufigen Quartalszahlen brachen die Aktien von Jungheinrich um knapp 15 Prozent ein. Der Spezialist für Lagerlogistik stellte die Anleger auf einen Einbruch des operativen Ergebnisses (Ebit) auf fast die Hälfte des Vorjahres ein. Ende März hatte Jungheinrich am Markt bereits mit den Zielen für 2026 enttäuscht. Der Softwareanbieter Atoss Software rechnet im laufenden Jahr mit einer höheren Profitabilität. Die im Nebenwerteindex SDax notierten Papiere gewannen gut 3,2 Prozent.
Euro und Gold stabilisieren sich
Der Euro stabilisierte sich nach anfänglichen Kursverlusten am Freitag. Am Nachmittag wurde die Gemeinschaftswährung bei 1,1704 US-Dollar gehandelt und damit etwas über dem Niveau vom Vortag.
Zuvor war der Euro drei Handelstage in Folge gefallen und hat in dieser Zeit knapp einen Cent verloren. Die Verunsicherung von Anlegern über mögliche wirtschaftliche Folgen der Sperrung der Straße von Hormus trübt aktuell die Stimmung an den Finanzmärkten, was auch den Euro unter Druck setzte. Konjunkturdaten bewegten vor diesem Hintergrund kaum. Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft hat sich im April wegen des Iran-Kriegs weiter deutlich verschlechtert und den tiefsten Stand seit der Corona-Krise erreicht, wie das Münchner Forschungsinstitut Ifo mitteilte.
Der Preis für Gold legte ebenfalls etwas zu, nachdem er an den Vortagen erneut mit den Börsen unter Druck geraten war. Am Freitag ging es um 0,6 Prozent auf 4.722 US-Dollar je Feinunze (31,1 Gramm) nach oben. In Euro gerechnet fiel das Plus marginal schwächer aus. In den vergangenen Wochen orientierte sich der Goldpreis eng an den Aktienmärkten, obwohl er tendenziell stärker von der Unsicherheit durch den Iran-Krieg profitieren müsste.
Bleib auf dem Laufenden: Immer freitags um acht Uhr bekommst du von onvista-Redaktionsleiter Georg Buschmann das Börsenthema der Woche direkt ins Postfach, erfährst, welche Aktien die Community besonders interessieren und welche Termine an der Börse in der nächsten Woche wichtig werden
(mit Material von dpa-AFX)



