Deutsche offener für E-Autos - Chinesische Anbieter mit Imagevorteil

Reuters · Uhr
Artikel teilen:

Berlin, 06. Mai (Reuters) - ⁠Die Deutschen interessieren sich zunehmend für Elektroautos und trauen dabei chinesischen Anbietern am meisten zu. 26 Prozent der Befragten gaben in einer Allensbach-Umfrage an, sich beim nächsten Autokauf ein elektrisches Fahrzeug vorstellen zu können. 2025 waren es 23 Prozent, 2024 sogar nur 17 Prozent. Die Bereitschaft steigt mit Bildungsniveau und Einkommen. Sie ist ‌zudem im Westen deutlich höher als im Osten, wie aus der am Mittwoch in München vorgestellten Studie weiter hervorgeht. Insgesamt wäre die Offenheit noch höher bei niedrigeren Kaufpreisen (60 Prozent), höheren Reichweiten (51 Prozent), ⁠kürzeren Ladezeiten (49 Prozent) ⁠und mehr Lademöglichkeiten (44 Prozent). Sieben Prozent der Haushalte haben bereits ein E-Auto.

China hat sich der repräsentativen Umfrage vom Februar zufolge einen Imagevorteil erarbeitet. 49 Prozent schreiben der Volksrepublik in diesem Bereich besonders gute Produkte zu. Das sind 15 Prozentpunkte mehr als 2025. Deutschland bescheinigen dies nur 27 Prozent, immerhin fünf Punkte mehr als im Jahr zuvor. Bei Japan und Südkorea sind es 17 beziehungsweise 14 Prozent. Die ‌USA - mit dem E-Auto-Pionier Tesla - liegen mit acht Prozent konstant ‌und weit abgeschlagen zurück.

Allensbach-Geschäftsführerin Renate Köcher sagte, eigentlich hätten deutsche Verbraucher keine rechte Vorstellung von chinesischen Autos. Der Imagevorteil sei auf eine intensive Medienberichterstattung zurückzuführen. Hinzu kämen die deutlich günstigeren Preise chinesischer Anbieter. Das sei eine enorme ⁠Herausforderung für deutsche Hersteller.

Die Deutsche Akademie der Technikwissenschaften (Acatech) hatte die Studie in Auftrag gegeben. Präsidiumsmitglied Thomas Weber ‌sagte, Deutschland habe die Chance, mit neuen Modellen aufzuholen. "Es ⁠ist aber kein Selbstläufer." Zumindest seien die Kosten gegenüber Verbrennern gerade seit den sprunghaft gestiegenen Tankstellenpreisen im Zuge des Nahost-Krieges besser geworden.

BMW verwies bei der Vorlage seiner Quartalszahlen auf eine anziehende Nachfrage vor allem nach Elektroautos. Für den im September eingeführten iX3 summierten sich die ‌Bestellungen auf 50.000 Fahrzeuge. BMW zog sogar den Zweischichtbetrieb ⁠im neuen Werk im ungarischen Debrecen vor, ⁠um die Nachfrage bedienen zu können.

DEUTSCHE WOLLEN BESSERE STRASSEN UND BESSERE BAHN

Laut Umfrage pochen die Deutschen auf eine Modernisierung der Infrastruktur - noch stärker von Straßen als von Schienen. 83 Prozent der Befragten halten die Sanierung des Straßennetzes für besonders wichtig, beim Schienennetz sind es 80 Prozent. Es folgen Brückensanierungen und der Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs. Im Vergleich zum Vorjahr seien alle Werte gestiegen. Etwa zwei von drei Deutschen glauben an Fortschritte in den nächsten Jahren, allerdings überwiegend nur an begrenzte.

Die Bundesregierung hat einen 500 Milliarden Euro schweren Sondertopf zur Sanierung der Infrastruktur aufgesetzt. Viele Kritiker bemängeln aber, ⁠dass das Geld anders als versprochen nicht komplett für zusätzliche Investitionen genutzt wird.

(Bericht von Christian Krämer, redigiert von Philipp Krach. Bei Rückfragen wenden Sie sich an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen ‌und Märkte).)

Plus-Analysen
Chance für Anleger?
Diese drei Aktien sind Übernahmekandidaten14. Mai · onvista
Dax-Aktie im Abwärtstrend
Wie tief kann Rheinmetall noch fallen?13. Mai · onvista