Alexander Mayer

Michael Saylors Bitcoin-Treasury-Unternehmen Strategy kauft weiterhin im großen Maßstab Bitcoin ein. Allein in den letzten acht Wochen hat das Unternehmen Bitcoin im Wert von über sieben Milliarden Dollar gekauft.
Damit dürfte Strategy maßgeblich zu den Kurszuwächsen der letzten Wochen beigetragen haben, auch wenn die ETFs ebenfalls wieder eine positive Bilanz aufweisen. Seit dem ersten März haben die ETFs Zuflüsse in Höhe von 3,8 Milliarden Dollar erlebt.
Woher nimmt Strategy das Geld für die Bitcoin-Käufe?
Strategy nutzt in letzter Zeit verstärkt sogenannte „Perpetual Preferred Stocks“, um an frisches Kapital zu kommen. Die mit Abstand wichtigste Serie ist dabei die STRC („Stretch“) – ein „Variable Rate Perpetual Preferred Stock“, der seit Juli 2025 an der Nasdaq 100 notiert ist.
Im Kern funktioniert STRC wie ein hochverzinslicher, aber extrem stabiler „Digital-Credit“-Baustein: Die Aktie hat keinen Fälligkeitstermin („perpetual“), einen Nennwert von 100 US-Dollar und zahlt monatlich Bargeld-Dividenden. Der Clou ist der variable Dividendenmechanismus: Strategy passt den Satz jeden Monat nach eigenem Ermessen an – aktuell bei 11,50 Prozent pro Jahr – um den Kurs möglichst eng um die 100-Dollar-Marke zu halten.
Fällt der Kurs darunter, wird die Dividende in der Regel erhöht, um neue Käufer anzulocken. Steigt er deutlich darüber, kann sie gesenkt werden. Dadurch bleibt die Volatilität extrem niedrig (historisch nur rund 2,9 Prozent in 30 Tagen), und STRC verhält sich fast wie ein geldmarktnahes Instrument mit hoher Rendite.
Genau das macht STRC für Strategy zu einem so effizienten Finanzierungsinstrument: Sobald der Kurs nahe oder bei 100 Dollar notiert, kann das Unternehmen über ein At-the-Market-Programm (ATM) kontinuierlich neue STRC-Aktien ausgeben – ohne neue Stammaktien (MSTR) zu schaffen und damit bestehende Aktionäre zu verwässern. Die frischen Mittel fließen nahezu vollständig in den Bitcoin-Kauf.
Seit dem Launch hat STRC bereits mehrere Milliarden Dollar Kapital geliefert (aktuell liegt das ausstehende Volumen bei über 8,5 Milliarden Dollar) und damit einen erheblichen Teil der jüngsten Bitcoin-Zukäufe finanziert. Die Preferred-Aktien (Vorzugsaktien) sind nicht durch Bitcoins besichert, sondern haben lediglich eine bevorzugte Anspruchsposition auf das verbleibende Vermögen des Unternehmens nach Bedienung aller anderen Verbindlichkeiten.
Mit dieser Strategie schafft Strategy einen Kreislauf: Kapital aufnehmen über STRC → Bitcoin kaufen → Kursstabilisierung und Dividendenbedienung aus der wachsenden Bitcoin-Reserve.
Strategy bedient eine hohe Nachfrage
Das Instrument erfreut sich einer hohen Nachfrage, da der Zinssatz mit aktuell mehr als elf Prozent extrem attraktiv ist und Strategy auf der anderen Seite mit einem Bitcoin-Bestand in Höhe von über 60 Milliarden Dollar hohe Sicherheiten aufweisen kann. Selbst hochverzinste Junkbonds mit vergleichbarem oder größerem Risiko werfen aktuell nur eine durchschnittliche Rendite von etwa sieben Prozent ab.
Zudem ist in den letzten Wochen eine Kapitalflucht aus dem Markt für private Kredite beobachtbar, da die Sorgen vor Kreditausfällen am Markt aufgrund der unsicheren geopolitischen Situation, den steigenden Ölpreisen und einem wachsenden Rezessionsrisiko gestiegen sind. STRC bietet sich daher als eine attraktive Alternative an.
Warum Strategy den Markt weiter treiben kann
Der entscheidende Punkt ist: Strategy ist aktuell nicht durch operative Cashflows limitiert, sondern durch die Nachfrage nach seinen Finanzierungsinstrumenten. Solange Investoren bereit sind, Kapital in STRC und ähnliche Preferred-Strukturen zu allokieren, kann das Unternehmen diesen Mechanismus fortsetzen.
Genau hier liegt die strukturelle Stärke des Modells. STRC adressiert eine Marktlücke: ein hochverzinsliches, relativ stabiles Instrument in einem Umfeld, in dem klassische festverzinsliche Produkte deutlich weniger Rendite bieten. Während Junk Bonds im Schnitt unter sieben Prozent rentieren und Kapital aus dem Private-Credit-Sektor abfließt, wirkt eine zweistellige Rendite mit scheinbar geringer Volatilität für viele Investoren attraktiv. Hinzu kommt: Strategy hat mit einem Bitcoin-Bestand im zweistelligen Milliardenbereich eine narrative „Absicherung“, die das Vertrauen zusätzlich stützt.
Solange diese Nachfrage anhält, kann Strategy weiterhin Milliardenbeträge aufnehmen – und diese nahezu unmittelbar in Bitcoin umwandeln. Damit entsteht ein kontinuierlicher, preisunabhängiger Käufer am Markt.
Wie langfristig tragfähig ist das Modell?
Die Nachhaltigkeit hängt im Kern von zwei Variablen ab: der Bitcoin-Preisentwicklung und dem Emissionstempo neuer Preferred-Aktien. Modellrechnungen zeigen, dass Strategy bei konstantem Bitcoin-Preis die aktuellen Dividenden theoretisch über Jahrzehnte bedienen könnte. Bei einem aktuellen Bitcoin-Preis von etwa 75.000 Dollar genau 42 Jahre. Steigt der Bitcoin-Preis hingegen langfristig, verbessert sich die Bilanz kontinuierlich. In diesem Szenario wächst der Wert der Anlagen schneller als die Verbindlichkeiten, wodurch sich das Modell selbst stabilisiert.
Entscheidend ist dabei die Balance: Strategy muss vermeiden, zu aggressiv neues Kapital aufzunehmen. Je höher der Anteil von Fremd- und Preferred-Kapital im Verhältnis zum Bitcoin-Treasury steigt, desto sensibler wird das System gegenüber Preisrückgängen. Aktuell liegt diese Quote mit etwa 33 Prozent noch in einem Bereich, der dem Unternehmen weiteren Spielraum für zusätzliche Emissionen lässt.
Der Weg zum möglichen Angebotsschock
Genau diese Dynamik führt zu der zentralen These eines möglichen Schocks auf der Angebotsseite. Wenn ein einzelner Akteur über Monate hinweg kontinuierlich Milliardenbeträge in einen Markt mit begrenztem Angebot lenkt, entsteht ein strukturelles Ungleichgewicht. Auf der Nachfrageseite stehen Strategy, ETFs und zunehmend institutionelle Investoren. Auf der Angebotsseite hingegen ist die verfügbare Liquidität begrenzt – insbesondere, da ein großer Teil der Bitcoins langfristig gehalten wird.
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Sollte Strategy tatsächlich in der Lage sein, über die nächsten zwölf Monate weitere zweistellige Milliardenbeträge zu mobilisieren, während gleichzeitig neue Nachfragequellen – etwa Banken oder zusätzliche ETF-Strukturen – hinzukommen, könnte die verfügbare Angebotsmenge schnell absorbiert werden.
Das Resultat wäre kein linearer Preisanstieg, sondern potenziell eine beschleunigte Bewegung nach oben – getrieben durch Liquiditätsengpässe auf der Verkäuferseite.
Die Risiken hinter der Strategie
So überzeugend das Modell in einer Aufwärtsphase wirkt, so klar sind auch die inhärenten Risiken.
Erstens ist die Dividende von STRC nicht garantiert. Sie kann gesenkt werden, und im Extremfall könnte Strategy die Ausschüttungen aussetzen. In diesem Fall würde ein zentraler Attraktivitätsfaktor des Instruments wegfallen – mit potenziellen Auswirkungen auf die Refinanzierungsfähigkeit.
Zweitens basiert das gesamte Konstrukt auf Vertrauen in die Stabilität des Bitcoin-Treasurys. Fällt der Bitcoin-Preis deutlich, verschlechtert sich die Bilanzrelation schnell. Steigt gleichzeitig das ausstehende Volumen an Preferred-Aktien, erhöht sich der Druck auf das System.
Drittens besteht ein Marktrisiko: Sollte die Nachfrage nach STRC oder vergleichbaren Instrumenten nachlassen – etwa durch steigende Zinsen, bessere Alternativen im Anleihemarkt oder eine generelle Risk-off-Phase –, würde Strategy als großer Käufer ausfallen. In diesem Szenario könnte sich der aktuell stützende Effekt ins Gegenteil verkehren.
Fazit
Strategy führt im Großen und Ganzen einen Carry Trade mit Bitcoin gegen den Dollar in immer gigantischeren Ausmaßen aus. Das Unternehmen wettet gegen den Verfall des Dollars und auf einen langfristigen Aufstieg von Bitcoin, finanziert mit der – in dieser Rechnung – schwachen Währung Dollar, um die Finanzierungskosten langfristig immer weiter zu senken.
Dazu hat Strategy nun ein neuartiges Finanzierungsmodell geschaffen, das aktuell als einer der wichtigsten Nachfragefaktoren für Bitcoin fungiert. Die Kombination aus hoher Rendite, struktureller Kapitalaufnahme und direkter Allokation in Bitcoin erzeugt einen konstanten Kaufdruck, der den Markt spürbar beeinflusst.
Ob daraus tatsächlich ein nachhaltiger Angebotsschock entsteht, hängt letztlich davon ab, wie lange dieser Kreislauf aufrechterhalten werden kann. Klar ist jedoch: Solange Strategy in der Lage ist, frisches Kapital in großem Umfang zu mobilisieren, bleibt das Unternehmen ein zentraler Treiber für den Bitcoin-Markt.
Denke langfristig!
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