Nahost-Export bricht kriegsbedingt ein - Dreiviertel Milliarde im Minus
Berlin, 11. Mai (Reuters) - Die deutschen Exporte in den Nahen Osten sind nach Ausbruch des Iran-Kriegs am 28. Februar eingebrochen. Die Lieferungen in die Islamische Republik Iran sanken im März um 67 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat auf knapp 25 Millionen Euro, wie aus einer Auswertung der Nachrichtenagentur Reuters auf Basis erster Daten des Statistischen Bundesamtes hervorgeht.
Auch die Ausfuhren in benachbarte Länder sanken drastisch: Die nach Katar gaben um fast 60 Prozent auf rund 54 Millionen Euro nach, die in den Irak um 55 Prozent auf 58 Millionen Euro. Die Exporte nach Kuwait brachen um 58 Prozent auf rund 44 Millionen Euro ein, die nach Saudi-Arabien um gut 13 Prozent auf 643 Millionen Euro. Das Geschäft mit den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) schrumpfte um mehr als 38 Prozent auf 582 Millionen Euro, das mit Oman 17 Prozent auf knapp 45 Millionen Euro und das mit Bahrain um 64 Prozent auf 14,2 Millionen Euro.
"VOLLSTÄNDIGE ERHOLUNG WIRD DAUERN"
Insgesamt summierten sich die deutschen Exporte in die genannten acht Länder im März auf knapp 1,5 Milliarden Euro. Das waren 757 Millionen Euro weniger als ein Jahr zuvor. "Der starke Rückgang der Exporte in die Region ist zum einen auf den Krieg zwischen den USA/Israel und Iran und vor allem auf die in der Folge von Iran durchgesetzte Blockade der Straße von Hormus zurückzuführen", sagte der Experte der bundeseigenen Fördergesellschaft Germany Trade & Invest (GTAI), Peter Schmitz. Die Zahlen zeigten, dass Iran, Irak, Bahrain und Katar besonders stark betroffen seien. "Anders als Saudi-Arabien, die VAE oder Oman sind diese Länder viel stärker auf den Seeweg durch die Straße von Hormus angewiesen", erklärte der Experte. "Aus Kapazitätsgründen sind andere Routen über den Landweg oder das Rote Meer für alle Länder in der Region nur eingeschränkt als Alternativen nutzbar." Deutschland liefere vor allem Fahrzeuge, Maschinen und chemische Produkte in die Region.
Wie es weitergehe, werde daher stark von der Entwicklung an der Straße von Hormus abhängen. "Sollte der Seeweg wieder voll nutzbar sein, dürfte der Handel wieder zunehmen", sagte Schmitz. "Eine vollständige Erholung wird aber alleine aus logistischen Gründen Wochen benötigen." Darüber hinaus werde entscheidend sein, ob es gelinge, mittelfristig für Sicherheit und Stabilität zu sorgen und Vertrauen wiederherzustellen.
Langfristige Transformationspläne wie die Vision 2030 in Saudi-Arabien würden eine weitere Diversifizierung der Volkswirtschaften in der Region vorsehen. "Handel, Tourismus aber auch die Ansiedlung von Rechenzentren spielen darin eine Rolle, setzen aber Sicherheit und Stabilität voraus", sagte Schmitz.
"LAGE IST DRAMATISCH"
Die deutschen Groß- und Außenhändler beklagten derweil steigende Belastungen durch den Iran-Krieg. 90 Prozent der Unternehmen litten unter gestiegenen Transportkosten, teilte der Verband Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen (BGA) zu seiner Umfrage mit. "Die Lage im Logistikbereich ist durch die stetig steigenden Preise inzwischen dramatisch", sagte BGA-Präsident Dirk Jandura. Die steigenden Transport- und Energiekosten seien für viele Unternehmen in der Logistikbranche kaum noch zu schultern.
Ein Viertel aller Befragten berichtet den Angaben nach bereits von Produktionsausfällen aufgrund gestiegener Energiekosten. Mit einer Verschärfung von Material- und Warenengpässen rechnen fast 60 Prozent. Deshalb drohten in der zweiten Jahreshälfte deutlich steigende Preise. "Die Versorgung der Bevölkerung ist dabei nicht gefährdet, aber es wird eine Einschränkung der Angebotsvielfalt geben - im Food-, wie im Non-Food-Bereich, sollte die Sperrung weiter anhalten", sagte Jandura.
(Bericht von Rene WagnerRedigiert von Hans BusemannBei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com)



