Das Chartbild bei Bitcoin verheißt nichts Gutes
Bitcoin leidet derzeit unter gleich mehreren Faktoren. Zugleich verschlechtert sich das Chartbild der wichtigsten Kryptowährung. Hier erfährst du, was passieren muss, damit der Abwärtstrend endet.
Alexander Mayer

Der Bitcoin-Kurs kann sich charttechnisch nicht aus seiner zyklischen Dynamik befreien und scheint zu bestätigen, was die für die Kryptowährung typischen saisonalen Muster implizieren: der übergeordnete Abwärtstrend dürfte sich weiter fortsetzen, nachdem der 200-Tage-Trend zuletzt als klarer charttechnischer Widerstand aufgetreten ist.
Im Wochenchart droht ein Verlust des Bullmarket-Supportbands, sowie des Bereichs um die Marke von 73.000 Dollar als charttechnische Unterstützung.

Damit steckt Bitcoin vorerst weiterhin in seinem Vierjahreszyklus-Narrativ, welches das Jahr 2026 als Bärenmarktjahr deklariert. Die zwischenzeitliche Stärke um den Beginn des zweiten Quartals herum ist ebenfalls als wiederkehrendes saisonales Muster aufgetreten. Die aktuelle Kursschwäche entspricht der üblichen Schwächephase, die bei Bitcoin um die Sommermonate herum auftritt.
Institutionelles Interesse lässt nach
Ein zentraler Belastungsfaktor besteht aus den jüngsten Abflüssen aus den US-Spot-Bitcoin-ETFs. Innerhalb weniger Tage haben Anleger mehr als 1,5 Milliarden Dollar aus den Produkten abgezogen. An einem einzelnen Handelstag summierten sich die Nettoabflüsse laut Marktdaten sogar auf mehr als 700 Millionen Dollar – der höchste Wert seit Ende Januar.
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Marktbeobachter führen das unter anderem auf die Auflösung von Basis-Trades, institutionelles De-Risking und eine anhaltende Rotation in KI-Werte zurück. Die ETF-Ströme waren in den vergangenen Monaten einer der wichtigsten Treiber für die Bitcoin-Rally. Drehen diese Zuflüsse nachhaltig ins Negative, verliert der Markt einen entscheidenden Nachfragekanal.
Parallel dazu enttäuscht der regulatorische Fortschritt in Washington. Zwar bleiben der Clarity Act und weitere Krypto-Gesetze grundsätzlich wichtige langfristige Katalysatoren. Doch konkrete Abstimmungstermine fehlen weiterhin. Das bremst die Erwartung, dass regulatorische Klarheit kurzfristig neues institutionelles Kapital freisetzen könnte.
Hinzu kommt, dass einzelne Nachrichten das Sentiment zusätzlich belasten. Dazu zählen anhaltende Bitcoin-Verkäufe durch Miner, die sich zunehmend auf KI-Infrastruktur konzentrieren und Kapital für den Umbau des Geschäftsmodells umschichten. In einem ohnehin angeschlagenen Marktumfeld verstärken solche Signale die Sorge, dass zusätzliches Angebot auf den Markt kommen könnte.
Der Markt interessiert sich derzeit nicht für Krypto
Während sich sowohl Bitcoin als auch Gold charttechnisch schwach präsentieren, jagen die US-Aktienmärkte weiterhin neuen Rekordhochs entgegen. Sowohl der Nasdaq und der S&P 500 als auch der US-Smallcap Index Russell 2000 notieren auf neuen Allzeithochs.
Der anhaltende KI-Boom und die robuste US-Wirtschaft lenken das Kapital in Aktien. Die Ergebnisse des ersten Quartals 2026 waren außergewöhnlich stark und tragen entscheidend zu dieser Rotation bei. Über 83 Prozent der S&P-500-Unternehmen haben die Schätzungen übertroffen und die Gewinnmargen liegen auf Rekordniveau. Das ist das sechste Quartal in Folge mit zweistelligem EPS-Wachstum.
Der sogenannte KI-CapEx-Boom - Investitionen in Rechenzentren, Chips etc. - treibt vor allem den Nasdaq und S&P 500 an. Tech-Giganten und Halbleiteraktien profitieren massiv, aber die Rally ist nicht mehr nur auf die „Magnificent Seven“ beschränkt, sondern erstreckt sich mittlerweile auch auf Smallcaps, wie an der Kursentwicklung des Russell 2000 zu sehen ist. Eine teilweise Rotation aus den hochbewerteten Tech-Aktien in domestisch orientierte Aktien findet statt.
Der Markt blickt weiterhin optimistisch auf die wirtschaftliche Entwicklung und setzt auf eine absehbare Deeskalation des Nahost-Konflikts oder zumindest auf begrenzte wirtschaftliche Auswirkungen. Nicht nur Tech, sondern auch Industrie, Energie und Value-Sektoren ziehen mit, da die Hoffnung auf ein stabiles US-Wachstum anhält.
Das Umfeld für Bitcoin bleibt schwierig
Während die regulatorischen Fortschritte weiterhin auf sich warten lassen, liefert auch die US-Geldpolitik aktuell keinen Rückenwind für Bitcoin. Minneapolis-Fed-Präsident Neel Kashkari machte deutlich, dass die Inflation weiterhin zu hoch sei und die Fed ihren Fokus auf Preisstabilität nicht lockern könne.
Für Bitcoin ist das relevant, weil der Markt zuletzt offenbar auf mehr Liquidität, eine expansivere Fed-Bilanz und perspektivisch sinkende Zinsen gesetzt hatte. Wenn steigende Ölpreise und geopolitische Risiken diesen Pfad infrage stellen, wird die Liquiditätsstory für Bitcoin kurzfristig fragiler.
Langfristig bleiben die fundamentalen Treiber für den Krypto-Markt bestehen. Die Tokenisierungswelle der Wallstreet schreitet trotz der aktuellen Marktschwäche weiter voran. Banken, Vermögensverwalter und große Finanzakteure bereiten sich zunehmend darauf vor, traditionelle Vermögenswerte wie Anleihen, Aktien oder Geldmarktfonds auf die Blockchain zu bringen.
Besonders der Clarity Act könnte dabei zum entscheidenden Katalysator werden, da ein klarer regulatorischer Rahmen institutionelles Kapital und neue Geschäftsmodelle deutlich aggressiver in den Sektor lenken dürfte. Hinzu kommt, dass die strukturellen Probleme des globalen Finanzsystems ungelöst bleiben. Die anhaltende US-Schuldenkrise, steigende Refinanzierungskosten und die hohe Abhängigkeit der Märkte von künstlicher Liquidität sprechen langfristig weiterhin für neue geldpolitische Interventionen.
Gleichzeitig bleibt die geopolitische Lage fragil. Eine weitere Eskalation im Nahen Osten oder neue Spannungen an den globalen Anleihemärkten könnten jederzeit erneut Liquiditätsprobleme auslösen und damit den Druck auf die Federal Reserve erhöhen, die Märkte wieder mit zusätzlicher Liquidität zu stabilisieren. Genau in solchen Phasen rückt Bitcoin als liquiditätssensitives Asset oft schnell wieder in den Fokus. Kurzfristig dominiert jedoch weiterhin das Gegenteil dieses Szenarios.
Bitcoin bleibt im Spannungsfeld aus einem intakten Vierjahreszyklus, einem restriktiven geldpolitischen Umfeld und einer anhaltenden Kapitalrotation in KI- und Aktienwerte gefangen. Solange der 200-Tage-Trend nicht nachhaltig zurückerobert werden kann und institutionelle Zuflüsse schwach bleiben, spricht das Basisszenario daher weiterhin für eine Fortsetzung des übergeordneten Abwärtstrends. Wirklich interessant könnte die Lage erst wieder ab dem vierten Quartal werden, wenn Bitcoin saisonal betrachtet historisch häufiger in eine neue Aufwärtsphase übergegangen ist.
Denken Sie langfristig!
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