Die KI-Illusion: Warum nicht alle gewinnen können
Kaum ein technologischer Umbruch ist so schwer zu bewerten wie KI. Und trotzdem sollen doch irgendwie alle Gewinner des Trends sein. Das kann so nicht funktionieren.
Heiko Böhmer

Künstliche Intelligenz ist das dominierende Thema an den Kapitalmärkten. Und selten war ein Narrativ so eindeutig: Alle gewinnen. Ob Entwickler, Nutzer, Infrastruktur-Anbieter, ausgewählte Softwareunternehmen und auch die Kunden. Die Investition des Einen ist der Gewinn des Anderen. Im Grunde ist das ein perfektes Ökosystem. Einziger Schönheitsfehler: So funktioniert Kapitalismus nicht.
Der Denkfehler der Märkte
Ein zentrales Problem in der aktuellen KI-Diskussion ist die Vermischung von zwei Ebenen: Hier treffen technologische Faszination und ökonomische Realität direkt aufeinander.
Was heißt das konkret? KI ist beeindruckend – das merken wir doch alle im hoffentlich täglichen Einsatz. Beeindruckend heißt aber nicht automatisch profitabel. Denn nur weil etwas funktioniert, heißt es nicht, dass es sich für alle lohnt. Das wird aktuell systematisch ausgeblendet.
Lektionen aus der Vergangenheit
Der Blick in die Wirtschaftsgeschichte ist eindeutig. So hat das Internet die Medien nicht zerstört – sondern transformiert. Die Ausbreitung von E-Commerce hat den stationären Handel nicht vernichtet, sondern doch eher ergänzt. Und Social Media hat Marketing nicht ersetzt – sondern erweitert. Daraus folgt: Disruption ist selten binär. Sie ist fast immer komplex.
Was KI wirklich ist
KI ist nicht nur irgendwie ein neues Tool auf verschiedenen Plattformen, die im Wettbewerb stehen. KI ist vielmehr alles gleichzeitig. Genau das macht sie so schwer bewertbar. Aus dieser Lage heraus ergeben sich schon jetzt erste Warnsignale für Investoren. Wir erleben extreme Erwartungen, pauschale Bewertungen ganzer Sektoren und eine starke Kapitalallokation ohne klare Renditeperspektive.
Besonders im Software-Sektor zeigt sich bereits, dass die Angst vor Disruption fast schon mit Händen zu greifen ist. Das hat zu sinkenden Bewertungen vieler Aktien aus diesem Sektor geführt. Es mündete in einer steigenden Unsicherheit.
Fazit: KI ist Chance und Risiko zugleich
Die größte Gefahr ist nicht KI selbst, sondern das Narrativ, dass KI nur Gewinner produziert. Das wird nicht passieren. Für Investoren beginnt jetzt die eigentliche Arbeit: zu unterscheiden, wo die wirklichen Gewinner liegen, welche Unternehmen kaum betroffen sein werden – und natürlich, wer die großen Verlierer sein werden. Dabei sollten wir uns alle nicht blenden lassen von der aktuellen KI-Euphorie. Nur weil jetzt auf den ersten Blick viele Tätigkeiten von KI-Tools übernommen werden können, heißt das nicht, das es diese Firmen schon bald nicht mehr geben wird. Wie schon gesagt: Disruption ist kein binärer Prozess, sondern in der Regel vielschichtig.







