Deutscher Leitindex legt trotz schlechter Iran-Nachrichten zu

Der Dax hat am Montag den fehlenden Verhandlungs-Fortschritten im Nahostkrieg getrotzt. Zum Handelsende notierte der deutsche Leitindex 0,05 Prozent fester bei 24.350 Punkten. Vergangene Woche hatte er angesichts von Entspannungssignalen mit gut 25.150 Zählern allerdings noch den höchsten Stand seit Kriegsbeginn Ende Februar erreicht.
Für den MDax mit den mittelgroßen Börsenunternehmen ging es am Montag letztlich um 0,9 Prozent auf 31.449 Punkte hoch.
Zwischen den USA und dem Iran drohen Bemühungen um ein Kriegsende erneut steckenzubleiben. US-Präsident Donald Trump bezeichnete die jüngste Antwort des Irans auf seinen Vorschlag für eine diplomatische Lösung als "völlig inakzeptabel". Er stieß weitere Drohungen gegen die Islamische Republik aus. Diese zeigte sich davon unbeeindruckt und stellte ihrerseits Forderungen.
Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu will den Krieg so lange fortführen, bis wichtige Fragen zum iranischen Atomprogramm geklärt sind. Der Ölpreis stieg angesichts dieser Äußerungen zu Wochenanfang wieder an.
Die Reaktion der Anleger auf die enttäuschenden Nachrichten aus Nahost sei "ausgesprochen moderat" ausgefallen, kommentierte Marcel Mußler, Herausgeber der gleichnamigen Börsen-Briefe. Es sei schon "sehr auffällig, dass die Aktienmärkte für positive Nachrichten derzeit wesentlich empfänglicher sind als für negative". Ausblenden könne man den Konflikt aber nicht, solange eine neue Eskalation nicht ausgeschlossen sei.
Andere Marktbeobachter verwiesen auch auf den im weiteren Wochenverlauf anstehenden Staatsbesuch von Trump in China. Die Anleger "suchen derzeit nach jedem Thema, das eine kurze Verschnaufpause vom Krisenherd Nahost ermöglichen kann, und hoffen auf neue Impulse im Verhältnis zwischen Washington und Peking sowie auf positive Signale für die Weltwirtschaft", schrieb Analyst Timo Emden.
Delivery Hero: Aktie mit 18 Prozent Plus
Mit einem Plus von 18 Prozent mit Abstand stärkster Wert in den Dax-Indizes war am Montag Essens-Plattformbetreiber Delivery Hero. Hintergrund ist, dass der kritische Delivery-Hero-Aktionär Aspex seine Beteiligung an dem Berliner Konzern aufstockt und damit den Druck auf Gründer und Vorstandschef Niklas Östberg verstärkt.
Der niederländische Technologie-Investor Prosus habe für rund 335 Millionen Euro ein fünfprozentiges Aktienpaket an den Vermögensverwalter aus Hongkong verkauft, teilte der Prosus-Großaktionär Naspers am Montag mit. Damit wächst die Beteiligung von Aspex an Delivery Hero auf 15 Prozent.
Aspex zahlte den Angaben zufolge für die zusätzlichen Anteile 22 Euro je Aktie. Dieser Preis liegt zehn Prozent über dem Delivery-Hero-Schlusskurs vom Freitag.
TKMS hofft auf Auftrag – Aktie verliert
Schwächster Wert im Index der mittelgroßen Werte war dagegen der Kieler U-Boot-Bauer TKMS. mit einem Verlust von 5,7 Prozent. Zwar wähnt sich das Unternehmen bei einem Großauftrag aus Kanada über ein Dutzend Boote in aussichtsreicher Position. "Ich gehe davon aus, dass wir das gewinnen", sagte TKMS-Chef Oliver Burkhard am Montag.
Das Rüstungsunternehmen konkurriert mit dem koreanischen Anbieter Hanwha Ocean um den Auftrag über den Bau von bis zu zwölf U-Booten. Das Auftragsvolumen dürfte nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur mehr als zehn Milliarden Euro betragen - je nach Anzahl der Boote. TKMS äußert sich dazu nicht.
Der Kurs gab dennoch nach. Zunächst hatte es nach der Vorlage von Halbjahreszahlen nach dem Handelsstart gut ausgesehen. Dann aber setzte sich bei den Anlegern die überwiegend schwache Branchenstimmung durch und der Kurs drehte klar in die Verlustzone.
(mit Material von Reuters und dpa-AFX)
Bleib auf dem Laufenden: Immer freitags um acht Uhr bekommst du von onvista-Redaktionsleiter Georg Buschmann das Börsenthema der Woche direkt ins Postfach, erfährst, welche Aktien die Community besonders interessieren und welche Termine an der Börse in der nöchsten Woche wichtig werden



