KNDS will mit Börsengang nicht auf Bundesregierung warten
München, 15. Mai (Reuters) - Der Panzerbauer KNDS will mit seinem Börsengang nicht auf eine Entscheidung der Bundesregierung zum Einstieg bei dem deutsch-französischen Unternehmen warten. "KNDS setzt seine Vorbereitungen für einen möglichen Börsengang entlang des ursprünglichen Zeitplans fort, mit voller Unterstützung der Eigentümer und des Verwaltungsrats", erklärte Vorstandschef Jean-Paul Alary am Freitag laut einer Mitteilung. KNDS prüfe weiterhin das frühestmögliche Zeitfenster für den Schritt. In Regierungskreisen hieß es, Wirtschafts- und Verteidigungsministerium hätten KNDS gebeten, den noch vor der Sommerpause geplanten Börsengang auf den Herbst zu verschieben. Man brauche mehr Zeit für Gespräche über den Einstieg und die Verteilung von Anteilen zwischen Deutschland und Frankreich. Dazu habe es einen Brief an KNDS gegeben, von dem auch andere Medien berichtet hatten.
Hintergrund ist, dass dem Bund bei den Verhandlungen über einen geplanten Einstieg die Zeit davonläuft. Erst vor kurzem hatten die Staatssekretäre im Verteidigungs- und im Wirtschaftsministerium den beiden KNDS-Eigentümerfamilien Bode und Braunbehrens ihr Interesse signalisiert, ihnen noch vor dem Börsengang einen Anteil von 30 bis 40 Prozent abzukaufen. "KNDS würde natürlich eine mögliche Beteiligung der Bundesregierung am Aktionärskreis begrüßen", erklärte KNDS dazu. "Die Konzentration gehört gleichwohl der sorgsamen Vorbereitung des Börsengangs im besten Interesse des Unternehmens, seiner bestehenden Eigentümer, Mitarbeiter und Kunden."
Ein Sprecher des Bundeswirtschaftsministeriums bekräftigte das Interesse an einem Einstieg: "KNDS hat für die Sicherheitsinteressen Deutschlands große Bedeutung. Mit Blick auf den geplanten Börsengang prüft die Bundesregierung daher einen möglichen Bundeseinstieg zum Schutz der verteidigungsindustriellen Schlüsseltechnologien." Gespräche mit den Eigentümern liefen dazu. Zu Alarys Äußerungen wolle man nicht Stellung nehmen. Eine Sprecherin des Verteidigungsministeriums sagte, zu laufenden Abstimmungen nehme man keine Stellung.
Die Familien Bode und Braunbehrens hatten die ehemalige, in KNDS aufgegangene Krauss-Maffei Wegmann in für die Rüstungsindustrie mageren Zeiten gestützt. Sie wollen den milliardenschweren Börsengang zum Ausstieg nutzen. Dabei könnten die Familien und der französische Staat jeweils zehn Prozent der Anteile verkaufen. KNDS könnte dabei mit bis zu 20 Milliarden Euro bewertet werden. Die Bundesregierung ist sich aber noch uneins, ob sie den Familien deren restlichen Anteil komplett abkaufen will, um mit den Franzosen auf Augenhöhe zu sein, oder ob sie sich mit 30 Prozent begnügt. Laut Insidern hat auch der tschechische Rüstungskonzern CSG Interesse an einem Einstieg angemeldet, die Familien würden aber den Bund als Käufer bevorzugen.
(Bericht von Alexander Hübner und Markus Wacket. Mitarbeit Holger Hansen, redigiert von Olaf Brenner. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)




