Windkraft sorgt bei RWE für steigende Gewinne zum Jahresauftakt
Düsseldorf, 13. Mai (Reuters) - Rückenwind durch erneuerbare Energien: RWE hat zum Jahresauftakt deutliche Gewinnzuwächse eingefahren. "Ein wesentlicher Grund waren die gegenüber dem Vorjahr verbesserten Windverhältnisse in Europa", teilte der Konzern am Mittwoch mit, der sein Ökostrom-Geschäft ausbaut und dabei auch auf Windkraft setzt. RWE hat seit Ende März 2025 neue Windkraftanlagen, Solarparks und Batteriespeicher mit einer Gesamtkapazität von 2,3 Gigawatt in Betrieb genommen. Bei den Gas- und Strompreisen erwartet RWE infolge des Iran-Kriegs aktuell einen weiteren Anstieg. Bernstein-Analysten bescheinigten RWE einen guten Start ins Jahr. Aktien des Energieriesen notierten nach einem schwachen Handelsauftakt kaum verändert. Händler sprachen von Gewinnmitnahmen.
Das bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) kletterte im ersten Quartal um mehr als 20 Prozent auf 1,6 Milliarden Euro, was im Rahmen der Analystenschätzungen lag. Im Bereich Offshore-Windkraft legte das Ebitda sogar um die Hälfte auf 570 Millionen Euro zu. RWE profitierte von einer Entschädigung von 332 Millionen Euro aus den Niederlanden. RWE konnte dort in einem Kraftwerk weniger Strom produzieren, weil die Regierung die Verstromung des CO2-Treibers Kohle eingeschränkt hatte. Die EU-Kommission genehmigte die Zahlung. In den Jahreszielen 2026 sei diese noch nicht berücksichtigt, machte Finanzchef Michael Müller deutlich. Daher sei er nun optimistischer mit Blick auf die Prognose.
Der bereinigte Nettogewinn erreichte im Konzern rund 600 (Vorjahr: 500) Millionen Euro. "Nach einem guten Start ins Jahr bekräftigen wir unsere Ergebnisprognose", bilanzierte Müller. "Unser Portfolioausbau macht große Fortschritte, allen voran unsere großen Offshore-Wind-Projekte." Für 2026 peilt RWE ein Ebitda zwischen 5,2 und 5,8 Milliarden Euro an. Der bereinigte Nettogewinn soll zwischen 1,55 und 2,05 Milliarden Euro liegen. Der Konzern will unter anderem von der Inbetriebnahme neuer Wind- und Solarparks sowie Batteriespeichern profitieren.
AUSBAU IN DEN USA TROTZ TRUMP
Aber auch in Übersee plant RWE zu expandieren: Der Konzern will sein Geschäft in den USA mit milliardenschweren Investitionen erweitern. Vor allem der Boom bei Künstlicher Intelligenz (KI) und der damit verbundene Bau und Betrieb von Rechenzentren erfordere riesige Mengen an Energie. RWE-Chef Markus Krebber hatte angekündigt, dass RWE von 2026 bis 2031 insgesamt 35 Milliarden Euro in den Ausbau seiner Stromerzeugung investiert. Allein 17 Milliarden Euro sollen in den USA fließen.
Die Ökostrombranche ist unter US-Präsident Donald Trump massiv unter Druck geraten. Trump findet Windräder hässlich und hat sich unter anderem gegen den Ausbau der Offshore-Windenergie ausgesprochen. RWE verzeichne in den USA aber weiter eine rege Nachfrage nach erneuerbaren Energien, unterstrich Müller.
Auswirkungen der US-Politik sieht Müller auch auf die bereits gestiegenen Gas- und Strompreise nach den Angriffen Israels und der Vereinigten Staaten auf Iran. "Gaspreise prägen maßgeblich den Strompreis", betonte Müller. Egal, wie lange der Iran-Konflikt anhalte, eine Normalisierung der Lage an den Märkten werde sicher deutlich länger dauern. "Das wird natürlich tendenziell zu weiter steigenden Gaspreisen führen - und potenziell zu einem Ansteigen der Strompreise", fügte er hinzu. Bei RWE könne dies über Umwege zu zusätzlichen Erlösen führen. Überlegungen zu einer staatlichen Gasreserve in Deutschland unterstützte Müller.
(Bericht von Christoph Steitz und Matthias Inverardi, redigiert von Sabine Wollrab. Bei Rückfragen wenden Sie sich bittean unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)


