Frankfurt, 04. Mai (Reuters) - Der Softwarekonzern SAP will sein KI-Geschäft durch zwei Übernahmen ausbauen. Das Walldorfer Unternehmen kündigte am Montag an, die Datenplattform Dremio aus den USA und das Freiburger Startup Prior Labs zu übernehmen. Zu den Kaufpreisen machten die Beteiligten keine Angaben. SAP will jedoch in den kommenden vier Jahren mehr als eine Milliarde Euro in die Entwicklung der Produkte von Prior Labs investieren.
Das Freiburger Unternehmen, das als eigenständige Einheit erhalten bleiben soll, hat sich auf Künstliche Intelligenz (KI) spezialisiert, die für den Umgang mit Tabellen, Zahlen und Statistiken optimiert ist. Auf Basis solcher sogenannter strukturierter Daten soll die Software Vorhersagen über drohende Zahlungsausfälle oder zusätzliche Absatzchancen treffen. KI-Modelle wie ChatGPT von OpenAI stoßen hier häufig an ihre Grenzen. Die Software von Dremio dient dazu, die in Unternehmen vorhandenen Daten aus unterschiedlichen Quellen zu harmonisieren. Dies gilt als Grundlage für einen breiten Einsatz sogenannter KI-Agenten, die Aufgaben weitgehend selbstständig erledigen.
SAP und andere Anbieter von Firmensoftware stehen unter wachsendem Wettbewerbsdruck von KI-Entwicklern wie OpenAI oder Anthropic. Vor allem Anthropic hat in den vergangenen Monaten mit neuen Modulen für seine KI "Claude" wiederholt für Kursturbulenzen gesorgt. Einige Anleger befürchten, dass diese Technologie klassische Programme überflüssig machen könnte. SAP will daher die Gebühren für seine Software künftig vom Umfang des KI-Einsatzes statt von der Zahl der Nutzer abhängig machen.
(Bericht von Hakan Ersen. Redigiert von Olaf Brenner. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)
