Kolumne von Heiko Böhmer

Riestern war gestern - mit dem AVD kommt eine echte Chance

Heiko Böhmer · Uhr (aktualisiert: Uhr)
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Quelle: Ground Picture/Shutterstock.com

Seit 25 Jahren am Markt und das mit ungefähr 16 Millionen abgeschlossenen Verträgen. Und trotzdem: Das Flaggschiff der staatlich geförderten Altersvorsorge ist gescheitert. Die Riester-Rente war keine per se schlechte Idee — aber ihre Umsetzung war ein Lehrstück in parlamentarischer Überregelung.

Jetzt kommt das Altersvorsorgedepot. Wir nennen es AVD. Und das ist ein Paradigmenwechsel.

Warum Riester scheiterte

Die Idee war richtig. Eine kapitalgedeckte Säule neben der gesetzlichen Rente — das hatte Substanz. Vor 25 Jahren hat die Politik das erkannt. Was nicht stimmte, war die Umsetzung. Drei Faktoren haben das Modell ausgebremst.

Erstens: die Garantiepflicht. Wer staatliche Förderung wollte, musste garantieren, dass am Ende mindestens das eingezahlte Kapital zurückkommt. Doch solche Garantien kosten Geld und damit Rendite. In der Niedrigzinsphase der vergangenen Dekade waren viele Verträge faktisch unattraktiv.

Zweitens: die Komplexität. Bürokratische Bedingungswerke, schwer vergleichbare Produkte, intransparente Kostenstrukturen. Wer es genau wissen wollte, verlor sich. Wer es nicht wissen wollte, ließ es sein – wusste dann aber auch nicht genau, in was er investierte.

Drittens: der Vertrauensverlust. 16 Millionen Verträge in 25 Jahren — in einem Land mit fast 84 Millionen Einwohnern. Das ist keine Erfolgsquote. Das ist ein Warnsignal. Die Politik hat es registriert.

Deutschland hinkt hinterher

Ein Blick nach Europa genügt. Polen, Schweden, die Skandinavier, die Franzosen — dort ist die kapitalgedeckte Altersvorsorge längst selbstverständlich. Deutschland, eine der führenden Volkswirtschaften der Welt, hat zugeschaut.

Das hat auch mit Mentalität zu tun. Statistisch gibt es in Deutschland mehr abgeschlossene Lebensversicherungs-Verträge als Einwohner. Sicherheit war das Leitprinzip. Rendite war verdächtig. Auf Sichteinlagen liegen mittlerweile fast drei Billionen Euro. Drei Billionen. Kaum verzinst, kaum investiert, kaum produktiv.

Demografie ist Mathematik

Man kann über viele Dinge streiten. Über Demografie nicht. Die 18-Jährigen von morgen sind heute bereits geboren. Wer in 20 Jahren Rentner versorgen muss, weiß bereits heute, wie viele Einzahler dann da sein werden. Das ist keine Prognose. Das ist Arithmetik.

Norbert Blüm hat 1986 auf Plakatsäulen geklebt: „Die Rente ist sicher.“ 40 Jahre später wissen wir: Die gesetzliche Rente ist Basisabsicherung — mehr wird man von ihr nicht erwarten können. Das hat auch der Bundeskanzler kürzlich so formuliert und ist dafür gescholten worden. Dabei sagt er nur das, was Demografen seit Jahrzehnten wissen.

Was das AVD anders macht

Am 8. Mai 2026 hat der Bundesrat zugestimmt. Was unter der FDP als Altersvorsorge-Reformgesetz begann, hat zwei Koalitionen überlebt — und kommt jetzt. Zu Recht. Das Entscheidende: Erstmals in der Geschichte staatlich geförderter Altersvorsorge in Deutschland gibt es keine Garantiepflicht mehr. Wer eine 80- oder 100-prozentige Beitragsgarantie will, kann sie wählen. Wer nicht will, muss nicht. Der Staat fördert auch ohne. Das öffnet den Weg zu Aktien, zu Aktienfonds, zur echten Kapitalmarktbeteiligung — staatlich unterstützt.

Ab dem 1. Januar 2027 können die ersten Verträge abgeschlossen werden. Das AVD ist keine kosmetische Korrektur. Es ist eine echte Chance — für Anlegerinnen und Anleger, und für alle, die sie beraten. Wer sich jetzt informiert, wer Kunden jetzt begleitet, ist in einer starken Position. Die nächsten Monate sind Bewusstseinsarbeit. Aufklärung. Vorbereitung. Die Reform ist da. Jetzt liegt es an uns allen, sie zu nutzen.

Altersvorsorge-Depot
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