
Der Dax hat am Dienstag moderat nachgegeben. Allerdings hielt der Index die Marke von 24.000 Punkten. Die Anleger blieben insgesamt vorsichtig. So gibt es nach wie vor keine Fortschritte im Iran-Krieg, weshalb die Ölpreise weiter stiegen und so Konjunktur- und Inflationssorgen wecken. Zum anderen steht die Sitzung der US-Notenbank Fed kurz bevor. Der Fokus liegt dieses Mal vor allem auf dem anstehenden Wechsel an deren Spitze. Mit Blick auf die Zinsentscheidung am Mittwoch werden dagegen keine Änderungen erwartet.
Der deutsche Leitindex beendete den Handel mit minus 0,27 Prozent auf 24.018 Zähler. Der MDax verlor 1,00 Prozent auf 30.057,46 Punkte. Für den Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 ging es um 0,41 Prozent abwärts. Zum europäischen Börsenschluss zeigte sich auch der Wall-Street-Index Dow Jones Industrial in den USA kaum verändert. Der technologielastige Nasdaq 100 büßte angesichts eines kritischen Berichts im "Wall Street Journal" über OpenAI knapp 1,5 Prozent ein.
"Am deutschen Aktienmarkt herrscht derzeit ein ausgeprägtes Patt zwischen Bullen und Bären. Die Marktteilnehmer wechseln sich fast im Stundentakt zwischen Kaufbereitschaft und Gewinnmitnahmen ab", resümierte Marktexperte Timo Emden das derzeitige Auf und Ab an der Börse. Auch geopolitisch bleibe die Lage angespannt und weitgehend festgefahren: "Der Iran-Konflikt wirkt zunehmend blockiert, ohne dass sich kurzfristig eine Deeskalation oder weitere Eskalationsstufe klar abzeichnet."
Qiagen schockt mit gesenkten Jahreszielen
Eine Senkung der Jahresziele von Qiagen setzte die Papiere des Labordienstleisters und Diagnostikanbieters als Dax-Schlusslicht mit minus 10,8 Prozent massiv unter Druck. 2026 haben sie damit schon gut 20 Prozent verloren. Ein Händler warnte am Morgen vor weiteren Verlusten trotz des bereits niedrigen Kursniveaus, da das Wachstum nahezu vollständig abhandengekommen sei. Im ersten Quartal war der Umsatz um ein Prozent gesunken.
Die Aktien von Bayer reagierten mit einem Kursrückgang von 4,5 Prozent auf eine Anhörung vor dem obersten US-Gericht im Verfahren um milliardenschwere US-Glyphosat-Rechtsstreitigkeiten. Damit zehrten sie ihr mageres Kursplus im bisherigen Jahresverlauf nahezu komplett auf. Eine Entscheidung des Obersten Gerichtshofs im Fall "Durnell" wird für Ende Juni erwartet. Bayer macht sich Hoffnung, dass ein positives Grundsatzurteil dabei helfen könnte, das teure Thema in absehbarer Zeit abschließen zu können. Während der Markt die Anhörung negativ sieht, war der Tenor unter Experten bislang neutral bis positiv.
Die Titel der Deutschen Börse legten nach Quartalszahlen und bestätigten Jahreszielen um 0,4 Prozent zu. Der Börsenbetreiber verdiente im ersten Jahresviertel dank guter Geschäfte rund um Finanzmarkt-Produkte deutlich mehr. Finanzchef Jens Schulte sieht den Konzern damit "voll auf Kurs", die Jahresziele für 2026 zu erreichen. Die höhere Ergebnisdynamik dürfte sich fortsetzen, schrieb Analyst Roland Pfänder von der Investmentbank Oddo BHF. Die Resultate hätten die Erwartungen übertroffen.
Pläne von Salzgitter zum Verkauf eigener Aktien, ließen die Papiere des Stahlkonzerns als klar schwächsten Wert im MDax um rund 8,5 Prozent einbrechen. Ziel der Maßnahme sei es, den Streubesitz zu erhöhen - ein eigentlich positives Anliegen. In Gesprächen mit Investoren sei wiederholt deutlich geworden, dass die Liquidität der Aktie insbesondere von größeren Investoren als Hemmnis für ein Engagement wahrgenommen werde, teilte Salzgitter mit. Aktuell beträgt der Streubesitz von Salzgitter etwas mehr als 34 Prozent.
Die Aktien von Init Innovation sprangen nach einem Großauftrag um 12,5 Prozent auf den höchsten Stand seit mehr als sechs Monaten. Wie der IT-Dienstleister für den öffentlichen Personenverkehr mitteilte, erhielt er von der zentralen Verkehrsbehörde des australischen Bundesstaates New South Wales den Auftrag für die Modernisierung der Fahrkartensysteme des Sydney Opal-Netzwerks. Die Behörde schätze das Auftragsvolumen auf umgerechnet rund 377 Millionen Euro über einen Zeitraum von zehn Jahren, hieß es weiter.
Die Papiere von Henkel fielen - rein optisch - um 1,8 Prozent. Sie werden am Dienstag mit einem Dividendenabschlag von 2,07 Euro je Aktie gehandelt.
Euro schwächer, hoher Verlust bei Gold
Der Euro büßte einen seine Vortagesgewinne wieder ein. Die Gemeinschaftswährung kostete zuletzt 1,1693 US-Dollar. Im frühen Handel hatte der Euro noch etwas über der Marke von 1,17 Dollar notiert. Die Europäische Zentralbank setzte den Referenzkurs auf 1,1680 (Montag: 1,1749) US-Dollar fest. Der Dollar kostete damit 0,8561 (0,8511) Euro.
Etwas belastet wurde der Euro durch die Entwicklung im Nahen Osten. Die diplomatischen Bemühungen um ein Ende des Iran-Kriegs haben bisher keine Fortschritte gemacht. US-Präsident Donald Trump sieht Teherans jüngsten Vorschlag für ein Ende des militärischen Konflikts übereinstimmenden Medienberichten zufolge skeptisch. Eine Öffnung der Straße von Hormus ist weiterhin nicht in Sicht.
Der Goldpreis sackte nach richtungslosen Vortagen deutlich ab. Zuletzt verlor der Preis je Feinunze (31,1 Gramm) 2,5 Prozent auf 4.574 US-Dollar. Damit notierte das Edelmetall so tief wie seit Anfang April nicht mehr. Silber rutschte sogar um 4,2 Prozent auf 72,74 Dollar je Feinunze ab.
Die Edelmetalle leiden unter neuen Zinssorgen. Zwar gelten Gold und Silber als Inflationsschutz, werfen aber keine Zinsen ab. Sollten die Notenbanken eine neue Inflationswelle, ausgelöst durch die anhaltend hohen Ölpreise, mit Zinsen bekämpfen, würde das die Preise der Edelmetalle belasten.
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(mit Material von dpa-AFX)


