Mega-Aufzugfusion: Kone schluckt deutsche TKE für 29,4 Mrd Euro
Helsinki/München, 29. Apr (Reuters) - Mega-Fusion in der Aufzugbranche: Die finnische Kone will den deutschen Rivalen TK Elevator für 29,4 Milliarden Euro übernehmen und damit zum weltgrößten Hersteller von Aufzügen und Rolltreppen aufsteigen. Die Eigentümer von TK Elevator (TKE), die Finanzinvestoren Advent und Cinven, erhalten fünf Milliarden Euro in bar und neue Kone-Aktien im Wert von 15,2 Milliarden, mit denen sie auf gut ein Drittel der Anteile an dem fusionierten Unternehmen kommen, wie Kone am Mittwoch mitteilte. Zudem übernimmt Kone die Milliardenschulden, die die Investoren TKE aufgeladen hatten. Der finnische Konzern könne den Umsatz damit auf gut 20 Milliarden Euro verdoppeln - davon zwei Drittel im Geschäft mit der Instandhaltung von 3,2 Millionen Fahrtreppen und Aufzügen - und beschäftige gut 100.000 Mitarbeiter.
Der ehemalige Eigentümer Thyssenkrupp, der die Aufzugsparte 2020 an die beiden Investoren verkauft hatte, hält indirekt noch gut 16 Prozent an TK Elevator. Die Thyssenkrupp-Aktie stieg vorbörslich um 5,5 Prozent.
Der Schweizer Rivale Schindler, der den Markt für Aufzüge und Rolltreppen zusammen mit Kone, TK Elevator und dem US-Konzern Otis dominiert, hatte bereits im Vorfeld Widerstand gegen den Zusammenschluss angekündigt. Kone zeigte sich am Mittwoch aber zuversichtlich, die nötigen Genehmigungen der Kartellbehörden zu bekommen, rechnet aber mit dem Vollzug der Transaktion frühestens in einem Jahr. Ein Ausstieg der Finanzinvestoren bei TKE über einen Börsengang galt wegen der Wettbewerbssituation in der Branche lange als wahrscheinlicher als ein Verkauf an einen Rivalen. Parallel hatte TKE auch einen Börsengang vorbereitet.
"Seit über einem Jahrhundert haben sowohl KONE als auch TKE ihr Geschäft im Gleichschritt mit der globalen Urbanisierung erfolgreich weiterentwickelt", sagte Kone-Chef Philippe Delorme, der auch das fusionierte Unternehmen führen soll. "Durch einen Zusammenschluss legen wir den Grundstein für ein noch innovativeres Unternehmen, das bestens für langfristigen Erfolg aufgestellt ist." Kone ist vor allem in Europa und Asien stark, TKE vor allem in Amerika. Der Zusammenschluss soll Synergien von 700 Millionen Euro bringen. Im vergangenen Jahr kamen Kone und TKE zusammen auf einen bereinigten operativen Gewinn von gut 2,7 Milliarden Euro.
Mit einer Bewertung von 29,4 Milliarden Euro wäre TKE einer der größten Verkäufe durch Finanzinvestoren in Europa. Advent-Partner Ranjan Sen erklärte, die künftige Beteiligung des Finanzinvestors am Kone-Konzern "unterstreicht, wie sehr wir von dessen langfristigem Potenzial überzeugt sind". Beherrscht wird Kone weiterhin von Aufsichtsratschef Antti Herlin, der Aktien mit mehr Stimmrechten hat und damit die Mehrheit der Stimmrechte behauptet. Herlin kauft den Finanzinvestoren nach der Übernahme Kone-Aktien für eine Milliarde Euro ab.
TK Elevator gehört seit 2020 den Finanzinvestoren Advent und Cinven, die damals rund 17,2 Milliarden Euro gezahlt hatten. Schon damals hatte Kone um TKE gebuhlt, in einem Konsortium mit dem Finanzinvestor CVC. Im vergangenen Jahr war Alat, eine Tochter des saudi-arabischen Staatsfonds PIF, mit 15 Prozent eingestiegen, wobei TK Elevator mit 23 Milliarden Euro bewertet wurde.
(Bericht von Alexander Hübner und Anne Kauranenredigiert von Myria Mildenberger. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)

