26. Mai (Reuters) - Der britische Ölkonzern BP hat seinen erst vor wenigen Monaten ernannten Aufsichtsratschef Albert Manifold mit sofortiger Wirkung entlassen und dies mit Problemen bei der Unternehmensführung und beim Verhalten begründet. Das Unternehmen teilte am Dienstag mit, dem Vorstand seien schwerwiegende Bedenken im Zusammenhang mit wichtigen Standards der Unternehmensführung, der Aufsicht und des Verhaltens vorgetragen worden. "Der Vorstand war überrascht und enttäuscht, von den als inakzeptabel erachteten Problemen bei der Unternehmensführung und im Verhalten zu erfahren, und hat entschlossen gehandelt", sagte die dienstälteste unabhängige Direktorin Amanda Blanc, die Manifolds Ernennung im Oktober beaufsichtigt hatte. Ein BP-Sprecher lehnte eine weitere Stellungnahme ab.
Der Konzern wurde in den vergangenen Jahren von Skandalen und wiederholten Führungswechseln erschüttert. Vor weniger als drei Jahren wurde der damalige BP-Chef Bernard Looney entlassen, weil er den Vorstand über persönliche Beziehungen belogen hatte. Sein Nachfolger Murray Auchincloss schied im Dezember überraschend aus. Manifold hatte die Ernennung der ehemaligen Chefin von Woodside, Meg O'Neill, zur fünften Vorstandsvorsitzenden von BP seit 2020 beaufsichtigt. Sie soll die strategische Neuausrichtung des Unternehmens weg von erneuerbaren Energien und zurück zu fossilen Brennstoffen beschleunigen.
Bereits im April hatte es Anzeichen für Unmut gegeben. Auf der Hauptversammlung von BP erhielt die Ernennung von Manifold zum Vorsitzenden mit rund 82 Prozent der Stimmen eine geringere Zustimmung als üblich. Der Stimmrechtsberater Glass Lewis hatte damals erklärt, Manifold sei letztlich für die Entscheidung von BP verantwortlich, eine von der Klimaaktivistengruppe "Follow This" eingereichte Resolution auszuschließen, und empfahl daher, gegen ihn zu stimmen.
(Bericht von Shadia Nasralla und Raechel Thankam Job, bearbeitet von Tom Käckenhoff. Redigiert von Olaf Brenner. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)