Hannover Rück zeichnet trotz Preisdruck mehr Geschäft
München, 11. Mai (Reuters) - Der Rückversicherer Hannover Rück bekommt die bröckelnden Preise in der Schaden-Rückversicherung zu spüren. In den Verhandlungen mit den Erstversicherern zum 1. April - zumeist in Asien und Nordamerika - seien die Preise risikobereinigt um 3,6 Prozent gesunken, teilte der Dax-Konzern am Montag in Hannover mit. Trotzdem habe Hannover Rück ein um fast 19 Prozent höheres Prämienvolumen gezeichnet. "Es ist ein weicher werdender Markt, aber es ist kein weicher Markt", sagte Finanzvorstand Christian Hermelingmeier in einer Telefonkonferenz. "Wir verdienen immer noch weit mehr als unsere Kapitalkosten." Hannover Rück sprach von "stabilen bis leicht nachgebenden Konditionen bei weiterhin adäquaten Preisen".
Der Versicherungsumsatz fiel im ersten Quartal aufgrund von Währungseffekten auf 6,5 (Vorjahresquartal: 7,0) Milliarden Euro und verfehlte damit deutlich die Analystenerwartungen. Allein die Aufwertung des Euro habe sieben Prozent Umsatz gekostet, sagte Hermelingmeier. Aber auch wechselkursbereinigt stand nur ein Plus von 0,6 Prozent zu Buche. Ein Kunde habe einige große strukturierte Verträge zurückgefahren, hieß es. Hannover Rück hält dank des deutlich höheren Neugeschäfts zum 1. April aber weiterhin für das Gesamtjahr eine Umsatzsteigerung von rund fünf Prozent für möglich.
Der Nettogewinn schnellte im ersten Quartal um 48 Prozent auf 710,6 Millionen Euro und lag leicht unter den Schätzungen der Analysten. Der rasante Gewinnanstieg lag an den Waldbränden in Los Angeles zu Jahresbeginn 2025, die damals das Budget gesprengt hatten. Hermelingmeier sprach von einer "Normalisierung" und bekräftigte das Ziel, in diesem Jahr auf einen Nettogewinn von mindestens 2,7 Milliarden Euro zu kommen.
Zu Jahresbeginn wurde das anteilige Großschaden-Budget in diesem Jahr mit 207 Millionen Euro nicht einmal zur Hälfte ausgeschöpft. Selbst wenn die Folgen des Iran-Kriegs sich dort noch niederschlagen sollten, gehe der Konzern davon aus, dass das Budget "komfortabel" ausreiche. Normale Verträge enthalten ohnehin Kriegsausschlüsse, und im Iran selbst zeichnet Hannover Rück wegen der Sanktionen kein Geschäft. Betroffen sein könnten aber Schiffs- und Luftfahrt-Versicherungen. "Konkrete Meldungen liegen allerdings bislang nur in geringem Umfang vor", hieß es in der Mitteilung.
An der Börse gaben die Aktie der Hannover Rück zu Handelsbeginn um 2,8 Prozent nach.
(Bericht von Alexander Hübner, redigiert von Ralf Banser. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)
