
Der Dax hat am Dienstag wieder deutlich nachgegeben und die Marke von 24.000 Punkten wieder verloren. Einmal mehr drückten Ängste um die unklare Lage im Iran-Krieg die Stimmung unter den Anlegern.
Der weiter ungelöste Nahost-Konflikt halte die Nervosität hoch, kommentierte Andreas Lipkow, Chef-Marktanalyst bei CMC Markets, das Handelsgeschehen. Ansonsten dominierte die laufende Berichtssaison der Unternehmen mit einer Flut von Quartalszahlen das Bild.
Im Sog der schwachen US-Börsen weitete der deutsche Leitindex sein Minus aus - zum Handelsende verlor er 1,62 Prozent auf 23.954 Punkte. Mit dem Rutsch unter die Marke von 24.000 Zählern trübte sich das charttechnische Bild weiter ein. Vergangene Woche hatte ihn noch Zuversicht über eine Einigung zwischen den USA und dem Iran mit etwas über 25.150 Punkten auf den höchsten Stand seit Kriegsbeginn getrieben. Doch die Waffenruhe zwischen beiden Ländern hängt laut US-Präsident Donald Trump inzwischen nur noch an einem seidenen Faden.
Der MDax, der Index der mittelgroßen Werte, schloss 1,39 Prozent tiefer mit 31.010 Punkten. Für den Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 ging es um 1,5 Prozent bergab.
Die Situation im Iran-Krieg scheint festgefahren. "Die Hoffnungen ruhen jetzt darauf, dass China als erfolgreicher Vermittler zwischen den Kriegsparteien agieren wird", kommentierte Portfoliomanager Thomas Altmann vom Vermögensverwalter QC Partners. Trump wird China in Kürze besuchen. Dabei soll es zwar hauptsächlich um die Beilegung des Handelsstreits der zwei weltweit größten Volkswirtschaften gehen, am Markt erhofft man sich aber auch positive Impulse in Sachen Iran-Krieg.
Von Seiten der Unternehmen hierzulande läuft die zu Ende gehende Berichtssaison auf Hochtouren. Aus dem Dax standen vier Konzerne im Blick sowie zahlreiche weitere aus MDax und SDax.
Bayer und Scout24 in schwächeren Markt mit Gewinnen
Die Bayer-Aktie war einer der Lichtblicke im Dax mit plus 3,7 Prozent. Gute Geschäfte rund um Soja- und Maissaatgut sowie das laufende Sparprogramm verhalfen zu einem überraschend starken Jahresstart. Scout24 profitierten von Aussagen zur nächsten Wachstumsstufe mit KI-Hilfe und legten um 3,1 Prozent zu.
Das Papier der Munich Re indes war größter Verlierer mit minus sechs Prozent. Am Markt wurde auf den im Vergleich zur durchschnittlichen Analystenschätzung leicht verfehlten Nettogewinn verwiesen. Auch sei das operative Ergebnis des Rückversicherers schwächer als erwartet ausgefallen.
Unter Gewinnmitnahmen nach einem bisher sehr starken Lauf in diesem Jahr litt der Anteilsschein von Siemens Energy mit minus fünf Prozent. Der Energietechnikkonzern will nach einem guten zweiten Geschäftsquartal noch in diesem Geschäftsjahr weitere Mittel an seine Aktionäre fließen lassen, wie er anlässlich der Veröffentlichung endgültiger Zahlen mitteilte.
Viele Zahlenvorlagen in den hinteren Reihen
Unter den zahlreichen berichtenden Unternehmen aus der zweiten und dritten Reihe ragten im MDax vor allem Jenoptik mit einem Kursplus von 7,8 Prozent heraus. Warburg-Analyst Malte Schaumann lobte die starken Aufträge des Technologiekonzerns im Halbleitergeschäft. Salzgitter stiegen nach detaillierten Zahlen um 4,1 Prozent und Ionos profitierten von starken Nettoneukundenzahlen und Aussagen zum KI-Geschäft und gewannen 9,6 Prozent.
Im SDax hatten Carl Zeiss Meditec die Nase vorn mit plus 12,4 Prozent. Am Markt wurde vor allem die Profitabilität des Medizintechnikunternehmens gelobt. Elmos mit minus 11,7 Prozent und Medios mit minus 13,5 Prozent waren zugleich die größten Index-Verlierer. Chiphersteller Elmos gab eine umfangreiche Aktienplatzierung durch zwei Großaktionäre bekannt. Das Spezialpharma-Unternehmen Medios bekam im insgesamt wachsendem Geschäft des ersten Quartals Preisrückgänge bei diversen Produkten zu spüren sowie steigende Kosten bei Logistik und Energie.
Gold rutscht ebenfalls merklich ab
Der Euro gab wiederum deutlich nach. Am Nachmittag wurde die Gemeinschaftswährung bei 1,1728 US-Dollar gehandelt. Im frühen Handel hatte sie noch rund einen halben Cent höher notiert. Die Europäische Zentralbank setzte den Referenzkurs auf 1,1738 (Montag: 1,1765) Dollar fest. Der Dollar kostete damit 0,8519 (0,8499) Euro.
Die hohe Unsicherheit mit Blick auf die Lage im Nahen Osten belastete den Euro. Die USA und der Iran konnten bei ihren Bemühungen um ein Ende des Kriegs keine Fortschritte erzielen. Über das Wochenende haben beide Länder vielmehr ihre jüngsten Vorschläge gegenseitig zurückgewiesen. US-Präsident Donald Trump bezeichnete die jüngste Antwort des Irans als "völlig inakzeptabel" und sprach weitere Drohungen gegen die Islamische Republik aus. Der US-Dollar als Weltleitwährung wurde gesucht.
Auch Gold rutschte wieder ab. Der Preis je Feinunze (31,1 Gramm) fiel um deutliche 2,35 Prozent auf 4.655 US-Dollar. In Euro ging es um 1,9 Prozent bergab. Gold gilt üblicherweise als Krisenwährung, bewegt sich aber seit den wilden Kursschwankungen zu Jahresbeginn häufig parallel zu den Aktienmärkten. Darum tendierte der Kurs zuletzt bei gestiegener Unsicherheit meistens nach unten.
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(mit Material von dpa-AFX)


