Kolumne von Alexander Mayer

Rückt bei Bitcoin die Trendwende näher? Das ist dazu notwendig

decentralist.de · Uhr

Bitcoin hat sich stabilisiert, den Ausbruch zurück in den Bullenmarkt aber noch nicht geschafft. Doch alte Gewissheiten im Krypto-Marktzyklus könnten bald ohnehin überholt sein. Denn Bitcoin steht womöglich davor, sich als Anlageobjekt grundsätzlich zu wandeln.

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Quelle: Overearth/Shutterstock.com

Bitcoin befindet sich im Aufschwung. Seit der mehrwöchigen Bodenformung im Bereich von 65.000 US-Dollar konnte der Kurs über den Widerstandsbereich zwischen 73.000 und 76.000 Dollar und bis zurück an das Bullmarket-Supportband klettern. Dieses stellt sich aktuell jedoch als klarer charttechnischer Widerstand heraus.

Obwohl die Stimmung unter vielen Marktbeobachtern sich wieder deutlich gebessert hat und einige bereits den Anfang des nächsten Bitcoin-Bullenmarktes heraufbeschwören, liefert das Chartbild noch kein klares Signal dafür. In einem übergeordneten Bärenmarkt sind selbst starke Zwischenrallies bei Bitcoin keine Seltenheit.

Der Bitcoin-Chart
Quelle: Tradingview

Das Bullmarket-Supportband sowie der 200-Tage-Trend bleiben die entscheidenden Indikatoren, die einen möglichen Trendwechsel zurück in bullisches Territorium signalisieren. Während der Kurs das Bullmarket-Supportband bereits im Januar als klaren Widerstand bestätigt hat, wurde der 200-Tage-Trend seit dem Einbruch im Oktober 2025 noch nicht getestet.

Auch das ist in einem Bitcoin-Bärenmarkt durchaus üblich – gescheiterte Re-Tests des 200-Tage-Trends kamen sowohl im Bärenmarkt 2014 und 2018 als auch im letzten Bärenmarkt 2022 vor.

Die zyklische Dynamik spricht für eine Fortsetzung des Bärenmarktes

Bitcoin hält sich bisher weiterhin eng an seine zyklische vierjährige Dynamik, die sich am Bitcoin-Halving orientiert und 2026 als Bärenmarktjahr definiert. Ausgehend von vergangenen Zyklus-Mustern dürfte uns ein Boden erst im vierten Quartal 2026 erwarten.

Auf der anderen Seite sehen viele Marktbeobachter den wachsenden Einfluss makroökonomischer Faktoren und weniger die Bitcoin-internen Faktoren wie den Vierjahreszyklus als zunehmend dominierende Treiber für den Preis. Der Einstieg der institutionellen Investoren seit der Einführung der ETFs im Jahr 2024 hat zu einer tieferen Marktreife geführt und die Volatilität insgesamt zurückgeschraubt.

Das ist eines der Hauptargumente dafür, warum die Bodenformung der letzten Wochen im Bereich von 65.000 Dollar bereits der Zyklus-Boden gewesen sein könnte.

Übertritt Bitcoin nun endgültig die Schwelle zum Makro-Asset?

Bitcoin befindet sich aktuell in einer Phase, in der darüber entschieden werden könnte, ob die Kryptowährung sich weiter von ihren bisher vorherrschenden krypto-internen Kurstreibern – allen voran das Vierjahreszyklus-Modell – leiten lässt, oder ob Bitcoin endgültig in eine Rolle als Makro-Asset übergeht, dessen Kursentwicklung von globalen Faktoren bestimmt wird.

Eines der größten Argumente in dieser Richtung ist die zunehmende Dynamik von Bitcoin als „krisenfestes“ Asset in Marktphasen, die durch strukturelle Risiken gezeichnet sind. Seit dem Jahr 2020 lässt sich beobachten, dass der Bitcoin-Kurs positiv reagiert, sobald es zu Krisenszenarien am Markt kommt.

Der Bitcoin-Chart
Quelle: Tradingview

In den letzten sechs Jahren hat es mehrere kleinere und größere Krisen gegeben. Der Bitcoin-Kurs hat in einer direkten Reaktion jedes Mal mit Kurszuwächsen in den folgenden zwei Monaten reagiert. Die größten Beispiele dafür sind der Corona-Crash im März 2020, der Ausbruch des Ukraine-Krieges 2022, die Mini-US-Bankenkrise im März 2023, der teilweise Rückablauf des Yen-Carry-Trades im Sommer 2024, Trumps Zoll-Chaos im letzten Jahr und das aktuelle Beispiel des Iran-Kriegs.

In all diesen Szenarien hat Bitcoin in zwei darauffolgenden Monaten eine positive Performance gezeigt und in den meisten Fällen sowohl die Aktienmärkte als auch den sicheren Hafen Gold geschlagen.

Das ist die entscheidende Frage für Bitcoin

Der entscheidende Punkt, der zu einer langfristigen Trendwende für Bitcoin führen könnte, ist die Wahrnehmung durch die Marktteilnehmer. Bitcoin hat seit seiner Anfangsphase einen hauptsächlich spekulativen Charakter, getrieben durch die Erwartungshaltung an den Nutzen von Bitcoins Rolle in der Zukunft, aber auch reine Gewinnspekulation durch die immer wieder auftretenden starken Aufwärtsdynamiken.

Der Vierjahreszyklus steht indirekt für Bitcoins starke Korrelation mit der Liquiditätsentwicklung am Markt, aber auch mit der Marktpsychologie, die bei Bitcoin wie bei kaum einem anderen Asset sehr narrativ getrieben ist. Die wiederholte Stärke von Bitcoin in Krisen-Phasen bewegt die Wahrnehmung jedoch immer mehr weg von der spekulativen Seite und hin in Richtung der Wertspeicher- und Autonomie-Aspekte von Bitcoin.

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Bitcoin

Dass institutionelle Anleger verstärkt auf Bitcoin aus makroökonomischen Gründen setzen und dem zyklischen Modell weniger Beachtung schenken, zeigen die aktuellen Zuflüsse in die ETFs: In den letzten acht Tagen gab es Netto-Zuflüsse in die ETFs von über zwei Milliarden Dollar. Bereits seit März ist eine deutliche Trendwende erkennbar, nachdem die letzten Monate seit Oktober 2025 durch Abflüsse geprägt waren.

Wir könnten uns nun an einem Punkt befinden, an dem das Vierjahreszyklus-Modell brechen könnte, da institutionelle Anleger die Rücksetzer als Akkumulationsphase nutzen, während Privatanleger Bitcoin weiterhin den Rücken kehren. Bitcoin wird an der Wall Street zunehmend als strategischer Portfolio-Baustein und nicht mehr nur als spekulativer Trade gesehen. Viele große Institutionen empfehlen mittlerweile aktiv eine Bitcoin-Position von einem bis fünf Prozent im Portfolio.

Wie kann man aus der Anleger-Perspektive damit umgehen?

Ob das Vierjahreszyklus-Modell nun aufgrund einer veränderten Dynamik bei Bitcoin gebrochen wird oder nicht, werden wir erst in der Retrospektive sehen können. Für langfristig orientierte Anleger ist ohnehin weniger relevant, ob Bitcoin seinen Boden bereits in der Zone um die 65.000 Dollar Marke gefunden hat oder entsprechend des Vierjahreszyklus-Modells erst im vierten Quartal finden sollte.

Langfristig orientierte Anleger sollten sich die Frage beantworten, ob Bitcoin generell einen Platz im Portfolio verdient und grundsätzlich weiteres Aufholpotenzial hat. Egal ob Boden oder nicht, wenn Anleger sich selbst diese Frage mit Ja beantworten, dann liefert der aktuelle Bärenmarkt günstige Einstiegskurse.

Argumente für den nächsten langfristigen Aufwärtstrend bleiben bestehen: Perspektivisch erfordern die US-Schuldenkrise, die global hohe Verschuldung, sowie der wachsende Druck im Private Credit Markt weitere geldpolitische Lockerungsmaßnahmen. Anhaltende geopolitische Unsicherheiten verschärfen das Bild zusätzlich. Das Vertrauen in etablierte Institutionen und Machtstrukturen wie den Dollar und die US-Anleihemärkte sinkt. Bitcoin rückt als – auf seiner operativen Ebene – komplett autonomes und nicht manipulierbares Netzwerk immer mehr in den Fokus der Aufmerksamkeit von Staaten, Unternehmen und Privatanlegern.

Denken Sie langfristig!

Wo wird das Bitcoin-Bärenmarkt-Tief sein? Die Expertenmeinungen im Krypto-Sektor gehen dazu aktuell weit auseinander. In der aktuellen Analyse auf decentralist erhalten Sie einen Einblick über die prominentesten Thesen und wie diese einzuschätzen sind.

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