Die meisten deutschen Firmen wollen Investitionen in China ausweiten
Berlin, 12. Mai (Reuters) - In China tätige deutsche Unternehmen wollen ihre Investitionen in der Volksrepublik ausweiten. Das geht aus einer Umfrage der Deutschen Handelskammer in China hervor, die am Dienstag in Peking veröffentlicht wurde. In den nächsten zwei Jahren planen demnach 61 Prozent mit höheren Investitionen. Im Vorjahr waren es nur 53 Prozent. Es ist damit der höchste Stand seit 2023. Elf Prozent rechnen mit sinkenden Investitionen.
Die Auslandshandelskammer hat Mitte April 216 ihrer mehr als 1800 Mitgliedsunternehmen befragt, unter anderem aus den Bereichen Maschinenbau, Autos und Elektronik. Insgesamt sind die Firmen beim Umsatz, Gewinn und bei der Entwicklung der Mitarbeiterzahl etwas optimistischer als im Vorjahr. 37 Prozent rechnen in den nächsten sechs Monaten mit einer Verbesserung der chinesischen Wirtschaft. Das sind satte 22 Punkte mehr als im Vorjahr. Nur 17 Prozent erwarten eine Verschlechterung. Für ihre eigene Branche sehen 34 Prozent eine Verbesserung, aber auch 33 Prozent eine Verschlechterung. 42 Prozent prognostizieren höhere Erlöse, 29 Prozent höhere Gewinne.
Vom Krieg in Nahost sind drei von vier Unternehmen betroffen. Geklagt wird vor allem über gestiegene Logistikkosten. Auch die Zollstreitigkeiten spielen weiter eine große Rolle. 69 Prozent der befragten Firmen gaben an, negativ von den Handelsspannungen zwischen den USA und China betroffen zu sein. Bei den Spannungen zwischen der EU und China sind es 59 Prozent.
AUTOINDUSTRIE MUSS KÄMPFEN
Die deutsche Autoindustrie ist vergleichsweise pessimistisch. Nur 18 Prozent rechnen hier mit einer Verbesserung der wirtschaftlichen Situation, 56 Prozent nicht mit einer Veränderung. Die Investitionsbereitschaft in der Branche ist unterdurchschnittlich.
Insgesamt sind deutsche Unternehmen im Ausland in einer schwierigen Lage, unter Druck von den USA und China, wie Oliver Oehms von der Deutschen Handelskammer in China sagte. Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) will Ende Mai nach Peking reisen. Die Erwartung sei, dass sie mit der chinesischen Regierung mehr ins Detail gehe, so Oehms. China sei durchaus offen für eine stärkere Zusammenarbeit. Die Bundesregierung müsse versuchen, Exportkontrollen der Volksrepublik abzumildern und allgemein für gleiche Wettbewerbsbedingungen zu sorgen. Dabei sei kein Durchbruch zu erwarten. Die Zeit für den Austausch sei aber gut.
Kanzler Friedrich Merz (CDU) war Ende Februar in China. Die Bundesregierung setzt sich für einen verlässlicheren Zugang zu Rohstoffen ein. Deutschland ist bei vielen Rohstoffen stark abhängig von China. In der Industrie flutet die Volksrepublik bei einigen Produkten den europäischen Markt mit Dumpingpreisen. Darüber müsse gesprochen werden, so Merz damals.
(Bericht von Christian Krämer. Redigiert von Christian Götz. Bei Rückfragen wenden Sie sich an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)




