Modern Value? Wie Berkshire nach Warren Buffett anlegen könnte
In Omaha fand am 1. und 2. Mai die Hauptversammlung von Berkshire Hathaway statt – zum ersten Mal seit den Sechzigern ohne Warren Buffett. Wie es nach ihm weitergehen könnte.
Heiko Böhmer

An diesem Wochenende blickt die Investmentwelt einmal mehr nach Omaha in den USA. Dort findet die Hauptversammlung von Warren Buffetts Beteiligungsgesellschaft Berkshire Hathaway statt – erstmals ohne eine aktive Rolle von Warren Buffett.
Ich bin in diesem Jahr wieder vor Ort und werde in der kommenden Woche meine Eindrücke an dieser Stelle teilen. Eine Frage, die sich aber aktuell stellt: Erleben wir jetzt den Wandel im Value Investing weg vom Old Value hin zum Modern Value? Denn Buffett ist nun nicht mehr der Kopf seiner Beteiligungsgesellschaft.
Fakt ist: Viele denken bei Value Investing an Unternehmen, die schon bessere Tage gesehen haben. Fabriken mit kaputten Ziegeln, schmierige Zigarrenstummel, die Buffett früher mal gern „aufgehoben“ hat, um symbolisch noch einen letzten Zug zu nehmen.
Doch das Value Investing von heute sieht anders aus. Modern Value ist die Weiterentwicklung – und sie hat drei Grundpfeiler:
- Qualität geht vor Preis: Modern Value sucht keine Schnäppchen ohne Zukunft. Firmen mit stabilem Wachstum und vertretbarer Bewertung stehen im Fokus.
- Der Burggraben zählt mehr als die Bilanz: Ein Unternehmen kann leicht bilanziell gesund sein, aber im Wettbewerb tot. Modern Value schaut: Wer kann auch in zehn Jahren noch konkurrenzfähig sein?
- Welche Geschäftsmodelle bleiben auch bei rasanten KI-Fortschritten stabil? Versicherungen? Ja. Rückversicherer? Ja. ASML? Definitiv. Social-Media-Startups? Eher nicht.
Buffetts Entwicklung vom Zigarrenstummel-Jäger zum Langfrist-Investor ist die Blaupause dafür, wie Privatanleger heute investieren sollten. Das Motto heißt hier: Nicht billig kaufen. Sondern gut kaufen.
Warum Buffett mit fünf Aktien auskommt
Wer so agiert, kann auch größere einzelnen Positionen halten. Beispiel Buffett: Seine fünf größten Positionen bei Berkshire machen über 70 Prozent des Aktienportfolios aus. Das klingt für viele Privatanleger nach komplettem Wahnsinn.
Doch Buffett wäre nicht Buffett, wenn das Zufall wäre. Er sagt: „Diversifikation ist Schutz vor Unwissenheit. Wer weiß, was er tut, braucht sie nicht.“ Das gilt für ihn. Das gilt aber nicht zwingend für Privatanleger.
Die Wahrheit liegt dazwischen: Buffett kann sich hohe Konzentration leisten, weil er Geschäftsmodelle besser analysiert als 99,9 Prozent aller Marktteilnehmer. Ein Privatanleger sollte dagegen nicht 70 Prozent in fünf Aktien packen – jedenfalls nicht, wenn er nicht täglich Geschäftsberichte seziert.
Aber: Breit in 1.000 Aktien investieren ist genauso Unsinn. Warum? Weil in jedem Index 50 bis 100 Titel die Musik machen. Der Rest ist statistische Deko bei den meisten Indizes, bei denen die Gewichtung auf Basis des Börsenwertes bestimmt wird. Buffett zeigt: Fokus ist mächtig – aber nur, wenn man ihn beherrscht. Für die meisten Anleger ist „breit, aber nicht zu breit“ die beste Lösung.
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