Maximilian Nagel

Ist das diese berühmte Irrationalität der Märkte? Meta lieferte gestern solide Zahlen. Doch höhere Kapitalinvestitionen schreckten die Anleger auf. Bis zu 145 Milliarden Dollar will der Konzern hinter Facebook, Instagram oder Whatsapp in diesem Jahr investieren. Die Quittung: Ein nachbörsliches Minus von über acht Prozent.
Meta will ganz schön viel Geld verpulvern, möchte man denken. Aber: Alphabet und Amazon wollen noch mehr ausgeben. Amazon prognostiziert gar Investments von satten 200 Milliarden Dollar in diesem Jahr. Das wäre einmal der Gegenwert von SAP, und noch ein hübscher Rest, für Datenzentren und Raketen.
Das Erstaunliche daran: Als die beiden Tech-Riesen ihre Investitionspläne im Januar verkündeten, straften Investoren die Aktien ebenso ab. Die gerade erst veröffentlichten Quartalsergebnisse von Amazon und Alphabet zeigten aber klar auf, dass sich die Milliarden rentieren. Die Cloud-Segmente – dort findet das KI-Geschäft statt – beider Konzerne wuchsen kräftig.
Warum also wird die Facebook-Mutter nun abgestraft, wenn die Aktionäre doch froh sein sollten, dass Meta hier nicht den Anschluss verlieren will? Vielleicht steckt dahinter ein wenig die Angst, dass es im KI-Wettrennen nur einen Sieger geben kann, und der in jedem Fall nicht Meta heißen wird.
Dann dürften aber Alphabet und Amazon nicht beide steigen. Seit Jahresbeginn haben die beiden Konzerne an der Börse besser abgeschnitten als der Rest der „Magnificent Seven“, mit Ausnahme Nvidias. Der Schreck um die gigantischen Investitionen währte nur kurz.
Zuckerberg druckst - und das gefällt gar nicht
Wahrscheinlicher ist, dass die Aussagen von Meta-Gründer und -Chef Mark Zuckerberg nicht gefielen. Zuckerberg betonte in der Telefonkonferenz mit Analysten natürlich, dass Meta fleißig an „fortgeschrittenen Modellen“ arbeite.
Zugleich blieb Zuckerberg ein kleines bisschen zu vage. „Ich denke, wir haben eine Vorstellung davon, wie die Dinge am Ende aussehen müssen“, sagte Zuckerberg, und gab immerhin zu, dass seine Antworten ein wenig „unbefriedigend“ seien. In konkreten Zahlen hat Zuckerbergs Gedruckse umgerechnet 142 Milliarden Dollar Börsenwert gekostet.
Gut, Spaß beiseite. So wirklich, wirklich nachvollziehbar ist die Reaktion des Marktes nicht. Dafür gibt es gleich mehrere Gründe. So hat Meta im ersten Quartal solide gewirtschaftet.
Umsatz, Gewinn, Margen? Weiterhin herausragend
Der Umsatz allein legte um 33 Prozent zum Vorjahresquartal auf 56,3 Milliarden Dollar zu, beinahe eine Milliarde mehr, als Analysten erwartet hatten. Unterm Strich blieben davon 10,44 Dollar je Aktie, sogar 62 Prozent mehr im Vorjahr und weitaus mehr als erwartet.
Selbst, wenn hier ein Steuervorteil im ersten Quartal herausgerechnet wird, stieg der Gewinn noch um 13,7 Prozent zum Vorjahr auf 7,31 Dollar je Aktie. Auch so betrachtet hat Meta die Gewinnerwartungen von 6,82 Dollar je Aktie mühelos geschlagen.
Von den Margen Metas träumen andere Konzerne. Im operativen Geschäft bleiben 41 Prozent der Umsätze als Profit hängen. Ist die Unsicherheit über KI wirklich ein derart gewichtiger Faktor, um sich als Anleger von diesem margenstarken Geschäft trennen zu wollen?
Klar, am Ende wird sich wohl nicht jeder in KI investierte Dollar lohnen. Das gilt für Meta wie für alle anderen „Hyperscaler“. Aber wen muss das bekümmern? Risiken gehören schlicht dazu. Und von allen Großkonzernen der Tech-Branche hat gerade Meta gezeigt, dass manchmal eben ein paar Milliarden versenkt werden können.
Meta versenkte schonmal Milliarden - und keinen juckt's mehr
Wir erinnern uns: 2019 kündigte der Konzern erstmals eine virtuelle Welt an, aus der später das Metaverse werden sollte. Zuckerberg war so dermaßen angetan von dieser Vision, dass er gleich den ganzen Konzern in Meta umbenannte.
Zuckerberg trommelte so sehr für das Metaverse, dass andere Konzerne, kein Witz, gleich „Metaverse-Chefmanager“ ernannten, um bloß dabei sein zu können. Die Unternehmensberatung McKinsey schwärmte gar von einem Fünf-Billionen-Dollar-Markt im Metaverse bis 2030.
Praktisch beerdigte Meta das hauseigene digitale Universum im März 2026. Keine neuen Apps mehr fürs Metaverse. Die Rechnung dieses unrühmlichen Abenteuers: 80 Milliarden US-Dollar. Natürlich erntete Meta dafür Spott und Hohn. Dem Geschäft, wie auch dem Aktienkurs, schadete das aber nicht nachhaltig. Unter Investoren juckt den Niedergang des Metaverse niemanden.
Die Ausgaben fürs Metaverse streckten sich über Jahre, bei KI ist der Zeitplan deutlich ambitionierter. Es ist aber nicht so, als könne Meta diese Ausgaben nicht stemmen. Im ersten Quartal lag der Free Cash Flow, also der Barmittelzufluss nach Investitionen, bei 12,4 Milliarden Dollar. Außerdem sitzt Meta auf Barreserven und schnell liquidierbaren Anlagen im Wert von 81,2 Milliarden Dollar.
Letztlich hat Meta keine andere Wahl, als es den übrigen Tech-Granden gleichzutun. Wie stark sich das lohnen wird, zeigt sich ohnehin erst im kommenden Jahr, oder noch später. Und zwar bei Meta, wie bei allen anderen Konzernen im KI-Wettrennen. Ebenso wie Alphabet oder Amazon hat Meta aber weiterhin ein extrem solides und wachsendes Kerngeschäft, KI hin oder her.
Umso merkwürdiger, dass die Anleger sich so an den Investitionsplänen stören, gerade, weil sich damit das gleiche Spiel wie bei Alphabet und Amazon wiederholen könnte. Aber in einer solchen Irrationalität des Marktes liegen ja auch immer Chancen, wie es so schön heißt.
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