Regierungskrise treibt britische Anleihenrendite auf höchsten Stand seit 1998
Berlin, 12. Mai (Reuters) - Die politische Krise in Großbritannien strahlt auf die Finanzmärkte aus. Die Renditen für langlaufende britische Staatsanleihen stiegen am Dienstag auf den höchsten Stand seit fast 30 Jahren. Gleichzeitig geriet das Pfund unter Abwertungsdruck, während die Aktienkurse fielen. Anleger befürchten einen Führungswechsel an der Regierungsspitze, der die Haushaltsdisziplin schwächen könnte. Premierminister Keir Starmer beriet mit Kollegen über seinen Verbleib im Amt. Zuvor hatten nach einer schweren Niederlage seiner Labour-Partei 80 Abgeordnete öffentlich seinen Rücktritt gefordert.
Unter Investoren geht nun die Sorge um, dass ein Nachfolger weiter links stehen könnte als Starmer und auf höhere Ausgaben drängen könnte. Das könnte die ohnehin angeschlagenen britischen Staatsfinanzen weiter belasten. Die Rendite der zehnjährigen Staatsanleihen sprang deshalb um 0,11 Prozentpunkte auf 5,11 Prozent. Zum Vergleich: Die Rendite der entsprechenden deutschen Bundesanleihe liegt bei rund drei Prozent.
Die Renditen der länger laufenden 20- und 30-jährigen Anleihen - die besonders empfindlich auf Haushaltsrisiken reagieren - kletterten jeweils auf den höchsten Stand seit 1998. Die Kreditkosten Großbritanniens sind bereits die höchsten unter den führenden Industriestaaten (G7) und seit dem Iran-Krieg am stärksten gestiegen. Das schränkt den Ausgabenspielraum der Regierung erheblich ein, da die Zinskosten einen erheblichen Teil der Einnahmen verschlingen.
"Der Anleihemarkt reagiert nicht nur auf Starmers möglichen Abgang, sondern auch darauf, wer sein Nachfolger sein könnte", sagte Analystin Kathleen Brooks vom Broker XTB. Dies gelte zudem für "die Aussicht auf einen langwierigen Führungskampf, der zu weiteren Ausgabenversprechen führt, die sich Großbritannien nicht leisten kann".
Das Pfund fiel um 0,7 Prozent auf 1,351 Dollar und gab gegenüber dem Euro um 0,4 Prozent auf 86,92 Pence nach. Auch die Aktienmärkte gerieten unter Druck. Der Leitindex FTSE 100 verlor 0,5 Prozent. Besonders betroffen waren Bankaktien wie Barclays, Natwest und Lloyds, die zwischen drei und vier Prozent nachgaben. Analysten von JPMorgan erklärten, sie rechneten nun mit einem Anstieg des Banken-Zuschlags von drei auf fünf Prozent, da ein politischer Linksruck wahrscheinlicher werde.
(Bericht von Yoruk Bahceli, geschrieben von Rene WagnerRedigiert von Hans BusemannBei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com)


