Broadcom: Zahlen sensationell – warum der Kurs trotzdem fällt
Broadcom hat ein sensationelles Quartal gemeldet: Umsatz plus 48 Prozent, KI-Halbleiterumsatz plus 143 Prozent, Q3-Guidance eine Milliarde über Konsens. Trotzdem eröffnet die Aktie mit einem deutlichen Gap nach unten. Für mich ist das eine Einstiegsgelegenheit.
Martin Goersch
Was bewegt die Aktie?
Der Gesamtumsatz stieg um 48 Prozent auf 22 Milliarden Dollar – rund 70 Millionen über den Erwartungen. Der Gewinn je Aktie belief sich auf 2,44 Dollar, gegenüber 2,39 Dollar erwartet.
Der absolute Wachstumstreiber ist das KI-Halbleitergeschäft: Der Umsatz in diesem Segment stieg um 143 Prozent auf 10,8 Milliarden Dollar – und übertraf damit sogar die eigenen Prognosen des Managements deutlich. Der Gesamthalbleiterumsatz wuchs um 80 Prozent auf 15 Milliarden Dollar. Infrastructure Software legte um neun Prozent auf sieben Milliarden Dollar zu.
Die Guidance für das dritte Quartal liegt bei 29,4 Milliarden Dollar Umsatz – eine Milliarde über dem Konsens von 28,4 Milliarden. Im KI-Halbleiterbereich erwartet Broadcom im dritten Quartal ein Wachstum von über 200 Prozent auf 16 Milliarden Dollar.
Warum fällt die Aktie trotzdem? Stacy Raskin von Bernstein, einer der bekanntesten Analysten in diesem Segment, hat darauf hingewiesen, dass die Bruttomargen durch die stark wachsenden KI-ASICs unter Druck geraten könnten. Raskin bleibt bei Outperform und hebt das Kursziel von 525 auf 550 Dollar an – sieht aber einen operativen Hebel, der das ausgleichen kann. Die Margenwarnung scheint dennoch ausreichend gewesen zu sein, um die Erstreaktion der Anleger zu dämpfen.
Das Kurs/Gewinn-Verhältnis ist durch den Kursrückgang von rund 35 bis 36 auf jetzt 27 gesunken. Das Price/Earnings-to-Growth-Verhältnis liegt bei 0,6 – damit ist Broadcom sogar günstiger bewertet als der Halbleitersektor insgesamt (gemessen am SMH).
Charttechnik
Der Kurs ist auf rund 400 Dollar zurückgefallen. Auf diesem Niveau bietet sich charttechnisch ein interessanter Bereich, der Einstiegswilligen eine günstige Ausgangslage verschaffen könnte.
Martins Einschätzung
James Schneider von Goldman Sachs sieht jeden größeren Rücksetzer bei Broadcom als aggressiven Kaufzeitpunkt und prognostiziert für 2027 einen KI-Halbleiterumsatz von weit über 100 Milliarden Dollar. Diese Einschätzung teile ich. Ein Kurs/Gewinn-Verhältnis von 27 und ein PEG von 0,6 bei diesem Wachstumsprofil ist für mich eher eine Chance als ein Risiko. Wer Halbleiterexposure sucht, sollte Broadcom jetzt sehr genau anschauen.




